Freitagspredigt

Hutba: Hidschra – Migration als Herausforderung und Chance

29. September 2016

Verehrte Muslime!
Stellt euch vor, ihr müsst von einem Tag auf den anderen eure Heimat verlassen. Vielleicht werdet ihr nicht mehr zurückkehren, vielleicht werdet ihr eure Familie und Freunde für lange Zeit nicht mehr wiedersehen. Ihr seid nun in einer neuen, erst einmal fremden Umgebung. Genau so wie ihr euch dann fühlen würdet, fühlten sich die Muslime während der Hidschra von Mekka nach Medina – und genau so fühlen sich heute die vielen geflüchteten Menschen unter uns.

Liebe Geschwister!
In unserer Hutba möchten wir über die Hidschra und ihre Bedeutung für uns Muslime und die Gesellschaft sprechen. Morgen endet das Jahr 1437 der Hidschra, am Sonntag beginnt mit dem 1. Muharram das Jahr 1438. Dieser Tag ist wichtig für uns. Denn die Hidschra war nicht nur ein Wendepunkt für die junge muslimische Gemeinde in Mekka. Sie lehrt uns so vieles, das wir Muslime, aber auch die Gesellschaft beherzigen sollten.

Verehrte Muslime!
Die Hidschra war eine Herausforderungen, aber auch eine Chance. Eine Herausforderung war das Zusammenleben in der neu gegründeten Gemeinschaft. Denn die Muslime aus Mekka hatten ihr gesamtes Hab und Gut zurückgelassen und waren der Einladung ihrer medinensischen Geschwister gefolgt. Sie besaßen nichts außer ihren Îmân und ihre Liebe zum Propheten Muhammad (s). Die schwierige Situation war eine Prüfung für beide Seiten – und beide haben sie bestanden. In einem Koranvers heißt es: „Diejenigen, welche glaubten und ausgewandert sind und sich mit Gut und Blut auf Allahs Weg einsetzten und (dem Propheten) Herberge und Hilfe gewährten, sollen einer des anderen Freund sein.“[1]

Die Herzlichkeit und Freundschaft der Medinenser gegenüber den ausgewanderten Muslimen ist beispiellos. Die geschwisterliche Beziehung zwischen den Muhâdschirûn und den Ansâr faszinierte und inspirierte die Menschen schon immer. Dieser besondere Zusammenhalt könnte auch heute ein Ausgangspunkt für die Lösung aktueller Probleme sein. Sie könnte auf alle Menschen ausgedehnt und als ein Vorbild für die vielbesagte Willkommenskultur sein.

Liebe Geschwister!
Die Hidschra ist eine Chance auf einen Neubeginn. Das sehen wir etwa am Beispiel des Propheten Ibrâhîm (a). Dieser musste seine Heimat verlassen, weil er bedroht wurde. Später baute er zusammen mit seinem Sohn Ismâîl (a) die Kaaba wieder auf. Trotz der großen Strapazen und Schwierigkeiten haben sie der Menschheit etwas Gutes hinterlassen. Dasselbe gilt für andere Propheten wie Yûsûf (a), Mûsâ (a) und Îsâ (a).

Dem Beispiel dieser Propheten folgend sollten auch wir uns für das Gute einsetzen und der Gesellschaft – egal ob Muslim oder nicht – ein gutes Vorbild sein. In diesem Sinne ist der Tag der offenen Moschee am 3. Oktober ist eine gute Gelegenheit. An diesem Tag können wir mit unseren Nachbarn und Mitbürgern besprechen, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen könnte und was der Beitrag der Muslime dazu sein sollte.

Möge Allah uns Einsicht geben und zu jenen zählen, die den Geist der Hidschra verstanden und verinnerlicht haben!

[1]Sure Anfâl, 8:72

Hutba-Hidschra – Migration als Herausforderung und Chance

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