Freitagspredigt

Hutba: Geschwisterlichkeit in Zeiten der Not

18. Juli 2014

Verehrte Muslime,

dort wo es Menschen gibt, gibt es auch Konflikte –

und diese führen oft zu Kriegen. Die Menschen schrecken selbst nicht davor zurück, andere zu unterdrücken, nur um ihre Interessen zu wahren. Jede traurige Nachricht über unsere Geschwister, die unter den Kriegen überall auf der Welt zu leiden haben, erfüllt unsere Herzen mit tiefer Trauer.

 

Liebe Geschwister,

mit Bedauern sehen wir, was die Zerrissenheit der Umma aus den Muslimen gemacht hat. Dies erfüllt uns mit großem Schmerz. Wir sind Zeugen vieler trauriger Ereignisse überall auf der Welt, insbesondere in der islamischen Welt. Eine schmerzliche Wunde der Menschheit ist Palästina. Als ob die Unterdrückung der 1,5 Millionen Menschen in Gaza nicht ausreichen würde, werden ihre Häuser infolge der jüngsten Bombardierung durch Israel dem Erdboden gleichgemacht. Ohne Rücksicht auf Zivilisten, Frauen und Kinder werden Menschen beliebig getötet. Zu dieser Tyrannei, die kein Recht, keine Regeln und kein Maß kennt, schweigt die Welt ein weiteres Mal. Und außer einiger weniger Ausnahmen ist es in der islamischen Welt nicht anders.

Verehrte Muslime,

in dem seit langem anhaltenden Bürgerkrieg in Syrien sterben täglich viele Menschen oder sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Wenn nicht sofort Maßnahmen getroffen werden, ist das Leben aller Menschen in der Region gefährdet. In einem Koranvers heißt es: „Und hütet euch vor der Versuchung zum Bösen, die nicht ausschließlich nur die unter euch trifft, die Unrechtes tun, und wisset, dass Allah streng im Strafen ist.“ [1]

Liebe Geschwister,

leider gibt es noch viele andere Krisenherde. Da wäre Ostturkestan, wo Muslime unterdrückt werden und es ihnen nicht einmal möglich ist, ihre religiöse Identität zu bewahren. Oder Zentralafrika, wo mit größter Brutalität Tausende unserer Geschwister getötet werden. All das erinnert uns wieder und wieder an folgenden Koranvers: „Die Gläubigen sind Geschwister. Darum stiftet unter euren Geschwistern Frieden. Und seid gottesfürchtig, damit ihr Barmherzigkeit findet.“[2]  

Verehrte Muslime,

als Muslime in Europa müssen wir uns unserer Verantwortung erneut bewusst werden. Unsere erste Aufgabe ist es, unsere Stimme gegen jede Art von Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu erheben – egal, von wem sie ausgeht und gegen wen sie richtet. Wir müssen ebenso unsere Geschwister hierauf hinweisen und sie zum Guten aufrufen. Wir dürfen unseren Geschwistern, die in eine Zwangslage geraten sind, unsere geistige und materielle Unterstützung nicht vorenthalten.

Wir sollten wissen, dass unser größter Beitrag der ist, dass wir eine starke Gemeinschaft bilden. So sehr unsere Familien, unser Vermögen, unsere Kinder und die Gesellschaft, in der wir leben, eine Prüfung für uns sind, so sehr stellen sie auch eine Chance für uns. Daher sollten wir hier in Europa trotz aller Ungerechtigkeit und des Drucks, eine angesehen islamische Gemeinschaft sein, der man Gehör schenkt – und inschallah auf diese Weise auch ein Beispiel für die Umma.

Verehrte Muslime,

die Nacht am 23. auf den 24. Juli ist die Kadr-Nacht. Diese Nacht ist für unserer Gemeinschaft zugleich die Nacht der Solidarität mit den Unterdrückten und Bedürftigen. Folglich werden wir, als ein Zeugnis unserer Dankbarkeit gegenüber unserem Herrn, auch an die bedürftigen Menschen denken, die aufgrund von Not und Tyrannei nicht einmal die gesegnete Kadr-Nacht gebührend verbringen können. Auf diese Weise werden wir inschallah am Segen der Kadr-Nacht Anteil haben.


[1] Sure Anfâl, 8:25

[2] Sure Hucurât, 49:10