Freitagspredigt

Hutba – Itikâf: Nachdenken im Ramadan

03. August 2012

Verehrte Muslime,

das Wort Itikâf bedeutet so viel wie „an einem Ort verweilen“ und „sich an einen Ort zurückziehen“. Bevor der Gesandte Allahs die erste Offenbarung erhielt, zog er sich regelmäßig in die Höhle Hira zurück, um sich tiefgründige Gedanken über das Leben zu machen. Er zog sich also schon vor der Herabsendung des ersten Koranverses zurück, um in sich zu gehen. Heute verstehen die meisten Menschen unter dem Wort Itikâf, das Verweilen in der Moschee gegen Ende des Monats Ramadan, mit der Absicht sich ganz allein dem Schöpfer zu widmen.

Durch den Itikâf vertraut der Muslim sich ganz Allah an und hält sich von allen Dingen fern, die seiner Beziehung zu Allah schaden könnten. Also kapselt man sich für kurze Zeit ab, um sich von seinen alltäglichen Gewohnheiten zu befreien und zu erholen. Da der Prophet sich selbst auch vor der Erhaltung der Offenbarung zurückzog, wird uns bewusst, wie wertvoll und wichtig dieser Gottesdienst (Ibâda) ist. Allah hat Muhammad (saw) durch die Itikâf geistig auf die Offenbarung vorbereitet.

Verehrte Geschwister,

unsere Religion sieht es nicht vor, dass der Gläubige sein Leben in Enthaltsamkeit verbringt, den Kontakt zu den Menschen abbricht und seinen Tag ausschließlich mit Gottesdiensten (Pl. Ibâdât) verbringt. Sie befürwortet diese Lebensweise auch nicht. Aber der Islam empfiehlt den Muslimen, sich wenigstens einmal im Jahr an den letzten zehn Tagen im Ramadan zurückzuziehen. Um auf diese Weise eine Zeit lang allein zu sein, tief nachzudenken, sich über die eigenen guten und schlechten Seiten bewusst zu werden, Fehler zu verbessern und sich lediglich dem Schöpfer zu widmen.

Heute ist es ein Segen, freie Zeit für sich selbst zu finden und daher ist Itikâf eine gute Möglichkeit, um unsere geistig-spirituelle Welt zu stärken. Aischa (ra), die Frau unseres Propheten sagte: „Der Gesandte Allahs war im Ramadan im Gegensatz zu den anderen Monaten noch viel bestrebter. Vor allem in den letzten zehn Tagen des Ramadan. In diesen zehn Tagen verbrachte er die Nächte mit Gottesdiensten und weckte hierfür auch seine Familie auf.“ (Buchârî, Fadlu Laylati’l-Kadr, 5) Aischa (ra) beschrieb den Propheten, um die Wichtigkeit der Itikâf hervorzuheben, auf folgende Weise: „Der Gesandte Allahs zog sich bis zu seinem Tod in den letzten Tagen im Ramadan zurück. Nach seinem Tod führten seine Ehefrauen diesen Gottesdienst weiter.“ (Buchârî, Itikâf, 1) Diese Hadithe zeigen uns, dass die eine sehr wichtige und wertvolle Sunna ist, da unser Prophet Muhammad (saw) den Itikâf stets in den letzten zehn Tagen im Ramadan durchführte und sogar seine Familie in diesen Nächten aufweckte. Dementsprechend sollte jeder Muslim, soweit er die Möglichkeit dazu hat, zusammen mit seiner Familie nach dem Vorbild des Propheten (saw) sich in den letzten Tagen im Ramadan vermehrt den Gottesdiensten (Pl. Ibâdâ) widmen.

Verehrte Muslime,

Allah möge allen Muslimen, die dem Ruf des Propheten (as): „Wer mit mir die Itikâf durchführen möchte, der möge dies in den letzten zehn Tagen im Ramadan tun.“ (Buchârî, Fathu’l-Bârî, 4/271), folgen möchten, diese Zeit erleichtern. Unser Herr möge unsere Absichten und Gottesdienste (Pl. Ibâdât) annehmen und uns das Ramadanfest erreichen lassen.

IGMG-Irschadabteilung 

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