Freitagspredigt

Hutba – Sich zur Rechenschaft ziehen

24. Juli 2009

Verehrte Muslime,

das Wort Nafs bezeichnet unsere Triebseele, die unser Wesen und unsere Persönlichkeit zu unterschiedlichen Versuchungen verleitet. Insbesondere unsere Triebe müssen wir gut kennen, um mit ihren negativen Einflüssen achtsam umgehen zu können.

 

Der Mensch muss sich selbst von Zeit zu Zeit zur Rechenschaft ziehen. Über gute und sinnvolle Handlungen kann er sich freuen und Gott danken. Bei schlechten Taten sollte er einsichtig sein, sein Handeln reflektieren und sich vornehmen, diese nicht zu wiederholen. Selbstkritik kann individuell aber auch kollektiv geschehen. Hierbei sollte die Familie, die Gruppe, die Gesellschaft betrachtet und bewertet werden, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Bezüglich des Nafs gibt es zahlreiche Verse und Hadîthe. Einige davon möchten wir an dieser Stelle nennen: Der Gesandte Gottes sagte: „Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr Rechenschaft ablegen müsst.“ (Tirmizî, Sifatul Kijâma, 2383) Seine Triebe zu kontrollieren wird von Muhammad (saw) als „große Anstrengung“ bezeichnet. Nicht umsonst weist uns unser Herr (Rab) im Koran darauf hin: „Das (Menschen-)Wesen gebietet oft Böses“ (Sure Jûsuf, [12:53]).

„Über jede Seele gibt es zweifelsohne einen Bewahrenden“ (Sure Târik [86:4]) und „… niemand weiß, in welchem Lande er sterben wird.“ (Sure Lukmân, [31:34]) Deshalb muss der Mensch jederzeit bereit sein, seinem Herrn gegenüberzutreten. Denn wenn dieser Augenblick gekommen ist, „Dann weiß die Seele, was sie getan und was sie unterlassen hat.“ (Sure Infitâr, [82:5]) Aus diesem Grund lehrt unsere Religion stets im Diesseits in das Jenseits zu investieren.

Verehrte Geschwister,

wir wissen, dass unser diesseitiges Leben unser jenseitiges bestimmen wird. Dort wird niemandem Unrecht angetan, jeder bekommt, was er verdient. Denn der Richter wird Gott selbst sein. (Sure Tîn, [95:8]; Sure Mu’min, [40:17]) Seine guten Taten werden ihm als Belohnung zugute kommen, während sein Fehlverhalten eine Bestrafung nach sich ziehen wird. Die Vergebung einer Sünde wird nicht möglich sein, auch wenn man „eine ganze Erde voller Gold“ (Sure Âl-i Imrân, [3:91]) dafür hergeben wollte. Ohne die Erlaubnis Gottes wird niemandem Fürbitte zugesprochen werden können. Denn Gott hat uns freigestellt, uns für das Diesseits oder das Jenseits zu entscheiden: „…Wer den Lohn der Welt begehrt, dem geben wir davon, und wer den Lohn des Jenseits begehrt, dem geben wir davon…“ (Sure Âl-i Imrân, [3:145]) „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das Acht, was sie für morgen vorausschickt.“ (Sure Haschr, [59:18]) „…Ich schwöre bei der sich anklagenden Seele.“ (Sure Kijâma, [75:2]) „Und wir werden am Tage der Auferstehung gerechte Waagen aufstellen, und niemand soll im geringsten Unrecht erleiden.Und wäre es (auch nur) im Gewicht eines Senfkorns. Und wir brächten es herbei. Und wir genügen als Rechner.“ (Sure Anbijâ, [21:47])

Verehrte Muslime,

von Zeit zu Zeit sollten wir uns folgende zwei Fragen stellen, um uns selbst zur Rechenschaft zu ziehen.

1. Hat uns Gott etwas vorenthalten?

Wären wir in der Lage unsere Bedürfnisse zu stillen, wenn uns unser Herr, der uns auf dieser Welt leben lässt und uns versorgt, nicht die Erlaubnis dazu geben würde? Wenn es etwas gibt, das uns fehlt, sollten wir Gott darum bitten, denn Gott ist der wahre Besitzer von allem.

2. Sind wir Gott etwas schuldig?  

Ja, das sind wir. Wir schulden ihm Dank, Dienerschaft und Einsatz für seine Religion auf dieser Welt. Diese unsere Schulden zu begleichen, ist unsere Aufgabe bis zu unserem letzten Atemzug auf dieser Erde.

IGMG-Irschadabteilung

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