Freitagspredigt

Der respektvolle Umgang mit den Eltern

30. Januar 2015

Verehrte Muslime!
Dem İmân (Glauben) und den Ibâdas (Gottesdienste) folgt der Gehorsam und die Güte gegenüber den Eltern. Wer nicht einmal ihnen Respekt erweisen kann, wird seine Verpflichtungen gegenüber Allah erst recht nicht erfüllen können.

Kinder, die ihren Eltern heute kaum gehorchen, werden nicht viel mehr von ihren eigenen Kindern erwarten können. Wie kann jemand, der den Gehorsam den Eltern gegenüber als etwas Verwerfliches ansieht, diesen von seinen eigenen Kindern verlangen? Gehorsam gegenüber den Eltern ist kein kulturelles, sondern ein göttliches Gebot. Jedoch gerät diese Tugend zunehmend in Vergessenheit.

So wie heute viele Menschen Allah nicht gehorchen, kennen sie auch keinen Respekt vor den Eltern. Lassen wir einmal deren Pflege und die Güte ihnen gegenüber beiseite. Sogar vom Tod der Eltern erfahren sie erst später!

Liebe Geschwister!
Allah setzte die Güte und den Gehorsam den Eltern gegenüber direkt an zweiter Stelle hinter den Gehorsam gegenüber ihm selbst. Im Koran heißt es: „Dein Herr hat bestimmt, dass ihr ihn alleine anbeten sollt und dass ihr gegen eure Eltern gütig seid, auch wenn der eine von ihnen oder beide bei dir ins hohe Alter kommen. Sag daher nicht »Pfui!« zu ihnen und schelte sie nicht, sondern rede mit ihnen auf ehrerbietige Weise. Und bedecke sie demütig mit den Flügeln der Barmherzigkeit und bitte: »O mein Herr! Erbarme dich beider so (barmherzig), wie sie mich aufzogen, als ich klein war!«[1]

Verehrte Gemeinde!
Einmal fragte unser Prophet: „Soll ich euch von der größten unter den großen Sünden berichten?“ Als sie sagten: „Ja, o Gesandter Allahs“, sprach er: „1. Die Beigesellung zu Allah, 2. Sich Vater und Mutter zu widersetzen, 3. Falsches Zeugnis ablegen.“[2] Wie uns dieser Hadith lehrt, steht die Sünde der Ungehorsam gegenüber den Eltern unter den großen Sünden an vorderster Stelle.

Liebe Geschwister!
Im Koran heißt es: „Wir legten dem Menschen Güte gegen seine Eltern an das Herz. Seine Mutter trug ihn von Schwäche zu Schwäche, und seine Entwöhnung dauert zwei Jahre. (Allah sagt:) »Sei Mir und deinen Eltern dankbar. Zu Mir ist der Heimgang.“[3]

Die Koranverse und Hadithe zeigen: Im Umgang mit Vater und Mutter zählt nicht das Wort, sondern die Handlung. Als wir klein waren, waren wir ihnen anvertraut. Jetzt hingegen sind sie uns anvertraut. Das Anvertraute schlecht zu behandeln, ist ein Anzeichen von Zwietracht, ein Indiz für Nifak (Heuchelei). Mutter und Vater sind unser Licht. Wenn dieses Licht erlischt, stehen wir im Dunkeln.

Verehrte Muslime!
Unser Verhältnis zu unseren Kindern sollte nicht von Hierarchien geprägt sein. Wenn es ein Problem gibt, dann sollten wir uns beratschlagen. Wir sollten auf Vorschriften, die Widerstand hervorrufen können, verzichten, und von unzumutbaren Erwartungen ablassen. Wir sollten unsere Kinder stets in unsere Duâs einbeziehen. Auch wenn sie erwachsen sind, sollten wir ihnen in Liebe begegnen und dürfen sie vor anderen nicht kränken. Wir sollten nicht vergessen, dass Liebe zu Respekt führt.

[1] Sure Isrâ, 17:23-24
[2] Muslim. İmân, 165
[3] Sure Lukmân, 31:14

pdf: Hutba: Kinder sind eine Prüfung