Freitagspredigt

Hutba – Islamische Kunst und Kultur

28. September 2012

Verehrte Muslime,

wir Muslime gehören einer Religion an, die seit dem Beginn der Menschheit den Glauben und die Hingabe an den einen Gott lehrt. Denn Islam bedeutet, sich immer wieder zu fragen, ob unser Handeln und Denken, also unser ganzes Leben, im Sinne Allahs ist. Diese Lebenseinstellung umfasst sowohl unser alltägliches Leben als auch unser Familien- und Arbeitsleben oder unsere Gottesdienste (Pl. Ibâdât). Sie umfasst aber auch unser Verständnis von Kunst und Kultur.

Die islamische Kultur hat ihren Ausgangspunkt im Koran und der Sunna unseres Propheten Muhammad (saw). Das Ziel, die Botschaft des Korans in bester Weise zu verstehen und die Weisheit des Propheten auch im alltäglichen Leben nachzuahmen, sind der Ausgangspunkt dieser Kultur. Das zeigt uns folgende Erzählung: Einst saßen drei Männer beieinander uns diskutierten über Fragen der Astronomie. Jemand, der die Diskussion aus der Ferne beobachtete, ging zu ihnen und fragte sie, worüber sie den sprechen würden. Einer der Männer antwortete: „Wir betreiben Koranexegese.“

Liebe Geschwister,

kaum jemand wird heute an Kunst, Kultur oder Wissenschaft denken, wenn es um Islam, Muslime und Moscheen geht. Dabei birgt die Geschichte des Islams viele Reichtümer in diesen Bereichen, die sich teilweise in und um die Moscheen entwickelt haben und Einfluss auf unser aller Leben haben.

Ausgehend von der Botschaft und Inspiration des Korans und der Sunna haben muslimische Gelehrte das Wissen ihrer Zeit gesammelt, es weiterentwickelt und an die Nachwelt weitergegeben. Sie haben künstlerische, kulturelle und wissenschaftliche Erkenntnisse nicht als die ihrigen behandelt. Vielmehr sollten diese Errungenschaften als Erbe der Menschheit angesehen werden. Dasselbe gilt für die islamische Kunst, Kultur und Wissenschaft, in deren Rahmen sich Architektur, Medizin, Mathematik, Chemie, Astronomie, Geschichte, Soziologie, Literatur, Musik und Kalligrafie entwickelt haben.

In diesem Sinne lautet das diesjährige Motto des Tages der offenen Moschee am 3. Oktober in ganz Deutschland: „Islamische Kunst und Kultur“. Unser Ziel ist es, auf das Potenzial der islamischen Kunst, Kultur und Wissenschaft aufmerksam zu machen. Zudem möchten wir dafür werben, Projekte im Bereich der Kunst und Kultur zu fördern und selbst zu initiieren. Denn unseren Moscheen kommt ein hoher Stellenwert zu, da sie als Basis, Sammelbecken und Umsetzungsort von zahlreichen Elementen islamischer Kunst und Kultur gelten können.

Verehrte Muslime,

unsere Aufgabe am Tag der offenen Moschee – und nicht nur an diesem Tag –

ist es deshalb, den Reichtum der islamischen Kultur in bester Weise zu vermitteln. Davon erhoffen wir uns, dass dieser Reichtum auch in Europa als solcher erkannt und anerkannt wird.

IGMG Irschadabteilung

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