Freitagspredigt

Hutba – Maßvolles Handeln in der Religion

31. August 2012

Verehrte Muslime,

der Islam verlangt von den Muslimen, in allen Bereichen ihres Lebens maßvoll zu handeln. Das heißt: In der Religion, also in den Dingen, die den Glauben (İmân) und den Gottesdienst (Ibâda) betreffen, muss man ausgewogen handeln. Folglich sollte der Muslim bei Themen des Glaubens keine Spitzfindigkeit an den Tag legen, und auch den Gottesdienst nicht so verrichten, dass er sich dabei völlig aus dem Leben zurückzieht. Er sollte vielmehr versuchen,  zwischen Glauben, Gottesdienst und täglichem Leben eine Gleichgewicht herzustellen, und nicht in Maßlosigkeit verfallen. Denn Allah lehrt uns, dass Gläubige sich von Übertreibungen zurückhalten und einen Mittelweg einschlagen sollen. Im Koran heißt es: Und (es sind) diejenigen (Gläubigen), welche beim Spenden weder verschwenderisch noch geizig sind, sondern die richtige Mitte dazwischen einhalten.“ (Sure Furkân, [25:67]) Auf die Frage, welches der beste Gottesdienst sei, antwortete unser Prophet (saw): „Es ist derjenige, der beständig ist, wenn auch nur wenig.“ (Buchârî, Libas, 43, 5861)

Wenn das so ist, liebe Geschwister,

was müssten wir dann tun, um in der Religion nicht zu übertreiben? Nun, zunächst müssten wir versuchen, eine  Ausgewogenheit zwischen dem Diesseits (Dunya) und dem Jenseits (Âchira) herzustellen. Der Koran macht darauf aufmerksam, dass das Leben kurz, vergänglich, trügerisch ist und deshalb sein Wert fraglich ist. Letztlich kommt das Diesseits einem Spiel und einer Ablenkung gleich. Aber das Diesseits ist nicht schlecht an sich. Falsch ist es, so zu leben, als gebe es nur das Diesseits. Unser Maßstab diesbezüglich sollte sich an folgendem Bittgebet unseres Propheten (saw) orientieren. Er sagte: „“¦ Unser Herr, gib uns Gutes im Diesseits und im Jenseits„¦“ (Sure Bakara, [2:201])

Die Übertreibung in der Religion ist auch ein Zeichen für die Unausgewogenheit im Denken und Handeln. Unser Prophet (saw) hat uns empfohlen, in unserem Denken und Handeln ausgewogen zu sein. Er hat uns davor gewarnt, die Religion in unserem Leben unpraktizierbar zu machen. Denn, wie in dem Vers „“¦ Allah wünscht, es euch leicht – und nicht schwer zu machen „¦“ (Sure Bakara, [2:185]) geboten wird, ist die Religion dazu da, dem Leben der Menschen eine Orientierung zu geben. Die Religion soll uns zeigen, wie man ein Leben führt, das die Zustimmung Allahs erfährt. So sagte unser Prophet (saw): „Macht es leicht und erschwert nicht, bringt frohe Kunde und erschreckt nicht.“ (Buchâri, Ilm, 12) Daher sollten wir Wege finden, das sowohl wir selbst als auch die Menschen um uns herum es lieben lernen, die Religion zu praktizieren.

Verehrte Muslime,

im Sinne dieser Worte unseres Propheten (saw) ist es notwendig, dass wir sowohl unsere Gottesdienste als auch unser alltägliches Leben von Neuem ordnen. Wir sollten bestrebt sein, uns in der Gesellschaft, in der Familie, am Arbeitsplatz, in Schule und Universität angemessen zu verhalten. Auf diese Weise werden wir – inschâallah – zu denjenigen gehören, die mit ihrem Leben das Wohlwollen Allahs erlangt haben werden. Denn es gilt, was der Gesandte Allahs (saw) gesagt hat: „Religion ist Erleichterung. Wer versucht, die Religion zu übertreffen, der wird ihr unterliegen. Also wählt den Mittelweg. Versucht, euer Bestes zu tun, dann gelte frohe Kunde für euch.“ (Buchâri, İmân, 29)

IGMG-Irschadabteilung