Freitagspredigt

Hutba – Die Persönlichkeit unseres Propheten Muhammed (saw)

08. April 2005

Verehrte Brüder und Schwestern,

wir nähern uns langsam dem Jahrestag der Geburt des segensreichen Propheten Muhammed Mustafa (Friede sei mit ihm). Dieser fällt auf den 20. April. Möge unser Herr diesen Tag für die ganze Menschheit segnen. Aus diesem Anlass werde ich meine Hutba über die vorbildliche Persönlichkeit des Propheten halten. Es wird aber wohl kaum möglich sein, diesen Propheten in einer einzigen Hutba ausreichend zu beschreiben. Ich werde trotzdem versuchen euch einen Tropfen aus seinem Segensozean zu präsentieren.

Der tugendhafte Charakter des Propheten kommt aus der Rechtleitung und der Erziehung seines Herrn. Im Koran und in den Hadisen heißt es dazu:

„Mich hat mein Herr erzogen und er hat es vollkommen getan“ (El-Camiu`s Sagir, 25, H.N. 310)

„…Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie von dirdavongelaufen.“ (Ali Imran 159)

Sein Charakter war es, der ihn bei seinen Anhängern und Freunden so beliebt machte und sie faszinierte. Es gab bisher in der Geschichte keinen anderen Anführer, der von seinen Freunden, Verwandten und Anhängern so geliebt wurde. Der Prophet hatte auch vor Beginn seiner Prophetie eine beispielhafte Persönlichkeit. Schon damals wurde er von den anderen Mekkanern „sadiku`l emin“, der Ehrliche und der Vertrauenswürdige, genannt.

Als ihn Allah teala mit der Verkündung seiner Wahrheit beauftragte, gab es einige die diese Botschaft annahmen und wiederum einige die sie nicht anerkannten und sie leugneten. Aber auch diejenigen, die ihn zwar nicht als Prophet anerkannten, gaben zu, dass er einen vorbildlichen Charakter besaß und dass er ehrlich und vertrauenswürdig war. Auch nach dem Beginn seiner Prophetie wagte es keiner, ihm Tugendlosigkeit vorzuwerfen.

Verehrte Muslime,

nach der Ausbreitung des Islams wurde der Prophet zu einem Anführer mit großer Macht und Autorität. Trotzdem verhielt er sich nicht wie ein Herrscher oder König und trat auch nie dem Volk mit Stolz, Hochmut und Arroganz gegenüber. Er erledigte seine eigene Arbeit selbst, nähte eigenhändig seine Flicken, melkte seine Schafe und aß mit seinem Dienstpersonal zusammen an einem Tisch. Er war zwar der Anführer, gleichzeitig aber auch der Freund seiner Gefährten.

Er mochte es nicht, dass man ihn im Stehen empfing; erwartete nicht, dass man ihm einen speziellen Platz freihielt; er setzte sich dorthin wo es gerade einen freien Platz gab. Er unterhielt sich mit dem Volk, als sei er auch einer von ihnen. Er spaßte mit seinen Freunden, spielte mit deren Kindern und nahm die Kinder auf seinen Schoß. Er nahm alle Einladungen an und besuchte die Kranken, ohne jemanden dabei auszulassen.

Er war nicht nur gegenüber den Muslimen respektvoll und gutmütig, sondern behandelte auch die Nicht-Muslime genauso. Er nahm auch ihre Einladungen entgegen und lud sie selbst auch zu sich ein. So besuchte ihn eine Gruppe von Christen aus Nedschran. Er empfing sie im Gebetsraum und legte deren geistlichem Oberhaupt seine eigene Jacke auf den Boden, damit er sich darauf setzen konnte. Er legte kein Wert auf das irdische Leben und bevorzugte die Bedürftigen vor seinem eigenen Ego. Er führte ein einfaches und schlichtes Leben und hielt sich von jeglichem Luxus fern.

Verehrte Gläubige,

Unser lieber Prophet besaß einen wachen Geist und ein schnelles Auffassungsvermögen. Obwohl er manchmal in schwierige Probleme geriet, fiel er nie in Verzweiflung und fand immer eine flexible Lösung. Er führte ein makelloses und sauberes Leben. Er warnte vor dem Verwässern des Einheitsglaubens an Allah und wollte nicht, dass die Menschen ihn wie manch andere Propheten vergöttern. Deshalb bestand er darauf, dass man ihn

„Diener Allahs“ nannte, obwohl er „Rahmetel-lil-alemin“, der Segen der Welten war.

Er war für uns auch ein Beispiel in Wohltat und Barmherzigkeit. Er erwies seine Größe, indem er an seinen mächtigsten Tagen seine bis dahin emsigsten Feinde begnadigte, obwohl sie eine Strafe verdient hätten. Wenn die Menschheit heute auch nur ein Beispiel an dieser Eigenschaft nehmen würde, würden sich viele Probleme und Konflikte wie von selbst lösen. Denn er wusste genau, dass man Gewalt nicht mit Gewalt erwidern kann und dass die Herzen nur mit Liebe und Barmherzigkeit erobert werden können.

Er brachte der Menschheit bei, dass man die Herzen nicht durch Druck und Zwang erobern kann. Deshalb waren die Schwachen bei ihm stark und die Starken in seinen Augen schwach. Auch wenn es seine eigene Tochter wäre, würde er die Schwachen bevorzugen. Was er für die anderen nicht wünschte, wollte er für sich selber auch nicht.

Liebe Geschwister,

ich möchte meine Hutba mit einem Vers zu Ende bringen, ein Vers, der Seine Eigenschaften auf das Beste beschreibt: „Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus euerer Mitte zu euch. Schwer liegen euere Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegen die Gläubigen (aber) ist er gütig und barmherzig.“ (Tauba 128)

IGMG Seelsorge