Freitagspredigt

Hutba – Was Gott missfällt: Verschwendung

13. November 2009

Verehrte Muslime,

Verschwendung (Isrâf) ist es, wenn wir etwas für Ziele und Zwecke und in einer Art und Weise verwenden, die unsere Religion (Dîn) nicht gutheißt. Es gibt viele Arten von Verschwendung. Doch vor allem die Verschwendung von Geld, Besitz und Zeit sind jene Arten von Isrâf, die uns alle angehen. So wie verantwortungsbewusster Umgang mit Zeit und Geld nicht als Geiz angesehen werden kann, so ist auch Verschwendung nicht als Großzügigkeit zu betrachten. Der mittlere Weg ist der ausgewogene Umgang mit dem von Gott Gegebenen. Geiz und Verschwendung sind die Über- bzw. Unterschreitung dessen, was im Islam als ausgewogen gilt. Gott hat uns beides verboten, wie der folgende Vers deutlich macht: „Und lass deine (Geber-)Hand nicht an deinen Hals gefesselt sein, aber öffne sie auch nicht so weit, dass du tadelnswürdig und verarmt dasitzt.“ (Sure Isrâ, [17:29])

Unsere Religion ist eine Religion der Ausgewogenheit. Gott gebietet uns nicht verschwenderisch zu sein, sei es hinsichtlich des Essens und Trinkens und der Kleidung; er empfiehlt uns vielmehr unser Geld, unseren Besitz, unsere Zeit und unsere Kräfte seinem Willen entsprechend einzusetzen. Im Koran heißt es: „“¦ Esst und trinkt, aber schweift nicht aus. Siehe, er liebt die Ausschweifenden nicht.“ (Sure Âraf, [7:31]) und unser Prophet Muhammad (saw) sagte: „Esst, trinkt und spendet, ohne Stolz und Verschwendung“ (Nasâi, Zakât; 66,5,79)    

Verehrte Geschwister,

mit Besorgnis müssen wir aber feststellen, dass in unserer Zeit die Verschwendung überhand gewonnen hat, insbesondere in unserer Gesellschaft. Überall kann man auf Beispiele für verschwenderisches Handeln treffen: Verschwendung beim Essen, der Kleidung sowie Zeitverschwendung. Dabei gibt es Millionen von Menschen auf der Erde, die in größter Armut leben. Viele dieser Menschen sind auf Nahrungsmittel angewiesen, die andere in den Abfall werfen. Dabei würde all das, was wir an Nahrungsmitteln, Wasser, Geld oder Energie verschwenden, ausreichen, um diesen Menschen ein würdigeres Leben zu ermöglichen. Von unseren Geschwistern, die im Rahmen der Opfertierkampagne in zahlreiche Länder der Welt reisen, wird uns von Menschen berichtet, die mit ihrem Vieh denselben Raum teilen und manchmal nichts mehr zu essen haben, als einige gekochte Blätter. Dabei könnte die Not in kurzer Zeit gelindert werden. Unsere Religion, die uns lehrt sogar ein paar Brotkrümel aufzuheben, die beim Essen auf den Boden fallen, zeigt uns, wie wir ein verantwortungsbewusstes Leben ohne Verschwendung führen können.

Verehrte Muslime,

Verschwendung gleicht einer Krankheit, von der es sich zu befreien gilt. Der Weg der Heilung führt über die Befolgung der weitreichenden Empfehlungen und Gebote des Islams. Beispielsweise sollten folgende Aussprüche des Gesandten Gottes nicht an uns vorbeigehen: Eines Tages kam der Prophet zu Sad (ra), der für die Gebetswaschung (Wudû) mehr Wasser verwendete als nötig wäre. Er fragte: „Was soll diese Verschwendung?“ Sad (ra): „Kann man denn auch bei der Gebetswaschung verschwenden?“ Der Gesandte Gottes gab folgendes zur Antwort: „Ja, auch wenn du dich am Ufer eines Flusses befindest, verschwende nicht. „ (Ibni Mâdscha, Tahâra, 48,1; Ahmad bin Hanbal, 2, 221)

 

Wenn wir uns all dies vor Augen halten, gebührt uns nichts anderes, als uns von allem fernzuhalten, das dem Willen Gottes zuwider ist. Um uns vor Verschwendung zu hüten, müssen wir ein Leben gemäß dem Koran und der Sunna führen. Uns gebührt es, die Gaben Gottes entsprechend dem Vorbild des Propheten zu wertschätzen und dankbar zu sein. Möge uns Gott dabei helfen.

 

IGMG-Irschadabteilung