Freitagspredigt

Die Kaaba und der Hadsch

24. Juli 2015

Verehrte Muslime!
Allah sagt im Koran: „Siehe, das erste für die Menschheit errichtete Haus war das in Bakka –gesegnet und eine Leitung für alle Welt, Wo es klare Zeichen gibt, wie die Stätte Ibrâhîms. Wer es betritt, ist sicher. Und der Menschen Pflicht gegenüber Allah ist die Pilgerfahrt zum Hause, wer immer dazu in der Lage ist. Wer aber ungläubig ist – wahrlich, Allah ist auf nichts in aller Welt angewiesen.“[1]

Liebe Geschwister!
Von der Zeit Ibrâhîms (a) bis zur Verbreitung des Götzenglaubens wurde die Kaaba von den Menschen in Übereinstimmung mit den Grundlagen des Tawhîds (Monotheismus) verehrt. Die Anhänger des Götzenglaubens stellten jedoch viele Götzenstatuen in der Kaaba und ihrer Umgebung auf. Sie verwandelten diesen Ort in ein regelrechtes Götzenhaus. Die Hanifen (Monotheisten), die sich der Religion Ibrâhîms (a) verbunden fühlten, besuchten die Kaaba aber weiterhin, ohne den Götzenglauben zu teilen. Obwohl die Götzendiener von Mekka ihre Götter in und um die Kaaba aufstellten, betrachteten sie die Kaaba stets als Baytullâh (Haus Allahs). Dennoch brachten sie den Götzen Opfer da und beteten diese an. Sie glaubten, die Götzen würden sie Allah näher bringen.

Verehrte Muslime!
Eine der wichtigsten Aufgaben unseres Propheten war es, die Kaaba wieder zum Zentrum des Tawhîds zu machen. Nach der Einnahme Mekkas wurde die Kaaba von den Götzen befreit, und mit Bilâls (r) Gebetsruf erschallte erneut der Name Allahs über der Kaaba. Die Hadsch-Riten, in die sich Schirk (Beigesellung) gemischt hatte, waren aufgehoben. Die Hadsch auf der Grundlage des Tawhîds, so wie sie seit Ibrâhîm (a) praktiziert worden war, wurde wieder zu neuem Leben erweckt.

Liebe Geschwister!
In viele Religionen gibt es Pilgerfahrten an besondere Orte, an denen bestimmte Rituale vollzogen werden. Ein Grundgedanke der Hadsch ist es, dass Göttlichkeit überall in Erscheinung treten kann. Laut dem Koran ist die Erfüllung der Hadsch-Pflicht durch diejenigen, die dazu in der Lage sind, ein Anrecht Allahs.[2] Der Hadsch ist einer der fünf Grundpfeiler des Islams.[3]

Verehrte Muslime!
Der Hadsch hat eine große Bedeutung im Leben der Gläubigen. Denn der Prophet verspricht denjenigen, die um der Zufriedenheit Allahs willen den Hadsch vollziehen, dass sie von allen Sünden befreit werden.[4] In einem Hadith heißt es: „Verbindet Hadsch und Umra miteinander. Denn diese beseitigen die Armut und die Sünden, so wie der Blasebalg den Schmutz des Eisens, Silbers und des Goldes beseitigt. Der Lohn eines angenommenen Hadsch ist allein das Paradies.”[5]

Der Gläubige vollzieht den Hadsch unter großem körperlichem und finanziellem Einsatz. Diese Ibâda berührt seine gesamte Existenz, sie drückt seine vollkommene Hingabe aus. Der Hadsch ist eine Ibâda, in dessen Zentrum der Mensch steht. Sie zielt darauf ab, das Gute in allen Formen als menschliches Bedürfnis zu fördern.

Der geistig-spirituelle Gewinn der Hadsch für den Einzelnen und die Gemeinschaft fällt von Person zu Person, von Gesellschaft zu Gesellschaft und von Epoche zu Epoche unterschiedlich aus. Dies hat verschiedene Gründe. Jeder Mensch zieht abhängig von seinen Absichten, seinem Willen und Können einen anderen Nutzen aus dem Hadsch. Es gibt auch Menschen, die von dieser Reise wieder zurückkehren, ohne irgendetwas gewonnen oder gelernt zu haben. Aus diesem Grund ist es notwendig, über die Symbolik der Hadsch hinaus deren eigentlichen Zweck zu erkennen.

Allah möge alle unsere Ibâdas annehmen!

[1] Sure Âli Imrân, 3:96-97
[2] Sure Âli Imrân, 3:97
[3] Buhârî, Îmân, 1, 2; Muslim, Îmân, 19-22; Tirmizî, Îmân, 3
[4] Muslim, Hadsch, 438
[5] Tirmizî, Hadsch, 2

pdf: Hutba: Die Kaaba und der Hadsch

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