Freitagspredigt

Hutba – Das Leben in einer pluralistischen Gesellschaft

14. September 2012

Verehrte Muslime,

wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Die Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Regionen dieser Welt. Sie haben verschiedene Kulturen und Glaubensvorstellungen. Dieser Umstand und der soziale Wandel haben natürlich einen guten bzw. schlechten Einfluss auf uns – ob wir wollen oder nicht. Dazu gehören ebenso die schnellen Veränderungen, die auf der ganzen Welt stattfinden. Wir haben manchmal Schwierigkeiten, mitzuhalten.

In einer multikulturellen Gesellschaft zu leben bedeutet einerseits, andere Menschen und deren Vorstellungen kennenzulernen. Dies bereichert uns und gibt und uns neue Möglichkeiten. Aber gleichzeitig werden uns auch neue Verantwortungen übertragen. Dazu gehört vor allem, dass wir nicht zulassen dürfen, dass die kulturellen Unterschiede zu Abgrenzung, Streit, Konflikten und Entfremdung führen. Und dazu gehört auch, dass wir denjenigen, die wollen, dass dies geschieht, keine Gelegenheit dazu geben.

In der globalisierten Welt herrscht mittlerweile eine Art Populärkultur, die von einer Kulturindustrie gespeist wird, welche dazu konstruiert ist, materielle Bedürfnisse und Interessen zu erzeugen und zu befriedigen. Sie gibt eine einseitige Entwicklung vor, zum Beispiel mit Diskussionen über die sogenannte Leitkultur. Neben der zusätzlichen Verantwortung, die uns eine multikulturelle Gesellschaft auferlegt, bringt diese Populärkultur ernste Schwierigkeiten mit sich. Sie betreffen alle, die ihre Glaubensvorstellungen, Werte,  Traditionen und Sitten bewahren und an ihre Nachkommen weitergeben möchten.

Liebe Geschwister,

bei der Überwindung dieser Schwierigkeiten ist der Koran und das beispielhafte Leben unseres Propheten Muhammad (saw) der wichtigste Wegweiser für uns: „Und jeder hat eine Richtung, nach der er sich kehrt. Wetteifert daher miteinander in guten Werken. Wo immer ihr seid, Allah wird euch allesamt zu ihm zurückbringen. Siehe, Allah hat Macht über alle Dinge.“ (Sure Bakara, [2:148]) So wie es in diesem Koranvers zum Ausdruck gebracht wird, dürfen Unterschiede nicht Grund für Feindschaft sein. Sie sollten vielmehr eine Motivation sein, sich im Einsatz für das Gute zu messen. Insbesondere die Erfahrung unseres Propheten in Medina lehrt uns, wie wichtig es ist, dass Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen in einer multikulturellen Gesellschaft zum Nutzen aller zusammenarbeiten.

Verehrte Muslime,

wenn wir von unseren Erfahrungen als Minderheit ausgehen, ist es von großer Bedeutung, dass unsere Kinder eine islamische Identität gewinnen bzw. bewahren können. Ohne Moscheen ist das kaum möglich. Daneben ist es für uns wesentlich, dass sich in unseren Familien eine Sensibilität dafür entwickelt, was haram (verboten) und halal (erlaubt) ist. Dazu gehören insbesondere unsere Lebensmittel als auch unser Verdienst.  Ferner ist es unsere Aufgabe, uns zum Beispiel um die Kranken zu kümmern, die in den Krankenhäusern unserer Umgebung auf  unseren Besuch warten. Oder, den Kindern in den Kinderheimen, die fern von elterlicher Fürsorge aufwachsen, Trost zu spenden.

Ich möchte meine Hutba mit den Worten unseres Propheten abschließen: „Gläubig ist derjenige, der mit den Menschen gut auskommt und mit dem die Menschen gut auskommen. Von jemandem, der keinen Umgang mit den Menschen pflegt und mit dem die Menschen keinen Umgang pflegen, kann man nichts Gutes erwarten. Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der anderen Menschen nützlich ist.“ (Ahmed bin Hanbel, Musnad, II, 4, 5, 335)

IGMG-Irschadabteilung

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