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Hutba: „Glaube in außergewöhnlichen Zeiten“

02. Oktober 2020 Tasbih Grün Schwarz
Tasbih Grün Schwarz

Verehrte Muslime!

Seit ungefähr 10 Monaten beschäftigt uns das Coronavirus. Wegen der Pandemie und der Vorsichtsmaßnahmen mussten Geschäfte schließen. Familien, Verwandte und Freunde konnten sich lange Zeit nicht besuchen. Konferenzen und Veranstaltungen wurden abgesagt. Auch wir Muslime haben Maßnahmen ergriffen und zunächst die Gemeinschaftsgebete in unseren Moscheen ausgesetzt. Zum Glück können wir inzwischen, wenn auch mit den notwendigen Vorkehrungen, wieder gemeinsam in den Moscheen zusammenkommen.

Die Vorkehrungen, die wir in unseren Moscheen getroffen haben, zeigen, wie Muslime mit Einschränkungen umgehen. Ähnliche Maßnahmen wie heute hatte unser Prophet ﷺ zu Lebzeiten schon getroffen. Das erfahren wir z. B. aus folgender Überlieferung: Einmal rief Abullah bin Umar (r) an einem kalten und windigen Abend den Azan aus und fügte am Ende die Worte hinzu: „Verrichtet euer Gebet da, wo ihr euch befindet (also Zuhause).“ Als sich die Muslime wunderten, erklärte er: „Der Gesandte Allahs befahl dem Muezzin, an kalten und regnerischen Tagen zu sagen: „Verrichtet eure Gebete in euren Häusern‘.[1]

Liebe Geschwister!

Dass wir Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben, unsere Moscheen geschlossen blieben und keinerlei Besuche machten, hat eine Grundlage seinen Grund in unserer Religion. Ähnlich gingen auch unser Prophet, seine Gefährten und die großen Gelehrten vor. Es liegt in unserer Verantwortung, Vorkehrungen für weltliche Angelegenheiten zu treffen. Wir vertrauen auf Allah, sind ihm dankbar und geduldig, handeln gleichzeitig aber auch vorausschauend und vorbeugend.

Verehrte Muslime!

Ein Mann fragte einmal unseren Propheten ﷺ: „O Gesandter Allahs, soll ich mein Kamel anbinden und dann auf Allah vertrauen oder soll ich auf Allah vertrauen, ohne dass ich mein Kamel anbinde?“ Der Gesandte Allahs antwortete: „Binde es zuerst an und vertraue dann auf Allah!“[2]
Abû Huzâma berichtete, dass sein Vater den Propheten ﷺ fragte: „O Gesandter Allahs! Können unsere Bittgebete um Heilung die Medikamente, die wir zur Behandlung (von Krankheiten) einnehmen und Vorsichtsmaßnahmen, die wir treffen, Allahs Bestimmung zurückdrängen?“ Unser Prophet antwortete: „Sie sind auch die Bestimmung Allahs.“[3]

Liebe Geschwister!

In einem Koranvers heißt es: „Gewiss, wir werden euch mit Furcht prüfen sowie mit Hunger und Verlust an Besitz und Menschenleben und Früchten; doch verkünde den Standhaften Heil.“[4] Demnach sollte ein Muslim geduldig sein und nicht in Panik ausbrechen. Er sollte Vorkehrungen treffen, Vorsichtsmaßnahmen einhalten und Hilfestellung leisten. In diesem Sinne sei allen gedankt, die an den zahlreichen Hilfsaktionen mitgewirkt haben. Jede Hilfe, seien es selbstgenähte Masken, die verteilt wurden, oder die Unterstützung und Motivation von Gesundheitspersonal waren die richtige Antwort auf diese schwierige Zeit. Möge Allah mit allen zufrieden sein.

Verehrte Muslime!

All diese guten Taten passen zu der folgenden frohen Botschaft unseres Propheten: „Wie bewundernswert ist doch die Angelegenheit des Gläubigen! All seine Angelegenheiten sind gut für ihn. Das steht niemandem außer dem Gläubigen zu. Wenn ihn etwas Erfreuliches trifft und er Allah dankt, dann ist das gut für ihn. Und wenn ihn etwas Unangenehmes trifft und er geduldig ist, dann ist das auch gut für ihn.[5]

Wir wissen, dass Allah uns nach dem bewerten wird, was wir tun und zu leisten vermögen, und nach unserer Niyya. Unser Prophet sagte: „Wahrer Reichtum ist nicht Reichtum an Vermögen, sondern wahrer Reichtum ist im Herzen.“[6] Wir handeln nach diesem Prinzip und Allah gewährt uns Baraka und Stärke, um gegen Schwierigkeiten ankämpfen zu können.

Passend zu der schwierigen Zeit, die wir durchleben, wird morgen, am 3. Oktober, der Tag der offenen Moschee stattfinden. Das Motto lautet: „Glaube in außergewöhnlichen Zeiten“. Ziel ist es, über den Islam zu informieren und das Gemeindeleben, vor allem in Zeiten der Pandemie, vorzustellen.

Möge Allah uns zu jenen zählen, die trotz aller Schwierigkeiten zu jenen gehören, die den Islam am besten aus- und vorleben. Âmîn
[1] Muslim, Salât al-Misafir, 3, Hadith Nr. 1488
[2] Tirmizî, Sifât al-Kiyâma, 60, Hadith Nr. 2517
[3] Tirmizî, Tib, 21, Hadith Nr. 2065
[4] Sure Bakara, 2:155
[5] Muslim, Zuhd, 64, Hadith Nr. 7500
[6] Buhârî, Rikâk, 15

Hutba-Glaube in außergewöhnlichen Zeiten

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