Freitagspredigt

Hutba – Die Wunder von Isra und Miradsch

10. September 2004

Verehrte Gemeinde,
Die Wunder von Isra und Miradsch gehören zu den größten Wundern des Propheten. Sie ereigneten sich eineinhalb Jahre vor dem Auszug des Propheten aus Mekka.

Unsere Hutba werde ich jedoch nicht darauf verwenden, die Details dieser Wunder wiederzugeben, sondern darauf, uns die Bedeutung und die Lehren, die aus der Isra und der Miradsch gezogen werden können darzulegen.

Isra und Miradsch ereigneten sich zu einer Zeit, in der Unterdrückungen und Diskriminierungen in Mekka ihren Zenit erreichten. Unser Prophet (Friede sei auf ihm) hatte seine zwei Unterstützer verloren, seine Frau Hz. Hatice und seinen Onkel Ebu Talib. Sein Gang nach Taif war für ihn eine weitere herbe Enttäuschung. Die Unterdrückungen der Muschrikun erreichten ein Niveau, dass ihm selbst das Atmen schwer machte. Der Herr nahm seinen in Bedrängnis geratenen Propheten in solch einer Zeit zu sich, um ihn zu trösten und ihm Mut zu machen. Er zeigte ihm seine Wunder und dass er sich keine Sorge um diese Religion machen musste, diese Religion gehörte Allah und er sei es auch, der diese beschützen wird.

Auf der anderen Seite verspotteten ihn die Muschrikun, die es mittlerweile auf sein Leben abgesehen hatten, noch mehr als vorher. Auch für das Isra- und Mirac-Wunder hatten sie nichts anderes als Hohn übrig. So liefen einige von ihnen sofort zu Abu Bakr, als sie von dem Wunder hörten, und berichteten ihm davon. Abu Bakr fragte daraufhin: „Hat er dies alles gesagt?“ Als sie dies bejahten, sagte er weiter: „Wenn er dies gesagt hat, dann bezeuge ich, dass das Gesagte wahr ist.“ Die Muschrikun fragten verwundert: „Du glaubst, dass er in einer Nacht in die Region von Damaskus gegangen und noch vor dem Morgengrauen nach Mekka zurückgekehrt ist?“ Abu Bakr: „Ja, ich habe ihm selbst Worte geglaubt, die ihr für noch unwahrscheinlicher hält. Ich bin jemand, der seine Berichte aus den Himmeln angenommen hat.“ Wegen dieser Haltung hat Abu Bakr auch den Beinamen „Siddiq“, der Wahrheitsliebende, der Aufrichtige erhalten. Dieses Wunder war somit auch ein Maßstab und eine Prüfung für den Glauben der Muslime. Wir dürfen deswegen die Allmacht des Herrn nicht vergessen und sollten unsere Arbeit mit Geduld und Eifer erfüllen. Wir müssen Aufrecht in unserem Glauben stehen und gefasst auf das Resultat unserer Anstrengungen warten.

Liebe Brüder und Schwestern,
Dass das Miradsch-Wunder sich in Jerusalem und in der Al-Aksa-Moschee abspielte und die Erwähnung im Koran, zeigen uns die Bedeutung dieser Moschee. Denn Allah teala teilt uns mit, dass er die Umgebung der Aksa-Moschee ergiebig und heilig machte. Und auch darin, dass unser Prophet als Vorbeter der andern Propheten fungierte, liegt ein besonderer Sinn. Wir beten dafür, dass der Terror, ob staatlich oder nicht staatlich, auf diesem heiligen Land endlich ein Ende findet und rufen die Weltgemeinschaft auf, dem endlich ein Ende zu setzen. Und wir sagen: O ihr Menschen, es reicht. Diese heilige Gebetsstätte und seine Umgebung wird von jeder von Allah herabgesandten Religon als Gebetsstätte und als Heiligtum angesehen. Hört endlich auf diesen heiligen Boden mit Unterdrückungen und Morden in Blut und Tränen zu ertränken.

Liebe Gemeinde,
In den Versen 22 bis 29 des Korans teilt uns Allah teala zwölf Prinzipien mit, die die Basis des Guten und des Schlechten auf der Welt sind. Wenn wir uns die Menschen heute ansehen, erkennen wir mit Leichtigkeit, dass das Bedürfnis der Menschen nach diesen Prinzipien heute genauso stark ist wie vor vierzehn Jahrhunderten. Wenn wir uns diese 18 Verse genauer anschauen, können wir folgende Prinzipien herausarbeiten: Allah teala keine anderen Götter beigesellen, den Eltern gegenüber gutmütig sein, dem Berechtigten sein Recht geben, von der Verschwendung Abstand halten, nicht den extremen sondern den Mittelweg nehmen, Kinder lieben und ihr Leben schützen, das Leben des Anderen nicht nehmen, nicht der Unzucht verfallen, den Waisen gut behandeln, Gewichte und Maße nicht manipulieren, nicht blind dem Ungewissen hinterherlaufen und auf der Welt nicht arrogant und hochmütig sein.
Wie aktuell doch diese Prinzipien sind?

Wir sollten möglichst versuchen, den Sinn hinter dieser Nacht zu ergründen und unsere Gebete und Lobpreisungen zu verstärken. Gerade heute sollten wir die Pflichtgebete, die uns Allah in der Miradsch-Nacht gegeben hat, nicht vernachlässigen und unsere Gebete für die Unterdrückten, Diskriminierten und Schwachen dieser Welt nicht vergessen. Lasst uns zu unserem Herrn beten, damit alle Menschen auf dieser Welt in Frieden leben können. Möge Allah die gesamte islamische Welt eine gesegnete Miradsch-Nacht geben und uns noch weitere dieser heiligen Nächte erreichen lassen.

IGMG SEELSORGE

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