Freitagspredigt

Hutba – Die Erziehung des „Nafs“

14. August 2009

Verehrte Muslime,

zu den wichtigsten Aufgaben des Muslims gehört die Läuterung der Triebseele (Nafs) und die Erziehung der eigenen Person zu einem aufrichtigen und standhaften Menschen. Eine ungezähmte Triebseele neigt sich stets dem Schlechten zu. Deshalb ist es wesentlich, nicht all ihren Wünschen Folge zu leisten. Denn dies käme der Vergöttlichung des Nafs nahe, von der der Koran in der Sure Furkan spricht:

Hast du nicht den gesehen, der seine Gelüste zum Gott nimmt? Könntest du etwa dafür verantwortlich sein? [25:43]

Die menschliche Seele ähnelt einem Garten. Kümmern wir uns nicht um den Garten, wird er von Unkraut befallen werden. Je länger wir seine Pflege hinausschieben, desto schwieriger wird es sein, eine gesunde und ansehnliche Pflanzenwelt heranzuziehen. Ein solcher, mit Unkraut überwuchter Garten wird, wie die ungezügelte Seele, auf die Dauer seinem Besitzer und seinem Umfeld schaden. Anders verhält es sich mit einem stets umsorgten Garten und einer geläuterten Seele. Dessen Duft und Anblick wird den Besitzer sowie sein Umfeld erfreuen.

 

Verehrte Geschwister,

Macht, Ruhm, Geld, Kinder oder der Ehepartner können zur Prüfung werden. Wichtig ist aber, sie als von Gott anvertraute Gaben anzusehen, statt sich als ihre Besitzer zu behaupten. Wir vergessen allzu oft, dass das diesseitige Leben vergänglich ist. Der Seele fällt es schwer, den Tod und die darauffolgende Rechenschaft zu akzeptieren. Dabei ist bei der Erziehung des Selbst die Gewissheit über das Jenseits von grundlegender Bedeutung. Zu den wichtigsten Mitteln dieser Erziehung gehört es, den Umgang mit dem Koran nicht zu vernachlässigen, seine eigenen Makel zu erkennen und Fehler zu bereuen. Auch die Überwindung von Geiz durch Teilen mit Anderen, die Verrichtung des Gebetes (Salâh), das Gedenken (Zikr) an Allah und das Bewusstsein, dass er stets aufmerksam ist, gehören zu notwendigen Erziehung der Seele jedes einzelnen Menschen.

Verehrte Muslime,

unser Glaube hat drei Widersacher. Diese sind die bereits erwähnte Triebseele, der Teufel und ein schlechter Freund. Die beste Form des Schutzes vor diesen Opponenten und die beste Methode der Selbsterziehung sind die Gottesdienste (pl. Ibâdât). Denn sie sind wie eine Kur für Körper und Geist. Der bald folgende Fastenmonat Ramadan ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, uns in der Selbsterziehung zu üben. Dafür müssen wir uns schon im Vorhinein geistig vorbereiten.  

 

Bevor wir unsere Hutba mit einem Koranvers beenden, möchten wir an den Sinn und die Bedeutung des Fastens (Sawm) erinnern und insbesondere auf die Tarâwih-Gebete und die finanziellen Gottesdienste während des Ramadan hinweisen. Gott sagt im Koran:

Wohl ergeht es dem, der sie (die Seele) läutert.“ [91:9] Welch Freude für die Glückseligen, die ihre Seele gereinigt haben!

 

IGMG-Irschadabteilung