Freitagspredigt

Glauben und leben

06. März 2015

Verehrte Muslime!
In unserer heutigen Hutba widmen wir uns der Notwendigkeit, so zu leben wie es unser Îmân (Glaube) erfordert.

Liebe Geschwister!
Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Wenn jemand nicht lebt wie er glaubt, wird er bald glauben wie er lebt.“ Es lohnt sich, einen Moment über diesen Satz nachzudenken. Tatsächlich ist es so, dass die Spiritualität eines Menschen, der nicht so lebt wie es seinen Glaubensüberzeugungen entspricht, mit der Zeit schwächer wird. Schlimmer noch: Es kann sogar dazu kommen, dass er beginnt, dieses Leben als erstrebenswert anzusehen. Dabei sollte ein Gläubiger seine Glaubensgrundsätze ins Zentrum seines Lebens rücken und es nach seinem Îmân ausrichtet.

Zu einer solchen Lebensweise gehört, dass man die Dinge, die man sagt, auch in die Tat umsetzt. Hierauf wird in den ersten Versen der Sure Saf hingewiesen: „O ihr, die ihr glaubt! Warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Große Abscheu erzeugt es bei Allah, dass ihr sagt, was ihr nicht tut!“[1] Zu den Gläubigen zählt, wer an die Existenz und Einzigkeit Allahs sowie seine Propheten, Engel und Bücher glaubt. Ein Gläubiger ist, wer an das von Allah Herabgesandte glaubt und einen festen Glauben an ein Leben im Jenseits besitzt. Der Gläubige ist jemand, der mit seinem Herzen bestätigt, dass Allah der Allwissende über alles kundig ist und ohne seinen Willen nichts existieren kann. Schlussendlich ist ein Gläubiger derjenige, der all diese Glaubensgrundsätze mit seinem Herzen, dem Zentrum des Glaubens, bestätigt, und sich dann seinem Herrn, dem „Mâlik al-Mulk“ (Besitzer aller Dinge), hingibt. Er ist nicht einer, der über seinen Glauben spricht, sondern einer, der das lebt, woran er glaubt.

Verehrte Muslime!
An Allah zu glauben, sich ihm zuzuwenden, heißt, ihm vor allem anderen Priorität zu geben, ihn ins Zentrum seines Lebens zu rücken, das Leben auf dem von ihm vorgezeichneten Weg zu etwas Wertvollem werden zu lassen. Dies ist für einen wahren Glauben notwendig.

Die Zeichen des Glaubens beruhen auf Handlungen. Zwar ist es nicht richtig, jemanden, der nicht so handelt wie er glaubt, seinen Glauben abzusprechen. Aber nicht so zu leben wie man glaubt, ist ein Anzeichen für einen schwachen Îmân, gleich einer Flamme, die kurz vor dem Erlöschen ist.

Niemand sollte sich damit begnügen, zu sagen, er glaube, sondern auch danach handeln. Andernfalls wird er nicht vermeiden können, angesichts der Frage: „O ihr, die ihr glaubt! Warum sagt ihr, was ihr nicht tut?“[2] in Verlegenheit zu geraten. Zu sagen, zu reden und zu diskutieren, ohne zu handeln, wird dazu führen, dass Allah unzufrieden mit uns wird.

Liebe Geschwister!
Die Schwäche in unseren Handlungen bedeutet aber nicht, dass wir den Glauben auf die leichte Schulter nehmen. Folglich ist es nicht möglich, Menschen, die nicht gemäß ihrem Glauben leben, weil sie willensschwach sind, aus der Religion auszuschließen. Denn auch sie glauben fest daran, dass jene Aufgaben, die sie nicht zu erfüllen vermögen, Befehle Allahs sind, und sie nehmen diese ernst. Wer aber die Religion auf die leichte Schulter nimmt oder die göttlichen Befehle willkürlich verdreht, kann in den gleichen Zustand geraten, wie jene, die die Religion verleugnen.

Möge Allah uns zu denjenigen seiner Geschöpfe zählen, die aufrichtig sind, die sich vor allem anderen um ihre Religion sorgen und sie zum Zentrum ihres Lebens machen, jene, die wahrhaft glauben und stets gute Dinge anstreben. Âmîn.

[1] Sure Saf, 61:2-3
[2] Sure Saf, 61:2

pdf Hutba: Glauben und leben

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