Freitagspredigt

Hutba – Wissen und Bildung, ein Teil der Religion

30. April 2010

Verehrte Muslime,

die Suche nach Religion liegt in der Natur (Fitra) des Menschen. So oder so versucht jeder Mensch, diesem Bedürfnis nach Glauben nachzukommen. Um dem Menschen bei seiner Suche nicht allein zu lassen, hat Allah Propheten gesandt und Bücher offenbart. Auf diesem Wege hilft uns Gott, zu erkennen, dass nur er es ist, der es wert ist, angebetet zu werden. Der Islam ist eine Religion, die großen Wert auf Wissen (Ilm) legt. Das bedeutet: Der Islam kann nicht ohne Wissen gelebt werden. Der Mensch, der in besitz von Wissen und Weisheit (Hikma) ist, kann sogar einen höheren Rang erlangen als die Engel. So war es auch das Wissen, das den Propheten Âdam (as) von den Engeln unterschied und weshalb Gott ihnen befahl, sich vor ihm zu verbeugen.

Verehrte Geschwister,

sich zu einer Religion zugehörig zu fühlen, ist eine Sache. Dieses Zugehörigkeitsgefühl auch mit Wissen zu untermauern und als religiöser Mensch zu leben, ist die andere. So ging folgender Duâ (Bittgebet) des Gesandten Gottes in den Koran ein: „…O mein Herr! Mehre mein Wissen! [20:114] In einem anderen Vers heißt es: „…Allah wird diejenigen von euch, die glauben und denen Wissen gegeben wurde, um Rangstufen erhöhen…“ [58:11] Was das Wissen für den Glauben bedeutet, darauf wird in der Sure Fâtir hingewiesen: „…Aber nur die Wissenden unter seinen Dienern fürchten Allah. Allah ist fürwahr mächtig, verzeihend.“ [35:28]

Verehrte Muslime,

allein sich die Mehrung seines Wissens zu bemühen, unabhängig von dem Resultat, ist eine lobenswerte Handlung. So heißt es in einem Hadith: „Die Welt und alles, was auf ihr ist, hat keinen Wert. Nur Gottes zu gedenken und die Beschäftigung mit Dingen, die ihm näher bringen, der Wissen Lehrende und Lernende, ist hiervon ausgenommen.“ (Riyâzu’s Sâlihîn) In einer anderen Überlieferung spricht Muhammad (saw) über die Bemühung Wissen zu erlangen: „Wer sich auf den Weg macht, um Wissen zu erwerben, dem erleichtert Allah den Weg zum Paradies. Weil sie mit demjenigen zufrieden sind, breiten die Engel ihre Flügel über ihm aus. Jene, die sich in den Himmeln und auf Erden befinden, sogar die Fische im Wasser, bitten um Vergebung für ihn. „ (Riyâzu’s Sâlihîn)

 

Verehrte Geschwister,

vieles auf dieser Welt kann man ersetzen. Doch den Platz des Wissens, das den Menschen Glückseligkeit im Jenseits bescheren wird, kann durch nichts erstetzt werden. Unser Ziel sollte es deshalb sein, Menschen zu sein, die Wissen besitzen und ihrer Religion verbunden sind. Dies ist möglich, wenn wir einen starken Glauben haben, die Ibâdas (Gottesdienste) nicht vernachlässigen und uns gemäß dem Vordild des Propheten verhalten. Wenn die Muslime heute unzufrieden sind mit ihrer Situation, sie keine Perspektiven haben und kein Bewusstsein dafür entwickelt haben, was es heißt, als Muslim zu leben, dann deshalb, weil sie sich von den Quellen – dem Koran und der Sunna – entfernt haben. Deshalb ist es notwendig, zu lernen, sich zu bilden, zu entwickeln und sich Wissen anzueignen. Nur so kann aus uns eine Gemeinschaft von Menschen werden, die sich ihres Muslimseins bewusst sind.

 

IGMG-Irschadabteilung