Freitagspredigt

Hutba- Die Ehe und der Familienbund

07. Juli 2006

Die Familie ist der Kern der Gesellschaft und hält sie aufrecht. Außerdem ist die Familie die Grundlage von allen Gemeinschaften, Völkern und des Lebens überhaupt. Wenn wir vierzehn Jahrhunderte zurückblicken, sehen wir, dass der Islam die größte Veränderung in Sachen Familie gebracht hat. Denn zu jener Zeit war das Familienleben zerstört und anstelle der Ehe bevorzugten die Menschen uneheliche Beziehungen und außereheliche Partnerschaften. Weil es keine geregelten Familienverhältnisse gab, wurde es immer schwieriger, die Kinder ihren Vätern zuzuordnen. Außerdem schwächten sich die Ehre- und Würdegefühle. Deshalb -und aus anderen Gründen- vergruben manche Väter ihre Töchter bei lebendigem Leibe, weil sie befürchteten, sie könnten die Familie in Zukunft in Verruf bringen. Diese Väter wurden von unserem Herrn mit folgenden Koranversen verurteilt:

„Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, Um welcher Schuld willen es getötet wurde…“ (At-Takwir 8-9)

Verehrte Geschwister,

der Islam brachte in diese zerstörte Gesellschaft eine neue Familiestruktur, um die Familien wieder aufzubauen. Die Menschen wurden nicht nach ihrem Geschlecht sondern als ein einzelnes Individuum wahrgenommen. Der Islam erklärte den Mann und die Frau als gleichermaßen berechtigte Paare. Weiterhin zählte er die Heirat und die verschiedenen Geschlechter zu seinen Zeichen und wies auf die Barmherzigkeit und Liebe zwischen den Ehepaaren: „Zu Seinen Zeichen gehört auch, dass Er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“(Ar-Rum 21)

Die Erschaffung zweier Geschlechter bildet die Grundlage für Liebe und Barmherzigkeit. Die Verbindung beider und die offizielle Bekanntmachung dieser Bindung nennen wir Nikah, Ehe. Folgender Koranvers erklärt dieses. Allah teala sagt: „Und verheiratet die Ledigen unter euch und euere Diener und Dienerinnen. Wenn sie arm sind, wird Allah sie aus Seinem Überfluss reich machen; denn Allah ist großzügig und wissend.“ (An-Nur 32)

Die gleiche Ermahnung macht auch unser Prophet (saw): „Wenn Leute zu euch kommen, deren religiöse und charakterliche Haltung euch gefällt, dann verheiratet sie. Sonst wird sich auf der Erde Unruhe und moralischer Zerfall auslösen. „ (Tirmidhi, Nikah)

Liebe Geschwister,

die Ehe ist kein Kinderspiel sondern eine ernstzunehmende Institution. Denn die Ehe und die Familie sind wesentliche Elemente einer gesunden und starken Gesellschaft.

Deshalb ist es wichtig, dass die Ehe nach islamischen Kriterien und Maßstäben gegründet wird. Wie in allen Lebensbereichen hat unser Glaube auch für die Ehe bestimmte Vorraussetzungen und Kriterien gestellt. Je mehr die Ehepaare auf diese Richtlinien und auf die Empfehlungen unseres Propheten (saw) achten, desto stärker wird ihr Ehebund. Die Verlobung oder die Heirat der in Europa lebenden Jugendlichen findet meistens in der Sommerzeit statt. Es ist die wichtigste Entscheidung für sie, die ihr ganzes Leben beeinflussen wird. Deshalb möchte ich in dieser Hutba auf dieses Thema eingehen und versuchen, im Lichte der Hadise unseres Propheten (saw) einige Erinnerungen hervorzurufen.

Verehrte Geschwister,

zwei wichtige Eigenschaften sind Vorraussetzung bei Mann und Frau, die eine Ehe eingehen möchten. Beide müssen religiös sein und einen guten Charakter haben. Unser Prophet sagt: “ Heiratet die Religiösen. Ein religiöser Sklave ist besser als ein unreligiöser freier Mensch.“ (Nasai)

Ein Muslim fragte Hasan (ra): „Ich habe eine Tochter, mit wem soll ich sie verheiraten?“

Hasan (ra) antwortete: „Mit Jemandem, der Allah teala fürchtet. Falls er deine Tochter lieben wird, wir er sie umso mehr bewirten. Wenn er sie nicht lieben sollte, würde er ihr kein Leid zufügen. „

Nach diesen beiden Kriterien sollte man der Reihe nach, auf Alter, Gesundheit, Bildung, Umfeld, Kultur, Sprache, Herkunft, Ehre, Tradition, Beruf und Reichtum achten. Diese Kriterien sollten bei den Paaren ungefähr auf der gleichen Ebene sein. Weil einer der Gründe der Ehe die Vermehrung ist, sollte man vor allem auf die gesundheitlichen Gegebenheiten achten. Ledige sollten mit ledigen heiraten.

Auch wenn Reichtum nicht entscheidend für eine gute Ehe ist, sind dennoch die finanziellen Umstände für eine glückliche Ehe wichtig. Aber es gehen schnell Ehen in Bruch, wenn Werte wie gutes Verhalten und Religiosität außer Acht gelassen werden und nach Äußerlichkeiten und Reichtum geheiratet wird. Deshalb muss ich mit Betrübtheit erwähnen, dass die Scheidungen sich immer mehr häufen und sogar doppelt und dreifach so hoch sind wie die Eheschließungen. Um nicht das Gleiche zu erfahren, müssen wir bei unseren Kindern äußerst vorsichtig und feinfühlig handeln. Ich möchte meine Hutba mit einem Hadis zum Thema beenden: „Die besten Frauen sind diejenigen, die dich glücklich machen, wenn du sie anschaust, dir gehorchen, wenn du etwas verlangst, deinen Schwur nicht brechen lassen, wenn du schwörst und deine Ehre, Würde und dein Gut bewahren, wenn du dich in Entfernung befindest.“ (Nasai)

IGMG Irschad-Abteilung

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