Freitagspredigt

Hutba- Der 10. Muharram und der Tag der Aschura

26. Januar 2007

Verehrte Muslime,

der Monat Muharram ist der erste Monat des Mondkalenders und gleichzeitig auch der Erste von den vier geschützten Monaten. Unser Herr sagt im Koran über diese Monate: „Siehe, die Zahl der Monate bei Allah beträgt zwölf Monate, gemäß dem Buche Allahs, seit dem Tage, an dem Er die Himmel und die Erde erschuf. Davon sind vier geschützt. Das ist das ewig gültige Gesetz. Darum versündigt euch darin nicht, aber bekämpft die Götzendiener allesamt, so wie sie euch allesamt bekämpfen. Und wisset, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist…“ [9:36]

Muharram ist also einer dieser Monate. Vor allem ist der 10. Muharram für die Muslime von großer Bedeutung und wurde als Tag der Aschura bekannt. An diesem Tag werden besondere Wohltaten und Gottesdienste verrichtet. Eine dieser Taten ist das Fasten am 10. Muharram. Bekannt war das Fasten am Aschura-Tag schon in der vorislamischen Zeit. Als unser Prophet (saw) nach Medina kam, sah er, dass die Juden am Aschura-Tag fasteten und fragte nach dem Anlass. Sie antworteten: „Dies ist ein ehrenhafter Tag. Dies ist der Tag, an dem Allah die Kinder Israels vor ihrem Feind errettete, woraufhin Musa fastete.“ Da erwiderte der Prophet (saw): „Wir sind Moses‘ Tradition näher als ihr“ und er fastete an diesem Tag und trug den Muslimen auf, auch zu fasten.“ (Buhârî, es-Savm, 69; Tecrîd-i Sarih, VI, 308, 309)

Aischa (ra) berichtet:

Die Aschura war ein Tag an dem Quraisch in der Dschahiliyya-Zeit fastete. Dies wurde auch vom Propheten (saw) vor der Hidschra getan. Nach seiner Auswanderung nach Medina fastete er auch weiterhin an diesem Tag und trug es auch seinen Gefährten auf. Nachdem aber das Fasten im Ramadan zur Pflicht wurde, hörte er auf, an diesem Tag zu fasten. Wer es wünschte, fastete an diesem Tag, oder ließ es.“ (Buhârî, es-Savm, 69; Tecrîd-i Sarîh, VI, 307, 308).

Verehrte Geschwister,
die islamischen Gelehrten sind sich einig, dass es nicht Pflicht ist, am Aschura-Tag zu fasten, es ist Sunna -die Tradition des Propheten. Außerdem wird empfohlen, zusätzlich einen Tag vorher und einen Tag naher zu fasten, um nicht den anderen Religionen zu ähneln. Also am 9. und am 11. Muharram.

Im Monat Muharram sind einige besondere Ereignisse zu verzeichnen, die für uns von großer Bedeutung sind. Der Tag, an dem Noahs Arche auf den Berg Dschudi auflief; Abraham vom Feuer befreit wurde; Yakob seinen Sohn Yosef wieder sah und vieles mehr. Außerdem wird überliefert, dass am 16. Muharram Jerusalem als Gebetsrichtung festegelegt wurde.

Verehrte Geschwister,
doch der Aschura-Tag hat auch einen weiteren Aspekt, einen traurigeren, leidvolleren. Es ist auch der Tag der Ermordung des Prophetenenkels Hüseyin (ra) von einer anderen Gruppe von Muslimen. Der 10. Muharrem ist eines der schwärzesten Tage der islamischen Geschichte. Dieser Tag und dieser Ort, Kerbela, füllen das Herz eines jeden Muslims mit Gram und Trauer sowie seine Augen mit Tränen.

Denn Hüseyin (ra) war einer von den zwei sehr geliebten Enkeln des Propheten (saw). Er beschrieb diese Liebe zu seinen Enkeln mit folgenden Worten: „O Allah, Ich habe sie lieb. Liebe Du sie auch.„(Tirmîzî Sünen V, 661)“ Hasan und Hüseyin sind die beiden schönsten Düfte, die ich auf der Welt gerochen habe.„(Ahmed b. Hanbel, Müsned, II, 288) „Wer Hasan und Hüseyin liebt, liebt mich und wer sie verachtet, verachtet auch mich.„ (Ahmed b. Hanbel, Müsned, II, 288).

Der Zwiespalt und die Fitna, die damals zu Zeiten von Uthman anfingen (ra) und unter Ali (ra) fortgeführt wurden, dauerte Jahrhunderte an und wird auch in der heutigen Zeit versucht, weiterzuführen. Der Schmerz dieses tragischen Ereignisses sitzt auch heute noch tief in den Herzen der Muslime und wird als Mittel zur Spaltung der Muslime angewandt. Obwohl unser Herr im Koran in einer Sura zweimal betont, dass: „„¦Zwietracht schlimmer ist als Töten.“ [2:191]

Doch leider befinden sich viele islamische Länder in den Tiefen dieser Gefechte und Auseinandersetzungen. Sie ziehen keine Lehre von der Vergangenheit und bekämpfen sich gegenseitig. Während die Nicht-Muslime ihre eigenen Unterschiede als Bereicherung sehen, stellen sie die kleinen Unterschiede zwischen den Muslimen als Grund für Feindseligkeiten dar und versuchen, die Muslime gegeneinander auszuspielen. Traurigerweise lassen die Muslime das mit sich machen und verfeinden sich.

Deshalb liebe Geschwister,

müssen wir von der Geschichte eine Lehre ziehen, die Gründe und den Anlass für diesen Vorfall gut analysieren und verhindern, dass kein zweiter 10. Muharram passiert. Wir müssen versuchen, die zerstreute und gespaltene Umma wieder zusammenzubringen und zu diesem Anlass Programme für die Stärkung der Umma und Geschwisterlichkeit zu veranstalten. Denn die Muslime dürfen nicht vergessen, dass sie, unabhängig welcher Rechtschule oder Gruppe sie angehören, im Islam Geschwister sind. Vergessen wir niemals diesen Koranvers:“[„¦] Verführung ist schlimmer als Töten [„¦] [2:217]

IGMG Irschad-Abteilung

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