Freitagspredigt

Kinder sind eine Prüfung

06. Februar 2015

Verehrte Muslime!
Kinder sind eine Gnade Allahs. Allah hat uns zur Pflicht gemacht, unsere Nachkommenschaft zu beschützen und sie im Glauben an den einzigen Gott zu erziehen. Der Glaube an den einzigen Gott muss den Kindern vor allem anderen vermittelt werden. Unsere Kinder sollten die Eigenschaften Allahs kennen und begreifen, dass er weder Partner noch Helfer bedarf. Die Menschen folgen seinen Ge- und Verboten. Dies sollte einem Kind altersgerecht vermittelt werden. Es wird überliefert, dass unser geliebter Prophet einem Kind aus seinem Verwandtenkreis, sobald es anfing zu sprechen, zuallererst den Tawhîd lehrte.

Im Zusammenhang mit dem Tawhîd muss auch auf die Falschheit des Schirk hingewiesen werden. Im Koran heißt es: „Da sagte Lukmân zu seinem Sohn, ihn ermahnend: »O mein Sohn! Setze Allah keine Gefährten zur Seite. Siehe, Vielgötterei ist ein gewaltiger Frevel.«[1] Auch Nûh (a) hatte sein Volk zum Glauben an Allah eingeladen. Diejenigen, die sich zum Glauben bekannten, nahm er mit auf sein Schiff, damit sie vor der Flut gerettet würden. Auch seinen leiblichen Sohn hatte er aufgerufen, an Allah zu glauben, dieser aber weigerte sich und stieg nicht auf das Schiff. So stürzte er sich selbst ins Verderben. Als Zeichen seiner väterlichen Barmherzigkeit betete Nûh (a): „O Herr! Mein Sohn gehörte doch zu meiner Familie!“ Und Allah sprach: „O Nûh! Er gehörte doch nicht zu deiner Familie; denn sein Benehmen war unrecht.“[2] Blutsverwandtschaft allein ist also nicht ausreichend, um das Kind des Vaters zu sein. Worauf es ankommt, ist ein Muslim zu sein, das heißt, die Erziehung und die Glaubensgrund-sätze (Akîda) eines Vaters, der sich Allah ergeben hat, anzuerkennen.

Liebe Geschwister!
Viele Menschen denken, Kinder zu haben, sei ein Grund zum Stolz oder zur Anerkennung durch die Gesellschaft. Doch wenn die Eltern ihren Kindern keine islamische Erziehung zukommen lassen, machen sie sie regelrecht zu ihren Gegnern. Ein Koranvers besagt: „Unter euren Gattinnen und Kindern gibt es welche, die euch feindlich gesinnt sind. So hütet euch vor ihnen.“[3]

Kinder sind eine Prüfung, so wie Besitz und Vermögen. Die übermäßige Liebe zu ihnen kann den Menschen manchmal von der Gerechtigkeit entfernen und ihn dazu verleiten, Grenzen zu überschreiten und Unrecht zu tun. Im Koran heißt es: „Und wisset, dass euer Besitz und eure Kinder nur eine Versuchung sind, aber gewaltiger Lohn bei Allah ist.“[4] Ein Hadith besagt, die gute Erziehung sei das wichtigste Erbe, das Eltern ihren Kindern hinterlassen können. Ein gut erzogenes Kind ist für seine Eltern ein Grund für deren Glück im Jenseits.

So wie man der geistigen Erziehung der Kinder Bedeutung beimisst, so ist es auch notwendig, ihnen das Wissen der Zeit zu vermitteln, und ihnen die Wege erlaubten Verdienstes zu lehren. Der Islam empfiehlt den Gläubigen, die Kinder gemäß ihrer Talente und Fähigkeiten zu fördern. Wenn Eltern bei ihrem Kind eine gute Auffassungsgabe, eine gesunde Wahrnehmung und ein gutes Gedächtnis feststellen, sollte das Kind so gefördert werden, dass es den Weg der Wissenschaft einschlägt. Denn diese Eigenschaften sind eine gute Grundlage dafür. Wenn sie beim Kind die Neigung zu einem anderen Beruf beobachten, ist es angemessen, das Kind auf diesem Gebiet zu fördern.

Liebe Geschwister!
In dieser Welt werden wir mit Besitz und Vermögen, Lebenspartnern und Kindern einer Prüfung unterzogen. Gott möge uns allen das Glück schenken, unsere Prüfung zu bestehen.

[1] Sure Lukmân, 31:13
[2] Sure Hûd, 11:45-46
[3] Sure Tagâbun, 64:14
[4] Sure Anfâl, 8:28

pdf: Hutba: Kinder sind eine Prüfung

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