Freitagspredigt

Hutba: Die muslimische Frau in der Gesellschaft

08. März 2013

Verehrte Muslime,

wir alle sind Geschöpfe, die Verantwortung tragen. Und wir alle haben die Aufgabe, dieser Verantwortung so weit wie möglich gerecht zu werden. Das gilt für Frauen genauso wie für Männer. Gläubige Frauen und Männer sollen sich dabei unterstützen und einander helfen. In einem Koranvers heißt es nämlich: „Und die Gläubigen, Männer und Frauen, sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und verrichten das Gebet und zahlen die Steuer und gehorchen Allah und seinem Gesandten. Sie – wahrlich, Allah erbarmt sich ihrer. Siehe, Allah ist mächtig und weise.“  (Sure Tawba, 9:71)

Zweifellos wurde diese Tatsache des Öfteren in der Geschichte unbeachtet gelassen. Umso wichtiger ist es heute, dass die muslimische Frau, also unsere Frauen, Töchter und all unsere anderen weiblichen Geschwister, sich ihrer Verantwortung und ihren Chancen bewusst sind. Die Möglichkeiten und Fähigkeiten, die die muslimische Frau innerhalb der Familie, der Gesellschaft, der Moscheegemeinde und ihrer sozialen Umgebung einbringen kann, sind unverzichtbar für das gesellschaftliche Wohl.

Liebe Geschwister,

die Frauen zur Zeit des Propheten zeigen uns, wie man sich als Frau aktiv in die Gesellschaft einbringt. Sie setzten sich für ihre Religion ein und waren in allen Bereichen des religiösen Lebens vertreten. Während der Zeit in Mekka fanden sich Männer und Frauen zusammen, um vom Propheten zu lernen und Ibâdas (Gottesdienste) zu verrichten. In der Masdschid an-Nabawî (Prophetenmoschee) wurde sogar ein Eingangstor nur für Frauen eingerichtet. Frauen gingen zu jeder Zeit in die Moschee, um dem Gesandten Allahs zuzuhören und von ihm zu lernen. Zur selben Zeit spielten Frauen als Lehrerinnen eine wichtige Rolle. Sie lehrten anderen das Lesen und Schreiben und machten ihre Häuser zu Lernstätten. Dass die Frau des Propheten, Aischa (r) nach seinem Tod, Männer und Frauen gleichsam unterrichtete, genügt, um die soziale Stellung der Frau im Islam aufzuzeigen.

Die muslimische Frau ist also nicht nur Mutter, sondern ein Individuum, das soziale Verantwortung trägt und aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt ist. Unsere Mutter Hatîdscha (r) beschäftigte sich jahrelang mit dem Handel, und Safiyya (r) spielte eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit den mekkanischen Polytheisten. Diese und andere Beispiele erinnern uns an die wichtige Position der muslimischen Frau sowie an ihre Verantwortung.

Verehrte Muslime,

im Lichte dieser Tatsachen und Beispiele sollten wir unsere Frauen, Töchter und alle anderen muslimischen Geschwister motivieren und sie dabei unterstützen, ihren Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft und in der Gesellschaft nachzukommen. Denn insbesondere die muslimische Frau steht heute unter großem Druck. Aufgrund ihres Glaubens sieht sie sich in der Bildung, bei der Arbeitssuche und in ihren Karriere-wünschen stets mit Problemen konfrontiert. Statt ihr die Möglichkeit zu geben, sich für die Gesellschaft einzusetzen und anstatt von ihren Talenten und Fähigkeiten zu profi-tiert, zwingt man sie dazu, um ihre Grundrechte und Freiheiten zu kämpfen. So kommt es, dass sie ihre Potenziale nicht entfalten und in den Dienst der Gesellschaft stellen kann. Daher müssen wir die Bemühungen und Arbeiten unserer Schwestern unterstützen. Dies gilt nicht nur, weil wir im Guten mit ihnen wetteifern möchten, son-dern auch, weil dies ein Gebot der Geschwisterlichkeit im Islam ist.

IGMG Irschadabteilung

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