Freitagspredigt

Hutba – Wenn die Gemeinschaft zerbricht

02. Januar 2009

Verehrte Muslime,

unsere Religion legt großen Wert auf die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Muslime. Nicht umsonst werden sie im Koran als „Geschwister“ bezeichnet und vom Gesandten Gottes Muhammad (saw) mit den Ziegeln einer Mauer verglichen. Unter Muslimen herrscht Geschwisterlichkeit, Gleichheit, Solidarität und Zusammenhalt; der „Wert“ eines Muslims wird nicht durch seine Herkunft oder seinen sozialen Status bestimmt.

Sowohl der Koran als auch die Sunna leiten die Muslime dazu an, zusammenzuhalten und berichten von denjenigen, die dieses Gebot missachtet haben. Einige Koranverse und Hadîthe diesbezüglich lauten: O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah geziemend, und sterbt nicht anders denn als Muslime. Und haltet allesamt an Allahs Seil fest, und zersplittert euch nicht… [3:102][3:103] So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den wahren Glauben, gemäß der natürlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der Schöpfung Allahs. Dies ist die richtige Religion. Jedoch, die meisten Menschen wissen es nicht. Wendet euch Ihm zu und fürchtet Ihn und verrichtet das Gebet und seid nicht unter denen, die Ihm Gefährten zur Seite setzen; unter denen, die ihre Religion aufgespaltet haben und so in Sekten zerfielen, wobei sich jede Partei ihrer eigenen Doktrin erfreut. [30:30] [30:31][30:32] Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht kleinmütig werdet und euere Kraft euch verlorengeht. Und seid standhaft; siehe, Allah ist mit den Standhaften.[8:46] Und unser Prophet sagte: Die Hand Allahs ist mit der Gemeinschaft. (Tirmizî, Fitan, 7) Der Segen kommt mit der Gemeinschaft.“ (Ibni Mâdscha, At’ima, 17) Gemeinschaft ist Barmherzigkeit, Zersplitterung ist Qual. (Ahmad bin Hanbal, IV, 145)

Verehrte Geschwister,

leider müssen wir feststellen, dass die Situation der Muslime im Allgemeinen eher der Beschreibung des zuletzt zitierten Verses entspricht: Die Muslime haben sich in viele Gruppen zersplittert und trotz ihrer großen Zahl, besitzen sie kaum einen Einfluss in der Welt. Die einzige Möglichkeit, sich aus dieser Lage zu befreien, ist es, keinen Unterschied zwischen seinen Glaubengeschwistern zu machen, sie zu respketieren, sich mit ihnen zu freuen und ihr Leid zu teilen, als ob es das eigene wäre. Nur so kann ein Bewusstsein für die Gemeinschaft, für die Umma entstehen. Das Geheimnis des Erfolges des Islams liegt nicht zuletzt in seinem Verständnis von Geschwisterlichkeit und seinem Bewusstsein für die Gemeinschaft.

Verehrte Muslime,

wenn wir uns fragen, was passiert, wenn dieser Zusammenhalt nicht gewährleistet werden kann und zerbricht, müssen wir uns nur die Lage der Muslime auf der Welt ansehen. Ja, wir haben den Koran und die Sunna und zählen an die 1,5 Millarden Muslime, aber wir haben keinen Einfluss. Das beste Beispiel hierfür ist die aktuelle Situation im Gaza-Streifen. Dies ist der beste Beweis dafür, dass es keinen Zusammenhalt unter den Muslimen auf der Welt gibt. Denn während ein Teil von uns niedergemetzelt wird, besitzt der andere Teil nicht einmal den Mut, dieses Verbrechen zu verurteilen. Wir müssen zu Bewusstsein kommen und der Leitung des Korans und der Sunna folgen. Es ist erforderlich, dass wir uns unserer Verbundenheit als Glaubengeschwister erneut bewusst werden und dies auch unter Beweis stellen.

Verehrte Geschister,

seit etwa einer Woche haben unsere Geschwister im Gaza-Streifen unter den erbitterten israelischen Angriffen und deren Folgen zu leiden. Wir verurteilen die Attacken des israelischen Staates, für den anscheinend jede Art von Kriegsführung gerechtfertigt zu sein scheint. Wir beten für unsere palästinensichen Geschwister, die ohnehin seit fünfzig Jahren unter Besatzung leben. Neben unseren Gebeten bemühen wir uns, unseren Geschwistern humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Unsere wirksamsten Mittel sind allerdings immer noch unsere Gebete. Deshalb rufen wir all unsere Geschwister dazu auf, in der Nacht vom Freitag auf den Samstag aufzustehen und Bittgete für die Menschen im Gaza-Streifen zu sprechen. Außerdem möchten wir daran erinnern, dass wir alle Gemeindemitglieder – Frauen und Männer, jung und alt – zum Morgengebet am kommenden Sonntag, den 4. Januar 2009, in den Moscheen erwarten. Nach dem Morgengebet werden wir für unsere palästinensischen Geschwister und alle anderen Menschen in Not beten. Ferner bitten wir unsere Geschwister, an dem Dschanâza-Gebet (Totengebet), direkt im Anschluss an das Freitagsgebet, teilzunehmen. Möge Allah uns erneut zusammenbringen und uns Kraft geben.

IGMG-Irschadabteilung

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