Freitagspredigt

Hutba – Ein Muslim muss konsequent und ausgeglichen sein

27. Juli 2007

Verehrte Muslime,

Der Islam ist die Religion des Gleichgewichts und hat konsequente und unveränderliche Grundprinzipien fetsgelegt. Die Menschen, die dieser Religion anhängen, müssen ebenfalls konsequent und ausgeglichen sein. Der Islam ist auch in dieser Hinsicht erhaben und verlangt ehrenhafte Menschen. Menschen, die von heute auf morgen die Farbe wechseln, also nicht beständig und ausgeglichen sind, sind des Islams nicht wert. Denn die Anhänger des Islams, also die Muslime, sind Menschen des Gleichgewichts. Unser Herr gebietet im Koran, dass die Muslime anderen Gemeinschaften (Umma) als Vorbild und Zeugen dienen. So heißt es: „Und so machten Wir euch zu einem Volk der Mitte, auf dass ihr Zeugen für die Menschen seid. Und der Gesandte wird für euch (vor Allah) Zeuge sein.“ [2:143] Mit „Volk der Mitte“ ist hier eine Gemeinschaft gemeint, die sich vor Übertreibungen hütet und deren Religion, Charakter, Haltung und Handlung von Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gekennzeichnet ist; eine Gemeinschaft, die maßvoll, gerecht und harmonisch ist.

Verehrte Geschwister,

Um beim Handel richtig abwägen zu können, muss die dafür verwendete Waagschale richtig sein. An ihr darf also keine Krümmung oder ein anderer Mangel sein. Genauso muss die für die anderen Gemeinschaften zum Vorbild bestimmte muslimische Gemeinschaft wie eine Waage sein. Sie muss gerecht und aufrichtig sein und als Vorbild angesehen werden können, so dass sie den Menschen ein gutes Beispiel sein kann. Dies muss sowohl in der Umsetzung der religiösen Gebote als auch in weltlichen Angelegenheiten der Fall sein. So lobt unser Herr die Gläubigen und teilt mit, dass sie sich von Übertreibungen fernhalten und den mittleren Weg wählen: „Und diejenigen, welche beim Spenden weder verschwenderisch noch geizig sind, sondern die richtige Mitte dazwischen einhalten“¦“ [25:67] Unser Prophet, der Gesandte Gottes Muhammad (saw) antwortete auf die Frage: „Was ist der tugendhafteste Gottesdienst (Ibâda)?“ mit „Der, der dauerhaft ist, auch wenn er wenig ist.“ Denn auch wenn es wenig ist, kann hier von Konsequenz gesprochen werden.

Verehrte Geschwister,

In der heutigen Zeit kennt jeder den Koran und den Islam. Es gibt auch Menschen, die den Koran studieren, um die Wahheit zu finden und von Zeit zu Zeit auch welche, die den Islam annehmen. Aber diese Möglichkeit ist nicht immer und für jeden gegeben. Der Mensch ist, gemäß seiner Natur, eher dazu geneigt, etwas zu akzeptieren oder abzulehnen, dass er sieht und kennt. Dies ist auch das Geheimnis der Tatsache, dass die ersten Muslime den Islam in kurzer Zeit der Menschheit vermitteln konnten. Durch ihre Bescheidenheit und Aufrichtigkeit in ihren Gottesdiensten und die Gerechtigkeit und Rechtmäßigkeit in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen wurde der Islam in kurzer Zeit der Menschheit näher gebracht und die Muslime als vertrauenswürdige Menschen akzeptiert. Als Muslime haben wir heute jedoch Bedenken uns dieser Mission als würdig zu bezeichnen. Denn die heutigen Muslime haben ein bedauerlicherweise negatives Ansehen, da sie – wobei es sicher Ausnahmen gibt – oft nicht das tun, was sie sagen. Dies kann man überall in unserem Berufs- und Ausbildungsleben, in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen und der Verrichtung unserer Gottesdienste beobachtet werden. Aus diesem Grund sind wir nicht in der Lage die Rolle der harmonischen Gemeinschaft zufriedenstellend zu erfüllen. Diese Situation wird sich nur verändern, wenn wir gemäß den Maßstäben Allahs und seines Gesandten handeln. Deshalb sind die drei Monate, in denen wir uns befinden, eine von unserem Herrn gegebene Möglichkeit, um unser Inneres mit unserem Äußeren in Einklang zu bringen. Lasst uns diese Zeit gut nutzen und die Wege erforschen, ein aufrichtiger Muslim zu sein. Und vergesst nicht die folgenden Worte des Gesandten Gottes: „Übertretet in Angelegenheiten der Religion nicht die Grenze. Denn diejenigen, die vor euch waren, wurden vernichtet, weil sie in Angelegenheiten der Religion übertrieben haben.“ (Muslim, Ilm, 47/4 (3;2055)

IGMG – Irschad-Abteilung

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