Freitagspredigt

Hutba – Kommunikationsprobleme in der Familie

16. Mai 2008

Verehrte Muslime,

Kommunikation ist die bewusste oder unbewusste Vermittlung von Informationen und Gefühlen. Menschen sind erst in der Lage, eine harmonische Gemeinschaft zu bilden, wenn sie miteinander kommunizieren können. Nur die Gesellschaft, zwischen dessen Mitgliedern eine gesunde Kommunikation gegeben ist, ist eine intakte Gesellschaft. Die Familie indes, dessen Aufgabe darin besteht, die Entwicklung jedes Familienmitgliedes zu fördern, ist die kleinste und zugleich einflussreichste Einheit der Gesellschaft. Entwicklung wiederum kann nur gegeben sein, wenn die Bedürfnisse jedes Individuums erfüllt werden. Die Kommunikation innerhalb der Familie gehört zu diesen Bedürfnissen. Dabei kommt es weniger auf die Form dieser Kommunikation an als darauf, dass sie ununterbrochen fortgesetzt wird.

Verehrte Geschwister,

in der Familie ist die Kommunikation zwischen Vater und Mutter ausschlaggebend. Diese muss gegeben sein, da sowohl die Harmonie des Familienlebens als auch die psychologische Entwicklung der Kinder von dieser abhängig sind. Das aufrichtige Verhältnis von Vater und Mutter ist ausschlaggebend für die Kommunikation unter ihnen und ebenso wichtig für die Fähigkeit der Kinder, ihre Bedürfnisse mitteilen zu können. Aus diesem Grund dürfen die Probleme der Familie nicht verschwiegen werden. Vielmehr müssen sie in angebrachter Weise besprochen und gemeinsam gelöst werden. Nur dann kann von einer gesunden Kommunikation in der Familie gesprochen werden. Forschungsergebnissen zufolge ist erwiesen, dass die Entwicklung eines Neugeborenen von der Zuneigung abhängig ist, die ihm entgegengebracht wird. Je mehr man mit einem Neugeborenen spricht und sich um es kümmert, desto gesunder verläuft seine psychologische und sprachliche Entwicklung.

Verehrte Muslime,

ein bedeutender Punkt der Kommunikation, insbesondere in der Familie, ist die grundlegende Eigenschaft, sich in die Situation des Anderen zu versetzen. In diesem Sinne muss der Gegenüber als eigenständige Person respektiert werden und ihm der Wert beigemessen werden, der ihm gebührt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist Kommunikation die Fähigkeit, sich dem Partner gegenüber wahrhaftig und natürlich zu verhalten. Hierbei ist uns der folgende Vers ein Wegweiser: „Sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid“¦“[2:187] Indes gibt uns der Gesandte Gottes Muhammad (saw) den folgenden Rat: „Wenn sich der Ehemann und die Ehefrau liebevoll ansehen, betrachtet sie Allah mit Barmherzigkeit. Wenn der Mann die Hände der Frau hält, gleiten die Sünden beider zwischen ihren Fingern hindurch.“ (Munâwî, Fajzu’l-Kadîr, II, 333, Hadîth Nr. 1977)

Verehrte Geschwister,

ein anderer wichtiger Punkt der Kommunikation ist, dass die Ehepartner bzw. Familienmitglieder die Leistungen des Anderen anerkennen und loben. Wie viele Eltern und Kinder gibt es doch, die die Leistung der anderen nicht würdigen? Die Person, die eigentlich Lob und Anerkennung erwartet, wird mit dem Gegenteil konfrontiert und erlebt eine Enttäuschung. Folglich versucht sie woanders Anerkennung und Bestätigung zu finden. An dieser Stelle kommen oft andere Formen der Kommunikation wie das Telefon, das Internet oder das Fernsehen ins Spiel. Es kommt sogar vor, dass durch diese Medien, die an sich von großem Wert sein können, das Mittel zur Zerstörung der Familie sein können. Es kann auch vorkommen, dass sich zwei Menschen, die sich stundenlang im selben Raum aufhalten, kein Wort miteinander wechseln, danach aber der Mann oder die Frau die Nacht vor dem Computer verbringt, weil er oder sie glaubt, die benötigte Zuneigung dort finden zu können.

Wenn man jedoch die Empfehlungen und Handlungen des Propheten betrachtet, wird man feststallen können, wie gut er die Psyche des Menschen kannte. So besuchte er jeden Morgen und jeden Nachmittag seine Gemahlinnen und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Er fragte sie nach ihren Bedürfnissen und teilte ihre Sorgen. Er erwies ihnen Respekt und bestätigte ihre Leistungen. Dadurch gab er ihnen die Anerkennung, die sie benötigten. Deshalb führten sie ein glückliches, wenn auch bedürftiges Leben. Aîscha (ra), in dessen Haushalt drei Tage lang kein Essen zubereitet wurde, sagte: „Der Prophet war der Mensch, der, wenn er mit seinen Gemahlinnen allein ist, sie durch seine Worte und Handlungen spüren ließ, dass er sie wertschätzte.“ (Buchârî, Adab 40; Tirmizî,  Kijâma, 45)

Aus diesem Grund müssen wir angesichts der Zerrüttung der Familie unser Familienleben aufrecht erhalten. Wir müssen uns von nutzlosen Dingen fernhalten und uns fragen, was unsere Ehepartner und Kinder von uns erwarten und unsere Geschwister dazu motivieren auch in diesem Sinne zu handeln.  

IGMG – Irschad-Abteilung

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