Freitagspredigt

Hutba: Dialog statt Vorurteile

30. August 2013

Verehrte Muslime,

der Wunsch, in Frieden zu leben, ist einer der ältesten Wünsche der Menschheit. Gleichzeit gehört er zu den Zielen, die am schwersten erreicht werden können. Das hat viele Gründe; doch einer der wichtigsten ist das Vorhandensein von Vorurteilen. In einem Sprichwort heißt es, man ist der Feind dessen, den man nicht kennt. Vorurteile entstehen, weil man seine Mitmenschen nicht kennt, nicht mit ihnen in Dialog tritt und sie infolgedessen als Fremde ansieht. Als europäische Muslime wissen wir nur zu gut, was Vorurteile sind. Denn leider gibt es immer noch viele Vorurteile, Annahmen und pauschale Urteile bezüglich unserer Religion und uns Muslimen selbst. Anstatt weniger zu werden, nehmen diese mit der Zeit immer weiter zu. Fremden- und Islamfeindlichkeit erschweren unser friedliches Zusammenleben enorm.

Liebe Geschwister,

Trotz dieser düsteren Situation sind wir Muslime verpflichtet, unsere Religion anderen Menschen in bester Weise näher zu bringen und uns so darzustellen wie wir uns selbst sehen. Dazu sollten wir mit unseren Mitmenschen in Dialog treten. Insbesondere mit den Wortführern der Gesellschaft und den Vertretern der Religionen sollten wir ins Gespräch kommen. Während all unserer Bemühungen sollten wir aber natürlich nicht den Dialog mit unseren muslimischen Geschwistern vernachlässigen.

Wenn wir von Dialog sprechen, meinen wir das respektvolle, tolerante und im Guten wetteifernde Miteinander. Dieses Miteinander fördert den gemeinsamen Einsatz für das Gute und die Abkehr von allem Schlechten. In einem Koranvers heißt es: „…Helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft. Und fürchtet Allah; siehe, Allah ist streng im Strafen.“ (Sure Mâida, 5:2)

Verehrte Muslime,

in unserer heutigen Zeit ist es kaum vorstellbar, dass man sich vollkommen abschottet und nur für sich lebt. Die ganze Welt ist miteinander vernetzt; die Menschen sind quasi gezwungen zusammenzuleben. Deshalb ist es auch unsere Aufgabe, uns trotz allen Unterschieden für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Das aber ist nicht durch Zwang, sondern nur durch den Dialog machbar.

Natürlich gibt es in überall Menschen mit Vorurteilen, so wie es auch solche gibt, die anderen gegenüber aufgeschlossen sind. Wir sollten zu jenen gehören, die nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sind. Vor allem sollten wir unseren Mitmenschen in Dialog treten und uns gemeinsam mit all unserer Kraft für unsere Gesellschaft einsetzen. Denn wer nicht Teil der Lösung ist, der ist Teil des Problems.

IGMG Irschadabteilung

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