Freitagspredigt

Hutba – „Unser Herr, gib uns Gutes im Diesseits und im Jenseits“

18. Mai 2012

Verehrte Muslime,

Menschen streben nach Besitz, Erfolg und Einfluss. Sie sind aber auch besorgt, wenn es um ihr Leben, ihre Lebensqualität oder ihren Besitz geht. Dies alles sind Prüfungen für den Menschen. Wer ausgeglichen mit seinen Bedürfnissen und Sorgen umgehen kann, tut genau das, was Gott von uns erwartet.

Entsprechend unserer Natur sind wir dem Diesseits, also dem weltlichen Leben nicht abgeneigt. Allah empfiehlt uns im Koran, ein ausgewogenes Leben zu führen, indem wir uns gleichermaßen für das Diesseits und das Jenseits bemühen und nicht das Ziel aus den Augen verlieren. Gott erwartet von uns, dass wir um ein gutes Leben im Jenseits bitten, das Leben im Diesseits aber nicht vergessen. Dass im Koran immer wieder darauf hingewiesen wird, liegt daran, dass der Mensch, dies früher oder später außer Acht lässt.

Liebe Geschwister,

auch die schönste Blume verblüht eines Tages. So auch unser Körper, der mit der Zeit immer schwächer wird. Der Koran erinnert oftmals daran, wie kurz das Leben im Diesseits ist, das es uns manchmal verblendet und wertlos sein kann – im Gegensatz zum Jenseits. In einem Koranvers wird das Diesseits wie folgt beschrieben: Wisset, dass das irdische Leben nur Spiel und Scherz und Flitter und Prahlerei unter euch ist und Wetteifern um Vermögen und Kinder. Dies gleicht dem Regen, dessen Wachstum die Bauern erfreut. Dann aber welkt es, und du siehst es gelb werden. Dann zerbröckelt es. Und im Jenseits ist strenge Strafe ebenso wie Verzeihung von Allah und Wohlgefallen. Doch das irdische Leben ist nur ein trügerischer Nießbrauch auf Zeit.„  (Sûre Hadîd, [57:20])

Das heißt aber nicht, das diesseitige Leben sei von Grund auf schlecht und wertlos. Die betreffenden Koranverse warnen vielmehr vor einem maßlosen und auf das Diesseits fixierten Leben. Sie rufen uns den Tag der Rechenschaft immer und immer wieder ins Gedächtnis. Der Gelehrte und Koranexeget Fahrettin Razi listet in seinem Korankommentar einige Verse auf, die deutlich machen, was für ein Segen das diesseitige Leben ist. Dann schreibt er: „Hier geht es um denjenigen, der sich nicht von Allah, sondern vom Teufel und seinen Trieben leiten lässt. Das ist es, was hier im Bezug auf das Diesseits kritisiert wird.“ Imam Âlusî überliefert in seinem Werk einige erhellende Worte von Said bin Dschubayr: „Die Welt ist so lange irreführend, solange sie dich davon abhält, nach dem Jenseits zu streben. Leitet sie dich aber zum Wohlgefallen Allahs und zum Jenseits, dann ist sie eine wundervolle Gabe.“

Verehrte Muslime,

es wird der Tag kommen, an dem wir diese Welt verlassen und in das Jenseits eintreten werden. Genauso wie unsere Kinder, die den ganzen Tag lang versuchen, Sandburgen zu bauen, aber am Ende des Tages in ihre eigentlichen Häuser zurückkehren. In diesem Sinne möchten wir unsere Hutba mit einem Bittgebet unseres geliebten Propheten beenden, das er oft gesprochen hat. Unser Prophet betete: „Unser Herr, gib uns Gutes im Diesseits und im Jenseits …“ (Sûre Bakara, [2:201]) Möge uns Allah zu jenen zählen, denen er im Diesseits und im Jenseits nur Gutes gibt!

IGMG-Irschadabteilung

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