Freitagspredigt

Hutba – Der Monat des Korans und der Solidarität

12. September 2008

Verehrte Muslime,

wir haben nun fast die Mitte des Monats Ramadan erreicht. Auch diese abgezählten Tage werden zu Ende gehen. Deshalb möchten wir daran erinnern, diese wenige Tage in sinnvoller Weise zu nutzen. Wir müssen dieser Zeit größte Aufmerksamkeit entgegen bringen und sie mit Gottesdiensten (pl. Ibâdât) verbringen und viel spenden. Denn dieser Monat ist die Zeit, in der man sich von allen Sünden befreien kann. Diesbezüglich sagte der Gesandte Gottes Muhammad (saw): „Wer aus reinem Glauben und den Lohn von Gott erwartend die Ramadannächte belebt (mit Gebeten verbringt), dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“ (Nasâî, İmân, 22, V, 117) „Der Anfang des Ramadan ist Barmherzigkeit (Rahma), die Mitte ist Vergebung und das Ende die Errettung aus der Hölle. Wer in diesem Monat die Last derjenigen, die sich in seiner Verantwortung befinden, mildert, dem vergibt Allah und rettet ihn vor den Qualen der Hölle.“ „Wenn der Ramadan beginnt, werden die Tore der Himmel geöffnet, die der Hölle geschlossen und die Teufel in Ketten gelegt.“ (Buchârî, Sawm, 5)

Verehrte Geschwister,

der Ramadan erhält seine Bedeutung aus der Tatsache, dass in ihm die Offenbarung des Korans begann. So ist es unsere Aufgabe, uns in diesem Monat verstärkt der Lektüre des Korans hinzugeben. Denn der Koran lehrt uns das Rechte und weist uns den Weg ([2:185]). Falls es Muslime unter uns gibt, die den Koran noch nicht lesen können, sollten diese es noch in diesem Monat erlernen. Diejenigen, die ihn lesen können, sollten es verbessern. Ihre freie Zeit sollten wir in erster Linie dazu nutzen, an den Koranlesungen (Mukâbala) in den Moscheen teilzunehmen. Dies ist eine Sunna des Propheten. Denn er und seine Gefährten haben ihn in diesem Monat verstärkt gelesen und über seine Verse nachgedacht. Im Ramadan pflegte der Gesandte Gottes sogar zusammen mit dem Engel Dschibrîl (Gebriel) die bis dahin offenbarten Verse zu rezitieren. Die seit Jahrhunderten praktizierte Koranlesung im Ramadan basiert auf dieser Sunna. Falls wir nicht an den Koranlesungen in den Moscheen teilnehmen können, sollten wir dies zusammen mit unserer Familie zuhause praktizieren. Am besten ist es, wenn man parallel zum Originaltext auch eine Übersetzung liest. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass auch diese wertvolle Zeit schnell vergehen wird.

Verehrte Muslime,

eine andere Besonderheit des Ramadan ist der İtikâf, also das Verweilen in der Moschee. Bis an sein Lebensende pflegte der Gesandte Gottes die letzten zehn Tage des Fastenmonats in der Moschee zu verbringen. Um diese Sunna aufrecht zu erhalten, sollten wir Sorge dafür tragen, dass zumindest einer den İtikâf antritt.

Ebenfalls zu den Besonderheiten des Ramadans gehört, dass in diesem Monat die Geschwisterlichkeit und der Zusammenhalt unter den Menschen seinen Höhepunkt erreicht. Denn aus den Berichten zum Leben des Propheten sowie seiner Gefährten erfahren wir, dass diese neben den „körperlichen“ Gottesdiensten auch großen Wert darauf legten, die Zakât, die Firt-Abgabe zu entrichten und andere freiwillige Spenden (Sadaka, Infâk) zu geben. Im Ramadan war der Prophet, der ohnehin der Großzügigste unter den Menschen ist, noch großzügiger. Seine Gefährten, die den Weg des Gesandten Gottes gingen, gingen ihren Gottesdiensten besonders gewissenhaft nach und spendeten viel (Muslim, İtikâf, 7).

Ein weiteres Merkmal dieses Monats ist seine einigende Kraft. Die Zahl der Armen und Bedürftigen in den europäischen Ländern ist im Vergleich zu den restlichen Regionen der Welt, insbesondere der Türkei, sehr gering. Wir sind verpflichtet auch ihnen zu helfen, indem wir uns an der Kampagne unserer Abteilung für Soziale Dienste beteiligen. So können wir gewährleisten, dass unsere Zakât, Fitr-Abgabe und andere Spenden diesen Menschen zugutekommen. Auf diese Weise nutzen wir den Ramadan auch für die Stärkung der Geschwisterlichkeit und Solidarität. Wir dürfen nicht vergessen, dass keine Sekunde unseres Lebens zurückkommen wird. In diesem Sinne müssen wir diese Zeit in bester Weise verbringen.

IGMG – Irschad-Abteilung

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