Freitagspredigt

Hutba – Eine Gefahr für die Familie: Das Chatten

09. Mai 2008

Verehrte Muslime,

das Gebot der folgenden Koranverse, in denen es darum geht, dass es nicht gestattet ist, Verbotenes (Harâm) anzusehen, ist eindeutig: „Sage den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist geziemender für sie. Siehe, Allah kennt ihr Tun. Und sage den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau stellen sollen, außer was (anständigerweise) sichtbar ist; und dass sie ihre Tücher über ihren Busen schlagen „¦“ (Sure Nûr, [24:30][24:31]) Der Islam gibt den Muslimen einen Rahmen für die Beziehung von Mann und Frau an die Hand. Die Übertretung seiner Gebote führt zu Unheil und zu Zerrüttung der Werte der Familie und der Gesellschaft.

Verehrte Geschwister,

im Falle einer ernsten Heiratsabsicht können sich Mann und Frau im Rahmen eines Treffens kennenlernen, soweit das Zusammensein den Maßstäben entspricht. Hierzu sagte der Gesandte Gottes Muhammad (saw): „Wenn einer von euch eine Frau zu heiraten beabsichtigt, darf er diejenigen Eigenschaften (der Frau) betrachten, die ihn in seiner Absicht bestärken.“ (Abû Dâwûd, Nikâh, 18; Tirmizî, Nikâh, 5) Des Weiteren empfahl er seinem Gefährten Schûba bin Muğîra (ra), der eine Frau zu heiraten beabsichtigte: „Geh zu ihr. Denn, dass ihr euch seht, wird euch einander näher bringen.“ (Muslim, Nikâh, 74, 75; İbni Mâdscha, Nikâh, 9) Außerdem ist es gestattet, dass sich ein Mann und eine Frau, die sich nicht kennen, im Rahmen des Erlaubten miteinander sprechen, telefonieren oder via Internet kommunizieren, um etwa eine Frage zu stellen, eine Information einzuholen oder ein Geschäft abzuwickeln.

Aber eine Form der Kommunikation, die sich auch negativ auf die muslimische Gesellschaft auswirken kann, ist das sogenannte „Chatten“. Dabei geht es in erster Linie um einen reinen Zeitvertreib, doch gibt es sogar Menschen, die auf diesem Wege einen Ehepartner suchen. Die gegebene Möglichkeit auf diese Weise schnell mit einer Frau oder einem Mann in Kontakt zu treten, kann zu schwerwiegenden Probleme führen und sogar bestehende Familien zerrütten. Eine solche Beziehung kann sowohl der einzelnen Familie, als auch der Gesellschaft schaden. Solch ein Verhältnis beginnt meist mit einer harmlos erscheinenden Neugier, gefolgt von der Kontaktaufnahme via Schrift und Bild, und zerstört schließlich eine jahrelange fortgeführte Ehe. Insbesondere die Kinder leiden unter einer Scheidung, während die betreffenden Personen ihr geistiges Gleichgewicht verlieren. Manchmal kommt es sogar zu Familiendramen.

Verehrte Geschwister,

von solch einem Problem sind selbst die konservativsten Familien betroffen. Auf unschuldige Weise versuchen Menschen mit netten und schmeichelhaften Worten die Gefühle des Gegenübers zu beeinflussen und ebnen somit den Weg zu folgenreichen Problemen. Wie kann man solchen Menschen, die sich hinter einem Pseudonym verstecken, überhaupt Vertrauen schenken? Trotz der eindeutigen Antwort auf diese Frage, erfahren wir immer wieder von Irreführungen, die mit einem Drama für die gesamte Familie enden.

Unter Unzucht (Zinâ) ist nicht nur der außereheliche Geschlechtsverkehr zu verstehen. Unser Herr gebietet „Und kommt der Unzucht nicht nahe. Das ist fürwahr etwas Schändliches und ein übler Weg.“ (Sure Isrâ, [17:32]) und schreibt also vor, nicht einmal in die Nähe dieser Sünde zu kommen. Daraus ist zu folgern, dass auch die Wege, die zu ihr führen, verboten sind. So kann also auch das Chatten eine Form der Unzucht sein. In vielen Hadîthen hat der Gesandte Gottes auf die Unzucht und die Wege, die zu ihr führen, hingedeutet: „Wer Frauen und Mädchen verführt, gehört nicht zu uns.“ (Ahmad bin Hanbal) „O ihr Jugendlichen, bewahrt eure Würde, begeht keine Unzucht. Zweifelslos steht demjenigen, der seine Würde bewahrt, das Paradies zu.“ (Hâkim) „Heiratet und lebt anständig, um vor Schlechtem geschützt zu sein.“ (Ibni Asâkir)

Also, verehrte Geschwister,

müssen wir Acht geben, dass unsere Mitmenschen nicht zu solchen Sünden verleitet werden und unter den schweren Folgen zu leiden haben. Wir dürfen nicht gutheißen, dass unter dem Deckmantel von Bezeichnungen wie „Liebe“ oder „Flirten“ Möglichkeiten für uneheliche Beziehungen eröffnet werden. Zumindest in unserer unmittelbaren Umgebung müssen wir darauf achten. Wir sind verpflichtet, unsere Mitmenschen zum Guten zu führen und sie vor schlechten Dingen zu warnen. Lasst uns unseren Herrn bitten, dass er uns im Diesseits ein sorgenfreies Leben beschere und wir mit Zufriedenheit ins Jenseits gelangen können.

IGMG – Irschad-Abteilung

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