Freitagspredigt

Hutba: Die Gerechtigkeit aufrecht erhalten

19. September 2014

Verehrte Gemeinde!
In unserer heutigen Hutba geht es um die Aufrechterhaltung der Gerechtigkeit und das Bekenntnis zu ihr.

Liebe Geschwister!
Gerechtes Verhalten ist für uns Muslime eine der wichtigsten Eigenschaften, genauso wie Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Sich gerecht zu verhalten, sich auf die Seite desjenigen zu stellen, der im Recht ist, unabhängig davon, um wen es sich handelt, ist unsere Pflicht. Das gilt auch, wenn dadurch ein Nachteil für unsere eigene Familie oder unsere Freunde entsteht.

Verehrte Muslime!
Gerechtigkeit ist ein unverzichtbarer Teil unseres Lebens. Sogar unter unseren Kindern, in unserer Gemeinschaft, unter unseren Nachbarn und Verwandten sehen wir, dass dort versucht wird, stets gerecht zu handeln. Als unser Prophet einen Sahabi beobachtete, der seine Kinder ungleich behandelte, sagte er: „Verhaltet euch gerecht gegenüber euren Kindern, benachteiligt sie nicht.“[1] Selbst wenn wir unseren Kindern unsere Liebe zeigen, müssen wir uns also gerecht verhalten.

Verehrte Gemeinde!
Allah sagt im 135. Vers der Sure Nisâ: „O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder eure Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut.“[2]

Der wichtigste Punkt, auf den dieser Koranvers hinweist, ist, dass man demjenigen, der im Recht ist, dazu verhelfen soll, sein Recht zu erhalten. Wenn unser Schweigen und Zögern dazu führt, dass eine Person oder eine Gruppe ihrer Rechte beraubt wird, dann haben wir unsere Aufgabe, die Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten, vernachlässigt. In diesem Fall würden wir die Gerechtigkeit mit Füßen treten. Darauf werden wir in diesem Koranvers aufmerksam gemacht.

Verehrte Muslime!
Ungerechtigkeit ist der Nährboden für viele schlechte Entwicklungen in der Gesellschaft. Diese negativen Entwicklungen, seien sie gegen eine Religion oder eine ethnische Gruppe gerichtet, werden in Zeiten, in denen Vorurteile und Hass gegen Menschen Verbreitung finden, von der Gesellschaft kaum beachtet. So werden wir in diesen Tagen, in denen sich der Hass gegen Muslime weiter verbreitet, insbesondere in Deutschland Zeugen von Übergriffen auf Moscheen und Synagogen. Diese Angriffe sind das Ergebnis des Hasses. Wir stellen uns nicht nur in Deutschland, sondern überall gegen Hass, Ungerechtigkeit, Terror und Angriffe auf Menschen.

Verehrte Geschwister!
Es gibt sehr viele Koranverse, die sich auf die Gerechtigkeit beziehen. So heißt es im 90. Vers der Sure Nahl, die wir am Ende jeder Hutba lesen: „Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehen-den zu beschenken. Und Er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“[3]  

[1] Abû Dawûd, Idschara, 129; H. Nr. 3544 [2] Sure Nisâ, 4:135 [3] Sure Nahl, 16:90

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