Freitagspredigt

Hutba: Die Tränen der Hilflosen

08. Dezember 2016 Minbar
Minbar

Verehrte Muslime!
In Vers 128 der Sure Tawba wird unser Prophet wie folgt beschrieben: „Wahrlich, aus euren Reihen ist zu euch ein Prophet gekommen, den es sehr bedrückt, wenn euch etwas belastet. Er ist sehr um euch besorgt und voller Milde und Güte gegenüber den Gläubigen“. In einem anderen Vers heißt es: „Zu nichts anderem haben wir dich gesandt als zur Barmherzigkeit für alle Welten“.[1] Unter den bedeutenden Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte sticht Muhammad (s) in Bezug auf seine Barmherzigkeit besonders heraus. Die Barmherzigkeit unseres Propheten kann als ein Vorbild für alle Menschen[2] dienen. Daher hoffen und wünschen wir, dass der Mawlîd unseres Propheten an diesem Wochenende für uns ein Anlass ist, uns dieser Eigenschaften unseres Propheten bewusst zu werden.

Liebe Geschwister!
Allah hat jedem Mensch einen freien Willen gegeben. Wer diese Eigenschaft dafür einsetzt, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen, kann selbst die Engel überflügeln. Wer aber die Worte unseres Herrn missachtet, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitmenschen. Wer den geraden Weg des Propheten verlässt und Unrecht begeht, der verliert im Diesseits wie auch im Jenseits.

Verehrte Muslime!
Über die Medien werden wir Zeugen von Unrecht und Unterdrückung weltweit. Aktuell ist das Leid in Aleppo und Arakan besonders groß. Jeden Tag erreichen neue Bilder von getöteten und gefolterten Menschen, vergewaltigten Frauen und leblosen Körpern von Kindern und Säuglingen.

Angesichts der Lage können wir unsere Tränen kaum noch zurückhalten. Wir wundern uns über die Untätigkeit und Passivität der Menschheit, denn das Unrecht geschieht vor aller Augen. Dabei wird doch immer betont, wie fortgeschritten die Menschheit ist. Nein, liebe Geschwister. Die Menschen haben aus den Fehlern und bitteren Erfahrungen der Vergangenheit nichts gelernt. Sie haben immer noch nicht begriffen, dass das Stillschweigen angesichts von Unrecht genauso falsch ist wie das Unrecht selbst!

Liebe Geschwister!
Wir können diese Ungerechtigkeit nicht akzeptieren und zweifeln an der Menschlichkeit der Täter. Wir verurteilen jene, die die Würde des Menschen mit Füßen treten aufs Schärfste. Unser Platz ist an der Seite unserer unterdrückten Geschwister. Daher werden wir als Gemeinschaft im Anschluss an das Freitagsgebets für alle ermordeten Muslime auf der Welt, vor allem in Aleppo und in Arakan, ein Totengebet verrichten. Außerdem werden wir am Sonntag nach dem Morgengebet ein gemeinsames Duâ sprechen.

Unsere Trauer gilt allen getöteten Menschen, nicht nur unseren Glaubensgeschwister. Als Gemeinschaft des Propheten Muhammad (s), dessen Barmherzigkeit alle Welten umfasste, haben wir Anteil am Leid aller Menschen.

Möge Allah die Menschen zur Vernunft bringen! Wer an das Jenseits glaubt, weiß, dass er am Tag der Auferstehung nicht nur für alles begangene Unrecht Rechenschaft ablegen wird, sondern auch für sein Stillschweigen. Möge uns Allah an diesem Tag gnädig sein.

[1] Sure Anbiyâ, 21:107
[2] Sure Ahzâb, 33:21

Hutba-Die Tränen der Hilflosen

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