Freitagspredigt

Im Diesseits für das Jenseits

15. März 2013

Verehrte Muslime,

„Dunyâ“ (das Diesseits) und „Âhira“ (das Jenseits) sind Teil einer einzelnen Lebenslinie. Das Diesseits ist vergänglich. Es ist ein Saatfeld für das Jenseits, das ohne Bemühung zu keiner Belohnung führen kann. Damit der Mensch seine Bemühungen unter Beweis stellen kann, braucht er einen Ort, an dem er geprüft wird. Dieser Ort ist die Welt, in der wir alle leben. Das diesseitige Leben ist wie Erde, die wir bebauen. Im jenseitigen Leben werden wir nur ernten können, was wir in dieser Welt gesät haben. Deshalb sollten wir auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Diesseits und Jenseits achten. Im Koran heißt es hierzu: „Und suche mit dem, was dir Allah gegeben hat, die künftige Wohnung, ohne deinen Anteil an dieser Welt zu vergessen. Und tue Gutes, so wie Allah dir Gutes tat, und stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Allah liebt nicht die, welche Unheil stiften!“ (Sure Kasas, 28:77)

Liebe Geschwister,

so hart, wie wir für das Diesseits arbeiten, sollten wir unsere Möglichkeiten nutzen, um uns auch für das Jenseits einzusetzen. Wir sollten in dem Bewusstsein leben, dass jede Bemühung im Diesseits unser Jenseits formt. Genauso wie es bei Yûsuf (a) war, können wir bei unseren Bemühungen für das Jenseits, auf Hindernisse stoßen. Menschen mit schlechten Absichten, unser Ego (Nafs), finanzielle Probleme, Armut, Einschränkungen und eine übermäßige Sorge um unseren Ruf können uns im Weg stehen. Doch selbst wenn das passieren sollte, sollten wir nach dem Vorbild des Propheten Yûsuf (a) jedes Hindernis zu beseitigen versuchen. Wir sollten nicht vergessen: Alles, was uns im Jenseits begegnen wird, sind unsere im Diesseits vorausgeschickten Taten. Unser Prophet hat das so beschrieben: „Wenn du ein Bäumchen zu pflanzen hast, pflanze es, selbst wenn du weißt, dass das Jüngste Gericht beginnt.“ (Ahmad bin Hanbal, Musnad, III, 191)

Deshalb sollten wir uns in unserem Alltag stets um ein ausgeglichenes Verhältnis von Diesseits und Jenseits bemühen. Wichtig dabei ist, dass wir darauf achten, die Welt als Mittel zu betrachten und nicht als eigentliches Ziel. Denn ein jenseitsloses Diesseits macht das Leben sinnlos. Das Diesseits an sich ist im Auge des Muslims nicht völlig bedeutungslos. Es ist einfach nur ein Übergang zum Jenseits.

Verehrte Muslime,

Mit Hinblick auf das jenseits ist es wichtig, dass wir unsere guten Taten auf dieser Welt mehren. Doch bei all unseren Sorgen und unserer Hektik im Leben dürfen wir eins nicht vergessen – und das ist das Wohlgefallen Allahs.

Die Zufriedenheit Allahs ist das einzige, was wir mit unseren Taten erstreben sollten. Wenn wir viele gute Taten verrichten, ohne dabei das Wohlgefallen Allahs anzustreben, heißt das, dass wir uns umsonst bemühen. Hierfür gibt es leider sehr viele Beispiele in der Geschichte.

Möge uns Allah an dem großen Tag des Jüngsten Gerichts, zu denen zählen, die sein Wohlgefallen erlangt haben. Möge er uns erleichtern, ein ausgewogenes Verhältnis von Diesseits und Jenseits herzustellen und gebe er im Diesseits und auch im Jenseits nur Gutes. Âmin!

IGMG Irschadabteilung

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