Freitagspredigt

Hutba – Allah, der Barmherzige

26. Oktober 2012

Verehrte Muslime,

in einer Überlieferung wird beschrieben, wie unser Prophet und seine Gefährten (Pl. Ashâb) eine Frau sahen, die sorgevoll nach ihrem Kind suchte. Als sie es fand, drückte sie es voller Erleichterung an sich. Da wandte sich der Gesandte Allahs seinen Gefährten zu und fragte: „Könnt ihr euch vorstellen, dass diese Frau ihr Kind jemals ins Feuer werfen würde?“ Die Gefährten antworteten: „Bei Allah, nein, das würde sie niemals tun.“ Daraufhin sagte unser Prophet: „Die Barmherzigkeit Allahs gegenüber seinen Dienern ist größer, als die dieser Mutter gegenüber ihrem Kind.“ (Muslim, Tawba, 22) So aufopfernd, selbstlos und barmherzig wie eine Mutter ihrem Kind gegenüber ist, ist kaum ein Mensch jemandem anderen gegenüber. Doch die Barmherzigkeit unseres Schöpfers ist um ein Vielfaches größer, als die einer Mutter.

Liebe Geschwister,

Allah gibt uns durch den Koran die Möglichkeit, ihn kennenzulernen. Im Koran wird Allah als „ar-Rahmân“ (der Allbarmherzige) und „ar-Rahîm“ (der Allerbarmer) bezeichnet. Dort heißt es auch, dass er sich die Barmherzigkeit selbst vorgeschrieben hat (Sure An’âm, [6:12]) und, dass seine Barmherzigkeit alles umfasst (Sure Âraf, [7:156]).

Wer das weiß, müsste eigentlich glücklich sein. Viele aber sind sich über die unendliche Barmherzigkeit Allahs nicht im Klaren und deshalb oft hoffnungslos. Dabei deutet die gesamte Schöpfung auf die Barmherzigkeit Allahs hin. Die gesamte Schöpfung und all die Gaben, die den Menschen gegeben wurden, sind auf seine Barmherzigkeit zurückzuführen. Die Barmherzigkeit ist Grund zur Hoffnung – und zwar für alle Lebewesen.

Daher beginnen wir alles mit der Formel „Bismillâ hirrahmâ nirrahîm“ („Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Allerbarmers“). Diese Formel, die im Koran 114 mal vorkommt, festigt unsere Bindung zu Allah und lässt uns stets bewusst werden, mit welcher Absicht (Niyya) wir etwas tun.

Verehrte Muslime,

Allah hat den Menschen die Erde dienstbar gemacht. Er hat Tag und Nacht voneinander getrennt, damit wir bestimmte Zeiten zum Arbeiten und zum Ausruhen haben. Er hat die Sonne als Licht- und Wärmespender geschaffen und unzählige Früchte, damit der Mensch nach Belieben davon essen kann. Er ist es, der den Regen und den Wind erschaffen hat, damit der Mensch säen und ernten kann. Dazu heißt es im Koran: „Und er machte euch die Nacht und den Tag dienstbar; die Sonne, der Mond und die Sterne sind (euch) ebenfalls dienstbar, gemäß seinem Befehl. Siehe, darin ist wahrlich ein Zeichen für einsichtige Leute.“ (Sure Nahl, [16:12])

Geschätzte Geschwister,

es ist wichtig, dass wir auf Allahs Barmherzigkeit hoffend handeln, statt aus Angst. Wir sollten unsere Gottesdienste (Pl. Ibâdât) nicht gefühllos ableisten, um sie einfach gemacht zu haben, sondern aus tiefer Überzeugung an seine Barmherzigkeit verrichten. Wir sollten unser Leben in Hoffnung auf das Paradies ausrichten und was noch viel wichtiger ist: Wir sollten in allem, was wir tun Allahs Liebe, Barmherzigkeit und Wohlgefallen als Ziel haben. Möge er uns zu den wahrhaft Gläubigen zählen, uns den Weg weisen und uns seine Barmherzigkeit immer wieder bewusst machen.

IGMG Irschadabteilung