Freitagspredigt

Hutba: Barmherzig sein – Barmherzigkeit erfahren

21. Juni 2013

Verehrte Muslime,

unser Prophet Muhammad (s) sagte: „Als Allah die Lebewesen erschuf, schrieb er in sein Buch, das auf seinem Thron ist: ‚Meine Barmherzigkeit ist grösser als mein Zorn.'“ (Muslim, Tawba, 14-16) Barmherzigkeit bedeutet, für jedes Lebewesen das Gute zu wollen und ihnen zu helfen. Die Barmherzigkeit (Rahma) Allahs gehört zu seinen schönsten Namen. Seine Namen, die im Koran an mehr als hundert Stellen auftauchen, zeigen uns die unendliche und alles umfassende Barmherzigkeit Allahs.

Rahma ist der Ursprung allen Lebens. Jedes Lebewesen, das auf die Welt kommt, wächst und entwickelt sich durch die Gaben (sing. Nima) Allahs und die Liebe und Barmherzigkeit seiner Eltern. Ohne diese Barmherzigkeit wäre ein Fortbestehen nicht möglich. Im Koran heißt es: „Meine Barmherzigkeit umfasst alle Dinge.“ (Sure Arâf, 7:156) Allah hat den Menschen neben unzähligen Gaben und der Natur auch Bücher und Propheten gesandt, damit sie den rechten Weg finden. Auch das ist ein Zeichen für seine Barmherzigkeit. Über den letzten Propheten, Muhammad (s) heißt es im Koran: „Und wir entsandten dich fürwahr als eine Barmherzigkeit für alle Welt.“ (Sure Anbiyâ, 21:107)

Liebe Geschwister,

„Allah ließ die Barmherzigkeit aus 100 Teilen entstehen, behielt davon 99 Teile bei sich und sandte nur einen Teil davon auf die Erde hinab. Aus diesem Teil üben die Geschöpfe Barmherzigkeit untereinander aus. Dies ist der Fall, wenn etwa eine Pferdestute ihren Huf von ihrem Fohlen hochhebt, damit sie es nicht verletzt!“ (Buhârî, Adab, 19) Aus diesem Hadith geht hervor, dass Barmherzigkeit nicht nur Menschen, sondern alle Lebewesen umfasst. Darüber hinaus wird die für uns unvorstellbare Größe von Allahs Barmherzigkeit deutlich. Barmherzige Menschen tragen einen Teil der göttlichen Barmherzigkeit in sich. Unbarmherzige Menschen haben ihren Anteil von dieser göttlichen Gabe nicht in Anspruch genommen. „Wer nicht barmherzig ist, der findet auch kein Erbarmen.“ (Muslim, Fadâil, 66), sagt unser Prophet. In unseren Bittgebeten wenden wir uns an Allah und bitten ihn, und zu jenen zu zählen, die auf direktem Weg ins Paradies kommen. Wir alle wünschen uns, dass uns unsere Sünden vergeben werden und wir nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Nicht wahr? Doch können wir mit derselben Selbstverständlichkeit auch anderen Menschen verzeihen? Und wünschen wir ihnen dasselbe wie uns selbst?

Verehrte Muslime,

angesichts der kommenden Berât-Nacht müssen wir anderen Menschen gegenüber die Barmherzigkeit zeigen, die Allah uns gegenüber zeigt. Unsere Barmherzigkeit muss Muslime, Nichtmuslime und sogar alle anderen Geschöpfe umfassen. „Den Barmherzigen ist Allah barmherzig. Seid barmherzig gegenüber denen, die auf Erden sind, dann sind auch die im Himmel (Allah und die Engel) euch gegenüber barmherzig.“ (Abû Dâwûd, Adab, 58) Und wenn wir zu Allah beten „Du bist verzeihend, du liebst es zu verzeihen, verzeihe auch mir.“ (Tirmizî, Daawât, 84) sollten auch wir die Fehler anderer verzeihen. Wenn andere unsere Rechte missachten, sollten wir ihnen trotzdem verzeihen und das befreiende Gefühl erleben, dass keiner mehr in unserer Schuld liegt. Hoffen wir, dass ein derartiges Verhalten zu Allahs Wohlgefallen und Erbarmen führen wird. Möge uns Allahs auf ewig mit seiner Barmherzigkeit segnen.

IGMG Irschadabteilung