Freitagspredigt

Hutba: Gelüste nicht vergöttlichen

20. Dezember 2019 Koran Tasbih Grün
Koran Tasbih Grün

Verehrte Muslime!

Die wichtigste Besonderheit des Muslims ist, dass er sich völlig Allah hingibt. Der Koran und die Sunna sind für ihn der einzige Maßstab von Gut und Böse, Recht und Unrecht, Tugend und Sünde. Kein Mensch ist unschuldig und fehlerfrei, ja es gehört zu seiner Natur, Sünden zu begehen. Ausgenommen hiervon sind nur die Propheten. Jedoch beharrt der Muslim nicht auf seinen Fehlern oder Sünden. Vor allem rechtfertigt er sie nicht. Vielmehr versucht er von diesen loszukommen und kehrt voller Reue zu Allah zurück. Im Koran heißt es: „Wenn Allah und sein Gesandter eine Sache entschieden haben, geziemt es einem gläubigen Mann oder einer gläubigen Frau nicht, in ihren Angelegenheiten eine andere Wahl zu treffen. Wer gegen Allah und seinen Gesandten aufsässig wird, der ist in offenkundigem Irrtum.“[1]

Liebe Geschwister!

In der heutigen Zeit, in der wir von allen möglichen Meinungen und Ideen umgeben sind, ist es umso wichtiger, Ordnung in unser Leben zu bringen, denn „Wenn du nicht so lebst, wie du glaubst, wirst du so glauben, wie du lebst.“ So muss sich jeder von uns die Frage stellen: Lebe ich im Sinne meines Glaubens? Oder glaube ich entsprechend meiner Lebensweise? Wir Muslime richten unser Leben nach unserem Glauben aus und nicht andersherum.
Dies umfasst alle Lebensbereiche, also nicht nur die Ibâdas, sondern auch unser Familien- und Berufsleben, unsere Kleidung, Ernährung wie auch unser Auftreten im Internet und den sozialen Medien. Wenn unser Lebensstil nicht dem Wohlgefallen Allahs entspricht, sondern eher unseren Gelüsten, dann sollten wir uns an folgende Worte Allahs erinnern: „Wer aber ist in größerem Irrtum, als wer seinen Gelüsten – ohne Rechtleitung von Allah – folgt? Siehe, Allah leitet kein ungerechtes Volk.“[2] In einem ähnlichen Koranvers heißt es: „Was meinst du wohl? Wer seine Gelüste zu (seinem) Gott macht und wen Allah irregehen lässt – wissend, dass ihm Ohr und Herz versiegelt sind und dass auf seinen Augen eine Hülle liegt – wer wird ihn wohl rechtleiten, wenn nicht Allah? Wollen sie sich denn nicht ermahnen lassen?“[3]

Liebe Geschwister!

Unser Prophet ﷺ sagte: „Ein kluger Mensch rechnet mit seinem Nafs ab und strengt sich für das Jenseits an. Ein schwacher Mensch hingegen verfällt seinem Nafs und bittet Allah um alles Mögliche.“[4] Ziel der Abrechnung mit der Nafs ist nicht nur, die Verbote und Gebote Allahs einzuhalten. Es geht ferner darum die Nafs auf solch eine Stufe zu bringen, dass sie von sich aus die Gebote Allahs einzuhalten wünscht. Unser Prophet ﷺ sagte nämlich: „Ihr werdet keinen (vollkommenen) Îmân erlangen, bis die Wünsche eurer Nafs dem unterliegen, was ich brachte.“[5]

Möge Allah uns davor bewahren, unseren Gelüsten zu erliegen. Möge er unseren Îmân festigen und auf Allahs Weg führen. Âmîn. 

Notiz: Die Infak-Kampagne 2019 geht in die letzte Runde. Mit eurer Unterstützung wurden in den letzten Jahren 67 wichtige Bauprojekte umgesetzt. Dazu zählen Schulen, Colleges, Studentenwohnheime, Hifz- und Lehrinstitute und Moscheekomplexe. Auch dieses Jahr wird für 13 neue Projekte gesammelt. Lasst uns also gemeinsam einen Beitrag für die Zukunft der im Westen lebenden Muslime leisten und für kommende Generationen investieren, die sich mit ihrer Religion auskennen und die besten Charaktereigenschaften verinnerlichen.

[1] Sure Ahzâb, 33:36
[2] Sure Kasas, 28:50
[3] Sure Dschâsiya, 45:23
[4] Tirmizî, Kiyâma, 25, Hadith Nr. 2459
[5] Kitâb al-Hudscha, Vgl. Nawawî, Arbaûn, Hadith Nr. 41

Hutba-Gelüste nicht vergöttlichen

Hutba-Arabisch