Freitagspredigt

Hutba: Das Fasten ist ein Schutz

27. Juni 2014

Verehrte Muslime,

das Thema unserer Hutba ist das Fasten, das die Gottesfurcht (Takwâ) stärkt und als ein Schutzschild vor Sünden dient.

Liebe Geschwister,

das Fasten ist ein in vielerlei Hinsicht wichtiger Gottesdienst. Richtiges Fasten hat einen erziehenden und gesundheitsfördernden Charakter, es mäßigt das Ego, fördert das Einfühlungsvermögen für die Situation hungerleidender Menschen, reinigt die Sünden und fördert den guten Charakter. Der Fastende gewinnt das Wohlgefallen Allahs und nähert sich ihm. Doch vor allem ist das Fasten ein Gebot Gottes und der bewusster Verzicht auf Dinge, die normalerweise erlaubt sind. In diesem Sinne ist das Fasten nicht nur die Erfahrung von Hunger und Durst, sondern vielmehr eine Selbstdisziplinierung, die Übung in Geduld und die Mäßigung des Egos. Zugleich gönnt es dem menschlichen Körper eine Verschnaufpause und hat somit auch medizinische Vorzüge.

Das Fasten muss unter Einbeziehung aller Körperorgane geschehen. Unsere Augen müssen wir von Verbotenem abwenden, unsere Zunge müssen wir davor hüten üble Nachrede, Lügen oder kränkende Worte zu sprechen. Wir müssen vermeiden, mit unseren Ohren üble Nachrede, Lügen oder zu Sünden verleitende Dinge zu hören. Mit unseren Händen fasten wir, indem wir anderen nichts Böses antun. Solches Verhalten resultiert dann am Ende des Monats in einem stärkeren Takwâ-Bewusstsein. So heißt es im Koran: „O ihr, die ihr glaubt! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es den Menschen vor euch vorgeschrieben war; vielleicht werdet ihr gottesfürchtig.“[1]

Verehrte Muslime,

Allah verlangt von uns, dass wir das Fasten als einen Schutzschild vor Sünden begreifen. So sagte unser Prophet Muhammad (s) „Das Fasten ist ein Schutzschild“.[2] Indem wir es als Schutzschild betrachten, können wir eine Selbstdisziplinierung bewirken und unserem Ego Einhalt gebieten. Das Fasten ist das Sich-Enthalten. Die Entsagung von Verbotenem während des Fastenmonats wird uns dabei helfen, uns auch nach dem Ramadan von Sünden fernzuhalten. 

Liebe Gemeinde,

lasst uns diesem bedeutenden Monat die ihm gebührende Achtung schenken und auf Folgendes achten: Wir sollten uns bemühen beim Fasten all unsere Organe zu kontrollieren und insbesondere unsere Zunge zu hüten, täglich den Koran zu lesen und Nutzen daraus zu ziehen, uns weiterzubilden, auf Streit zu verzichten und in gereizten Situationen dem Gegenüber zu vermitteln, dass man fastet.

Ferner sollten wir jeden Tag anderen helfen und eine gute Tat verrichten, verstärkt Bittgebete sprechen und mehr Zeit für mit dem Gedenken Gottes (Zikr) verbringen. Insbesondere sollten wir beim Fastenbrechen darauf achten, nicht übermäßig zu essen und während der Mahlzeit Bittgebete zu sprechen, jede Nacht zum Sahûr-Essen aufzustehen und Nachtgebete zu verrichten. Darüber hinaus sollten wir uns bemühen, die Tarâwîh- und Morgengebete in der Moschee in der Gemeinschaft zu verrichten.

Möge uns Allah in die Lage versetzen, den Monat Ramadan auf bestmögliche Weise zu verbringen, sodass wir mit einer stärkeren Gottesfurcht ausgestattet das Ramadanfest begehen können.


[1] Sure Bakara, 2:183

[2] Nasâî, Sawm, IV, 167