Freitagspredigt

Hutba: Hindernisse der Familiengründung

31. Mai 2013

Verehrte Muslime,

in einem Koranvers heißt es: „Zu seinen Zeichen gehört auch, dass er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“ (Sure Rûm, 30:21) Gemäß diesem Vers hat Allah die Frau und den Mann als Partner füreinander erschaffen, damit sie ihr Leben gemeinsam als Familie führen können. Die Gründung einer Familie wird jedoch immer schwieriger. Wir alle können in unserem Umfeld beobachten, dass das Heiratsalter steigt. Dafür gibt es viele Ursachen.

Liebe Geschwister,

eine der Ursachen, warum junge Männer und Frauen im Vergleich zu früher immer später heiraten, ist die übertriebene Vereinnahmung der Kinder durch ihre Eltern. Die Eltern glauben, dass sie durch ihre übertriebene Fürsorge das Beste für ihre Kinder erreichen können. Jedoch führt das bei den Jugendlichen oft zur Abhängigkeit von den Eltern, Schutzbedürftigkeit und Unsicherheit. Am Ende sehen sie sich nicht in der Lage, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Zu hohe Erwartungen und übertrieben wählerisches Verhalten der Jugendlichen zählen ebenfalls zu den Gründen. Jeder von uns kennt junge Leute, die durch eine rosarote Brille auf das Familienleben blicken und unrealistische Träume in Bezug auf die Ehe haben. Die Suche nach der perfekten Beziehung führt manchmal zu großen Problemen. Außerdem flüchten Personen, die noch nie in ihrem Leben Verantwortung übernommen haben, vor der Ehe, weil sie die Ehe als eine Last betrachten. Zudem stellen finanzielle Aspekte und zu hohe materielle Erwartungen an die Familie des Partners ein Hindernis dar. Natürlich gibt es auch Jugendliche, die aufgrund von beruflichen Anforderungen, einfach nicht die Zeit finden, an ihr privates Glück zu denken. Diese Karrieremenschen neigen oft dazu, die Familiengründung zu verschieben.

Verehrte Muslime,

die Liste ist zweifellos lang. Allahs Empfehlung in Bezug auf die Ehe ist jedoch unmissverständlich. Im Koran heißt es: „Und verheiratet die Ledigen unter euch und eure Diener und Dienerinnen. Wenn sie arm sind, wird Allah sie aus seinem Überfluss reich machen; denn Allah ist großzügig und wissend.“ (Sure Nûr, 24:32) Auch unser Prophet betont in vielen Hadithen die Bedeutung der Ehe. So sollten wir unsere Kinder zu verantwortungsbewussten Menschen erziehen, und sie dazu ermutigen zu heiraten, wenn sie ein bestimmtes Alter und eine gewisse Reife erreicht haben. Zu unseren Aufgaben gehört es auch, ledigen Freunden und Verwandten materielle und emotionale Hilfe zu leisten. Wir müssen uns bewusst werden, dass wir nicht nur für unsere eigene Familie verantwortlich sind und müssen versuchen, unseren Geschwistern bei der Familiengründung zu helfen.

Denn vergessen wir nicht: Stabile Familien sind die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft. Anderen bei der  Familiengründung zu helfen, ist also ein wichtiger Beitrag zum Wohl der Gesellschaft. In einem Hadith unseres Propheten heißt es: „Hochachtung gebührt demjenigen, der der Gesellschaft dient.“ (Kanz al-Ummal, Bd. 6, 17517) 

Liebe Geschwister,

die Nacht vom kommenden Mittwoch auf den Donnerstag ist die Mirâdsch-Nacht. In dieser Nacht wurden uns das fünfmalige Gebet und einige besondere Verse geschenkt. Außerdem erreichte uns die frohe Botschaft, dass den Gläubigen, die Einsicht zeigen und ihre Fehler bereuen (Tawba), vergeben wird. Wir wünschen allen unseren Geschwistern eine gesegnete Mirâdsch-Nacht. Möge Allah unsere guten Taten annehmen und unsere Bittgebete erhören.

IGMG Irschadabteilung

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