Freitagspredigt

Hutba: Islamische Theologie in Europa

25. Januar 2013

Verehrte Muslime,

Allah hat uns Menschen den Islam durch unseren Propheten Muhammad (saw) vermittelt. Die Prophetengefährten lernten ihn vom Gesandten Allahs und gaben ihr Wissen an die Generationen nach ihnen weiter. In diesem Zusammenhang spielte auch die Suffa-Schule eine wichtige Rolle. Nach dem Versterben unseres Propheten und seiner Gefährten entwickelten sich verschiedene Wissenschaftszweige, die alle einem besseren Verständnis des Islams dienten. Exegese (Tafsîr), Überlieferung (Hadith), Rechtswissenschaft (Fikh) und Theologie (Kalâm) sind einige dieser Zweige.

Die Muslime legten großen Wert darauf, dass Menschen in diesen Fachbereichen gut ausgebildet wurden und gründeten dazu Medressen. „Wem Allah Gutes will, dem gibt er ein tiefes Verständnis in der Religion.“ (Buchârî, Ilm, 13) Diesem und ähnlichen Aussprüchen des Gesandten Allahs entsprang die Motivation, viele muslimische Gelehrte auszubilden und den Menschen Wissen in religiösen Angelegenheiten zu vermitteln.

Liebe Geschwister,

an einigen Universitäten Europas gibt es inzwischen eine universitäre religiöse Ausbildung in der jeweiligen Landessprache. Die Studiengänge und Fakultäten werden mehr und mehr ausgebaut. Es wird viel Arbeit in diese Projekte investiert, Institute und theologische Studiengänge werden eingerichtet. Studierende eignen sich hier Kenntnisse über die Quellen des Islams sowie die Methodik islamischer Wissenschaften an. Zudem sollen sie lernen, mit der gesellschaftlichen Realität und Dynamik umzugehen.

Diese Entwicklung ist an sich sehr erfreulich, muss aber gleichzeitig aufmerksam begleitet werden. An diesen Fakultäten werden nämlich die Theologen, Imame und Religionslehrer von morgen ausgebildet. Deshalb sollten wir unsere jungen Geschwister, die diese Fächer studieren möchten, begleiten. Damit würden wir dafür sorgen, dass den Bedürfnissen der Muslime in Europa in geeigneter Weise nachgekommen wird. Hierfür ist es notwendig, dass sich diese jungen Menschen in den traditionellen Wissenschaften auszukennen, die sich nach der Zeit der Prophetengefährten bis heute entwickelt haben. Ohne diese Grundlagen ist es weder möglich islamische Theologie zu verstehen noch den Bedürfnissen der Muslime gerecht zu werden. Deswegen hat sich unsere Gemeinschaft zum Ziel gesetzt, durch besondere Angebote in Studenten-heimen und Bildungskursen diese Lücke zu füllen.

Verehrte Muslime,   

als Muslime sollten wir die Vermittlung religiösen Grundlagenwissens unterstützen. Außerdem müssen wir als Muslime in Europa, unser religiöses Leben aufbauend auf den Erfahrungen der Vergangenheit gestalten  Etwas anderes darf von uns nicht verlangt werden. Wir müssen ein Religionsverständnis entwickeln, dass durch Koran und Sunna bestimmt ist und unser Leben dement-sprechend ausrichten. Wir müssen den Islam mit der Sprache von heute lehren, um ein Morgen im Lichte des Korans und der Sunna zu ermöglichen.

Die Pflicht, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten, ist vor allem Aufgabe derer, die ein vertieftes Wissen in den islamischen Wissenschaften besitzen. Wir möchten mit einem Koranvers abschließen: Die sich Bekehrenden, die (Allah) Dienenden, die Lobpreisenden, die Fastenden, die sich Beugenden, die sich Niederwerfenden, die das Rechte Gebietenden und das Unrechte Verbietenden, die Allahs Gebote Beobach-tenden; verkünde den Gläubigen Heil!(Sure Tawba, 9:112)

IGMG Irschadabteilung

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