Freitagspredigt

Hutba- Die Bedeutung der Arbeit im Islam

02. Juni 2006

Verehrte Muslime,

der Islam bietet den Menschen ein geregeltes Lebenssystem. Dieses System stellt ein Gleichgewicht zwischen dem Diesseits und dem Jenseits her. Der Mensch trägt Verantwortung sowohl für das Diesseits, als auch für das Jenseits. Der erste Abschnitt des Lebens, das Diesseits, gilt als vergänglich und soll für die Vorbereitung auf das Jenseits dienen. Dennoch hat Allah teala die Muslime nicht daran gehindert, an den irdischen Gaben teilzuhaben. Es geht darum, dass man sein Herz nicht an das weltliche bindet und vom eigentlichen Ziel abgelenkt wird. Der Muslim sollte in Demut den Aufgaben des Tages nachgehen und sein Lebensziel immer vor Augen halten. Denn der Islam fördert die Arbeit und ist dem Müßiggang und der Passivität abgeneigt. Das sehen wir auch im folgenden Koranvers: “ Und suche mit dem, was dir Allah gegeben hat, die künftige Wohnung, ohne deinen Anteil an dieser Welt zu vergessen. Und tu Gutes, so wie Allah dir Gutes tat, und stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Allah liebt nicht die, welche Unheil stiften!“ (Kasas 77)

Liebe Brüder und Schwestern,

in unserem Glauben ist es eine Pflicht, für den Lebensunterhalt selbst zu arbeiten. Aber nur ehrlich und fair erworbener Lebensunterhalt ist für Muslime erlaubt. Auch unser Prophet (saw) spricht dies an: „Es ist eine Pflicht, für den Unterhalt zu arbeiten und auf erlaubten Wegen zu verdienen.“

Der beste Verdienste ist der, der mit eigener Kraft erwirtschaftet wurde. Denn der Gesandte Allahs sagt: “ Niemand verdient reiner, als durch eigene Mühen.“, „Niemand nimmt bessere Nahrung zu sich als das, das er durch seine eigene Arbeit erworben hat. Der Prophet David – Friede sie mit ihm – ernährte sich auch aus eigener Arbeit.“

Die Muslime sind dazu verpflichtet, mit ihrem Erworbenen die Bedürftigen zu unterstützen und sie zu ernähren. Dieses Verhalten ist dem Fasten am Tage und dem Beten in der Nacht, sowie der Anstrengung auf dem Wege Allah tealas gleichgestellt.

Denn der arbeitende Mensch hat durch seine Verdienste die Möglichkeit, die Gottesdienste, wie die Zakatsteuer, die Pilgerfahrt und das Fasten, zu verrichten. Denn die Gottesdienste, wie die Zakatsteuer, die Almosengabe und die Pilgerfahrt, sind nur denjenigen Muslimen auferlegt, die die finanziellen Vorraussetzungen erfüllen.

Liebe Geschwister,

hinzu kommt noch, dass wir genügend verdienen müssen, um den Unterhalt für unsere Familie sicherzustellen und um vorhandene Schulden begleichen zu können. Dies gehört, wie oben schon erwähnt, zu unseren alltäglichen Aufgaben. Jedoch ist es ein lobenswertes Verhalten, wenn wir uns bemühen und mehr verdienen, um für die Bedürftigen und Armen zu sorgen. Denn damit leisten wir der Gesellschaft einen wichtigen Beitrag. Im Islam ist es nicht erlaubt, seinen Unterhalt zu erbetteln. Es ist immer noch besser, unter den schlechtesten Umständen zu arbeiten, als anderen Menschen zur Last zu fallen.

So sagte er in einem Hadis: „Es ist besser für einen für euch, wenn er sich ein Seil nimmt, Holz aus dem Wald sammelt und dies verkauft, als dass er etwas von den anderen Menschen erbettelt, ob sie nun etwas geben oder nicht geben.

Liebe Geschwister,

aus diesen Gründen sollten wir als Muslime uns von Faulheit und Gleichgültigkeit fernhalten. Solange wir im Zustand der körperlichen und seelischen Gesundheit sind und nichts anderes uns daran hindert, zu arbeiten, ist es unsere Aufgabe, Wege zur Erwerbstätigkeit zu finden.

Aber diejenigen, die keinen Grund zum Nichtarbeiten, aber trotzdem keiner Arbeit nachgehen und jahrelang zu Unrecht von Sozialleistungen leben, die der Staat für Bedürftige vorsieht, möchte ich an diesen Koranvers erinnern : “ Und dass der Mensch nur empfangen wird, worum er sich bemüht; Und dass (die Frucht) seines Bemühens sichtbar werden wird. (An-Nadschm 39-40)

Ein Muslim sollte nicht seinen ganzen Tag in Cafeecken verbringen und seine kostbare Zeit vergeuden. Und schon gar nicht sich auf die sozialen Hilfen des Staates verlassen. Es ist eine Sünde, mit Falschaussagen auf Kosten der wirklich Bedürftigen zu leben. Damit wird das Klischee „die Muslime sind eine faule und träge Gemeinschaft“ nur bestätigt und ein falsches Allgemeinbild von den Muslimen dargestellt.

Ich möchte meine Hutba mit einem Bittgebet unseres Propheten (saw) beenden: “ O Herr! Ich suche Zuflucht bei dir vor Kummer, Trauer, Faulheit, Feigheit, Geiz und vor den Sorgen der Menschen“

IGMG Irschad-Abteilung

Hinweis: Wir erwarten alle Brüder und Schwestern zum „Tag der Brüderlichkeit- und Solidarität“ am 4. Juni in Belgien.