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Hutba: Gute Taten brauchen aufrichtige Absichten

06. Februar 2019 Takka Tasbih Holz
Takka Tasbih Holz

Verehrte Geschwister!

Wir Muslime sind wie Reisende, und unser Ziel ist das Paradies. Deshalb bemühen wir uns tagtäglich, die religiösen Gebote und Verbote einzuhalten. Wenn unsere Pflichten zur Routine werden, verlieren wir schnell aus den Augen, dass der eigentliche Sinn unserer Ibâdas und Taten die Zufriedenheit Allahs ist. Im Koran heißt es: „(Er ist es,) Der Tod und Leben erschuf, um zu prüfen, wer von euch schönere Taten verrichtet. Und er ist der Erhabene, der Verzeihende.“[1]

Was ist die „schönste Tat“? Laut Fudayl Ibn Iyâz (r) ist damit die aufrichtige Tat gemeint, die um Allahs Willen ausgeführt wird und der Sunna entspricht. Taten ohne Aufrichtigkeit oder Wahrhaftigkeit werden nicht angenommen.[2] Der Sahâbi Ibn Masûd (r) sagte: „Ohne die Tat wird das Wort keinen Nutzen bringen. Und ohne die richtige Absicht gilt weder die Tat noch das Wort als nutzbringend. Das Wort, die Tat und die Absicht werden erst dann Nutzen haben, wenn sie der Sunna entsprechen.“[3]

Liebe Geschwister!

Wie wichtig die Absicht – also die Niyya – ist, erklärt unser Prophet ﷺ mit folgenden Worten: „Allah hat die guten und die schlechten Taten niedergeschrieben und sie dann erläutert: Wer etwas Gutes beabsichtigt und es nicht durchführen konnte, dem rechnet Allah dies bei sich als volle gute Tat.
Hat er es durchführen können, dann rechnet ihm Allah zehn gute Taten an, bis zum Siebenhundertfachen und bis zum Vielfachen (davon). Wer etwas Schlechtes beabsichtigt, es aber nicht durchgeführt hat, dem wird dies als vollendete gute Tat bei Allah angerechnet. Hat er diese schlechte Tat jedoch ausgeführt, so rechnet Allah ihm dies als eine einzige schlechte Tat an.“
[4] Diese Überlieferung ist eine große Motivation für uns. Denn jede noch so kleine Tat, die wir zu tun beabsichtigen, aber nicht durchführen konnten, wird uns gutgeschrieben. Und wenn Allah uns ermöglicht, die beabsichtigte Tat durchzuführen, werden wir gleich mehrfach dafür belohnt.

Verehrte Muslime!

Wenn wir von Sünden ablassen wollen, spielt unsere Absicht eine große Rolle. Doch wie können wir es schaffen, dem Nafs zu entfliehen und uns von allen Sünden fernzuhalten? Laut Imam Gazâlî bekommt man keine Belohnung dafür, wenn man ein Verbot nur aus weltlichen Gründen wie Furcht, Angst, Unfähigkeit oder Scham einhält. Denn dadurch hätte man nur eine Begierde einer anderen vorgezogen. Der einzige Vorteil, den man dadurch erlangt, ist, dass man zumindest keine Sünde aufgeschrieben bekommt. Belohnt wird jedoch nur der, der aus Gottesfurcht handelt oder mit derselben Absicht Sünden unterlässt.[5]

Liebe Geschwister!

Der größte Erfolg ist, vor dem Tod sagen zu können: „Alles, was ich im Leben getan habe, habe ich um Allahs Willen getan.“ Mögen wir zu denjenigen gehören, die den Ihlâs verinnerlichen und deren Taten angenommen werden. Âmîn.

[1] Sure Mulk, 67:2
[2] Vgl. Ibn al-Kayyim, Madâridschu as-Sâlikîn, 2013, S. 383
[3] Ibn Radschab, Dschâmi al-Ulûm wa al-Hikam, 2008, S. 40
[4] Buhârî, Rikâk, 31, Hadith Nr. 6491; Muslim, Îmân, 204
[5] Vgl. Gazâlî, Ihyâ Ulûm ad-Dîn, 2011, Bd. 5, S. 377

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