Freitagspredigt

Der Aschûrâ-Tag

31. Oktober 2014

Verehrte Gemeinde!
Unsere heutige Hutba handelt vom Aschûrâ-Tag sprechen, den zehnten Tag des Monats Muharram. Diesem gesegneten Tag messen alle Rechtsschulen großen Wert bei; er wir auch in anderen Religionen gefeiert.

Verehrte Geschwister!
Seit dem Propheten Nûh (a) spielte dieser Tag im Leben fast aller Propheten eine große Rolle. Es ist der Tag, an dem das Volk Mûsâs (a) vor der Verfolgung durch Pharao gerettet und Mûsâ (a) das Fasten zur Pflicht gemacht wurde. Auch bei den Arabern wurde das Fasten am Tage von Aschûrâ seit Ibrâhîm (a) für wichtig erachtet. Unser Prophet folgte den Propheten vor ihm, das zeigt uns auch der folgende Vers:  Er hat euch als Religion anbefohlen, was er Noah vorschrieb. Und was wir dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus auftrugen: am Glauben festzuhalten und ihn nicht zu spalten“[1]

Doch schon vor seiner Sendung pflegte unser Prophet am Aschûrâ-Tag zu fasten. Aischa (r) berichtet: „Aschûrâ war ein Tag, an dem der Stamm der Kuraysch fastete. Auch der Gesandte Allahs befolgte diesen Brauch. Als er nach Medina auswanderte, führte er das Fasten am Aschûrâ-Tag fort und befahl den anderen, es auch zu tun. Aber als das Fasten im Ramadan zur Pflicht wurde, gab er das Fasten am Aschûrâ-Tag auf. Danach fasteten die Muslime an diesem Tag nur noch freiwillig, wenn sie es wollten.“[2]
Obwohl der Gesandte Allah es also jedem Muslim freigestellt hat, am Aschûrâ-Tag zu fasten, hat er den Gläubigen doch empfohlen, nicht nur am zehnten, sondern auch am neunten und elften Tag des Monats Muharram zu fasten. Dies hat zwei Gründe: Einerseits wollte er die Juden nicht nachahmen. Vor allem aber wollte unser Prophet verhindern, dass Aberglaube in den Islam einzieht.

Verehrte Geschwister!
Wir Muslime verbinden den Aschûrâ-Tag schließlich auch mit der Ermordung des Enkels unseres Propheten, Husayn (r). Leider sind einige Rechtsschulen soweit gegangen, den Aschûrâ-Tag deshalb zu einem Trauertrag zu erklären. Zu einem Tag, an dem der Schwur, Husayn (r ) zu rächen, erneuert werden soll. Selbst wenn ein Trauertag nach unserer Überzeugung nicht richtig ist, ist es doch auch für uns unmöglich, diesen schmerz- und kummervollen Tag zu vergessen!

Gerade deshalb sollte uns der Aschûrâ-Tag lehren, als Muslime niemals gegeneinander Krieg zu führen, niemals dem Leib, Leben und Besitz anderer Muslime Schaden zuzufügen! Denn die bitteren Aschûrâ-Tage der vergangenen Jahrhunderte sollen sich nicht wiederholen.

Nutzen wir also diesen Tag, um an die Geschwisterlichkeit unter den Muslimen zu erinnern, für ihren Fortbestand zu beten, wohltätig zu sein und für Allahs Wohlgefallen zu fasten. Möge euer Aschûrâ-Tag gesegnet sein!

[1] Sure Schûrâ, 42:13 [2] Buhârî, Sawm, 69

pdf: Hutba: Der Aschûrâ-Tag