Freitagspredigt

Hutba – Opferfest 2009

22. November 2009

Verehrte Muslime,

jedes Jahr am zehnten Tag des Monats Zilhidscha feiern wird das Opferfest. Das Opfern ist ein Symbol (Schiâr) des Islams. Das, was es zu etwas Besonderem macht, sind die Opfer, die wir für Gott erbringen. Über die Zeichen Gottes steht im Koran folgendes: So ist es. Und wer Allahs Symbole ehrt, beweist Herzensfrömmigkeit. (Sure Hadsch, [22:32]) Vielleicht kann man damit noch nicht viel anfangen. Doch wenn man bedenkt, dass wir im Türkischen zwei verwandte Wörter verwenden, nämlich „şair“/“ şiir“, also Dichter/Gedicht und „şuur“, was Bewusstsein oder Verantwortung bedeutet, eröffnet sich eine tiefer gehende Sichtweise. Im Koran werden die Kâba, der Stein „Hadschar al-Aswad“, der Platz Abrahams (as) sowie die Hügel Safâ und Marwa als Symbole bezeichnet. Was ist nun ein Symbol? Um das zu verstehen, müssen wir wissen, dass man mit Gedichten Gefühle verbindet und ein Dichter derjenige ist, der fühlt. Wenn uns die genannten Symbole in eine andere Gefühlswelt versetzen können, dann haben wir sie verstanden.

Verehrte Geschwister,        

auch das Opfern ist ein Symbol. Wenn uns das Opfern die Hingabe Ibrahîms (as), den Gehorsam seines Sohnes Ismâîl (as) und die Opferbereitschaft Hadschars (ra) erkennen und fühlen lässt, dann haben wir verstanden, was es heißt, zu opfern. Noch vor einem Tag wäre das Schlachten eines Tieres eine einfache Handlung. Doch heute ist es ein Mittel sich dem Schöpfer zu nähern. So heißt es in einem Vers des Korans: Und als sie zu euch kamen, sprachen sie »Wir glauben!« Doch sie kamen im Unglauben und gingen im Unglauben fort. Allah aber weiß sehr wohl, was sie verbergen. Und du siehst viele von ihnen in Sünde und Bosheit und im Essen des Verbotenen miteinander wetteifern. Wahrlich, ihr Tun ist schlimm. (Sure An’âm, [6:162][6:163]) Nicht das Fleisch des Tieres, sondern unser Bewusstsein, unsere Furcht vor dem Verlust der Nähe Gottes, unser Takwâ, machen das Opfern aus: Und verkünde ihnen der Wahrheit gemäß die Geschichte der beiden Söhne Adams, als sie ein Opfer darbrachten. Angenommen wurde es von dem einen von ihnen, aber nicht von dem anderen. Er sprach: »Wahrlich, ich schlage dich tot!« (Der andere) sprach: »Siehe, Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen an. (Sure Mâida, [5:27]) Als dieser Vers herabgesandt wurde, soll Abdullah ibni Umar (ra) gesagt haben: „Ich weiß nicht, ob Gott die zwei Gebetsabschnitte annimmt, die ich verrichte. Das wäre mir lieber, als alles die Welt und alles, was sie enthält. Denn am Ende zählt nur der Takwâ.“

Verehrte Muslime,

Feste werden gemeinsam begangen. Deshalb sollten wir jede Gelegenheit nutzen, um unsere Glaubensgeschwister zum Opferfest zu beglückwünschen, unsere Freunde und Verwandte zu besuchen, die Zerstrittenen zu versöhnen und unsere Kinder auch mit ihrer entfernten Verwandtschaft bekannt machen.

Verehrte Geschwister,

begeht das Fest in aller Ruhe. Nicht die Hektik des Tages, sondern der Segen des Festes sollte vorherrschend sein. Lasst uns daran denken, dass wir auch dieses Jahr hunderttausende Menschen mit unseren Opfertierspenden erreicht haben. Das Blut unserer Opfertiere wird nicht im trockenen Boden Afrikas versiegen, sondern im Paradiesgarten Firdaws. Dank der Unterstützung von 400 Mitarbeitern und Helfern hat die IGMG wieder einen großen Dienst geleistet. Im Angesicht dieses Verdienstes können wir alle stolz auf uns sein. Solange es euch gibt, solange werden auch die Dienste der IGMG kein Ende finden. In diesem Sinne gratulieren wir all unseren Geschwistern zum Opferfest.

IGMG-Irschadabteilung   

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