Freitagspredigt

Hutba – Die Menschenrechte

10. Dezember 2004

Am 10. Dezember 1948 wurde das internationale Menschenrechtsabkommen der Vereinigten Nationen veröffentlicht. Aus diesem Anlass geht unsere Hutba über die Menschenrechte.

Verehrte Muslime,

Einer der unverzichtbarsten Werte der Menschheit sind die Menschenrechte, die jeder respektieren und sichern muss.

Unser Glaube, der Islam, hat seit 14 Jahrhunderten den Menschen die Grundrechte für das Leben, die Glaubensfreiheit, das Denken, für freie Meinungsäußerung, sich zu organisieren und das Recht auf Besitz vorgesehen.

In diesem Zusammenhang sagt unser Herr im Koran: „O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig.“ (Hudschurat 13) Aus diesem Ayat sehen wir, dass die Ehrung unter den Menschen nur mit Gottesfurcht begrenzt ist. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagt: “ O ihr Menschen! Euer Herr ist einer, euer Vater ist einer! Gebt acht! Die Araber haben kein Vorteil gegenüber den Nicht-Arabern und die Nicht-Araber haben kein Vorteil über die Araber. Die Weißen sind nicht über den Schwarzen und die Schwarzen nicht über den Weißen. Ehrung ist nur mit Gottesfurcht möglich.“ (Neylü`l Evtar, Band 5, S.164)

Mit diesem Hadis wird der vorherige Ayat noch mal bestätigt. Der Hadis blieb nicht nur als Worthülse zurück, der Prophet (Friede sei mit ihm) ernannte Bilal, der dunkelhäutig und ursprünglich ein Sklave, zu seinem Muezzin (Gebetsrufer), vermählte Zeyd, der auch ursprünglich ein Sklave war, mit seiner Cousine und gab die Führung einer Gruppe, in der sich sogar Abu Bakr und Omar befanden, Usame, dessen Vater ebenso Sklave war. So hat unser geliebter Prophet in seinem Verhalten gezeigt, dass zwischen Sklave und Adligen, Reichen und Armen kein Vorrang ist.

Aber in der Geschichte hat die Menschheit von Zeit zu Zeit Ab- und Anstiege erlebt, die lebensnotwendigen Rechte der Menschen wurden übertreten und wurden sogar verachtet. Letztendlich wurden die Rechte die unser Prophet in seiner Abschlusspredigt uns vermittelt hatte und inhaltlich den internationalen Menschenrechtsabkommen entsprach, nach dem 2. Weltkrieg von den Vereinten Nationen veröffentlicht. Heute haben fast alle Länder dieses Abkommen unterschrieben und übernahmen die Verpflichtung diese den Menschen zu sichern und zu gewährleisten.

Verehrte Brüder und Schwestern,

Es ist einfach, ein Gesetz zu entwerfen, aber solange man diese Gesetze nicht praktiziert, erfüllt es seinen Zweck nicht und bringt den Menschen nichts, mögen diese Gesetze noch so gut und positiv sein. Das Wichtige ist, diese Gesetze, ohne Ausnahmen und Unterschiede zwischen den Menschen zu machen, auszuüben. Schließlich beobachtet heute die ganze Menschheit, dass keinen Nutzen bringt, wenn die Rechte und Gesetze die den Menschen zustehen außer Geltung gesetzt werden.

Wie heißt es doch im internationalen Menschenrechtsabkommen:

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen. Weiter darf keine Unterscheidung gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, ohne Rücksicht darauf, ob es unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder irgendeiner anderen Beschränkung seiner Souveränität unterworfen ist. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen Formen verboten. Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden. “ ( Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1-5)

Verehrte Gemeinde,

Diejenigen Supermächte(!) die den Anfang dieses Abkommens gemacht, sie unterschrieben und ihr Treueid darauf gegeben haben, sind diese Länder ihren Unterschriften Treu geblieben? Wenn wir auf die Krisegebiete, insbesondere auf die bedauerlichen Vorfällen in den islamischen Länder schauen, merken wir, dass es leider nicht so ist. Sogar die Kinder wissen heute was unter dem Vorwand „Freiheit und Demokratie“ für dramatische Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Hieß es nicht, die Menschen würden frei geboren, sie hätten das Recht auf Leben, Würde und Besitz sei unantastbar, Folter und Demütigungen seien untersagt, die Wohn- und Gebetsstätte der Menschen müssten in Respekt und Ehre erhalten werden! Hieß es nicht weiter, die Menschen könnten nicht wegen ihres Glaubens und ihrer Ansichten wegen benachteiligt und gedemütigt werden! Gab es nicht das Prinzip, jeder Mensch sei für seine eigenen Taten verantwortlich. Warum werden Menschen wegen den Taten Anderer bestraft? Weisen nicht all diese Ungerechtigkeiten auf eine ernstzunehmende Doppelmoral hin?

Während der gesegneten Freitagszeit und am Jahrestag der Veröffentlichung der Menschrechte, möchte ich die Menschen noch einmal daran erinnern und darauf aufmerksam machen, dass wir den Terrorismus jeglicher Art auf das Schärfste verurteilen, gleich von wem und gegen wen es gerichtet ist. Gleichzeitig verurteilen wir auch die Staaten, die die Terrorgefahr als Vorwand nutzen, und die Menschenrechte mit ihren Füßen treten, die keine Kriegsrechte kennen und insbesondere unschuldige Kinder, Frauen und schutzlose Menschen umbringen und die Gebetsstätte stürmen. Diejenigen Staaten, die sich als Vorbild in Sachen Menschenrechte präsentierten, haben das Gegenteil von Aufrichtigkeit gezeigt, indem sie im Namen der Terrorbekämpfung Kinder, Kranke, Alte und ohne zwischen Zivilisten und Militär zu unterscheiden getötet haben, die Häuser der Menschen verbrannt und vernichtet und die Gebetstätte verwüstet und anstatt den Verletzten zu helfen sie ermordet haben .

Während ich zum Ende komme, wünsche ich, dass die Menschenrechte für die ganze Menschheit in Geltung treten und Gerechtigkeit auf der Welt herrscht. Und euch Brüder und Schwestern rate ich immer gegen Ungerechtigkeit zu stehen und egal wer euer Gegenüber ist, immer gerecht zu handeln.

IGMG Seelsorge

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