Freitagspredigt

Hutba: Muslime unterstützen einander

16. August 2013

Verehrte Muslime,

Muslime dürfen die Ereignissen in ihrer Umgebung nicht unbeachtet lassen. Allein schon ihr Glaube ruft sie dazu auf, sich einzumischen. Deshalb helfen sie den Bedürftigen, lindern das Leid der Kranken, helfen in Notsituationen und rufen alle anderen Menschen zur Unterstützung auf. Wenn sie Ungerechtigkeiten erkennen, aber nichts dagegen unternehmen können, so sehen sie sich zumindest in der Lage, die Ungerechtigkeit anzuprangern, für die Unterdrückten zu beten und die Ungerechten der Gerechtigkeit Allahs zu überlassen. Unser Prophet sagte: „Wer von euch etwas Schlechtem begegnet, der soll es mit seiner Hand richten. Falls er keine Kraft dafür aufbringen kann, dann soll er es mit seiner Zunge richten. Und wenn er auch das nicht kann, dann soll er es im Herzen verabscheuen. Und das ist die schwächste Stufe des Glaubens.“ (Muslim, İmân, 78)

Liebe Geschwister,

das ägyptische Volk hat zum ersten Mal in seiner Geschichte in demokratischen Wahlen einen Präsidenten gewählt. Dieser wurde jedoch durch einen Putsch seines Amtes enthoben. Nun werden unsere Geschwister, die völlig friedlich gegen diese Ungerechtigkeit protestieren, ohne Rücksicht auf Kinder und Frauen, getötet. Der Wille des ägyptischen Volkes, ja sein Recht auf ein unversehrtes Leben werden dem Machtwillen geopfert. Die Ereignisse der letzten Tage, die immer noch anhalten, bereiten uns große Sorgen. Die Menschen, die getötet werden, sind unsere Geschwister; wir trauern aus tiefstem Herzen um sie und teilen das Leid der Hinterbliebenen. Dies ist ein Erfordernis der Geschwisterlichkeit. Denn unser Prophet sagte: „Die Gläubigen sind wie die Organe eines Körpers – in der Liebe, dem Erbarmen und der Barmherzigkeit, die sie gegeneinander zeigen. Wenn ein Organ erkrankt, sind die anderen auch davon betroffen.“ (Buhârî, Adab, 27) 

Verehrte Muslime,

am Mittwoch haben jene, die sich kein bisschen um die gerechtfertigten Forderungen des Volkes kümmern, ein Massaker angerichtet. Nach diesem Massaker am eigenen Volk dürfte nun deutlich geworden sein, dass die Armee das Land nicht mehr länger regieren kann. Aus diesem Grund muss der rechtmäßig gewählte Präsident Muhammad Mursi sein Amt wieder aufnehmen und somit dem Willen des Volkes Genüge getan werden. Damit nicht noch mehr Menschen sterben, darf sowohl die Weltgemeinschaft als auch die westlichen Staaten nicht tatenlos zusehen und sollten sich darum bemühen, dass in Ägypten wieder Normalität einkehrt. Wir hoffen, dass die Situation in Ägypten bald ein Ende findet und das ägyptische Volk ein Leben in Ruhe und Frieden führen kann.

In diesem Sinne werden wir am kommenden Sonntag nach dem Morgengebet in allen IGMG-Moscheen Bittgebete sprechen – sowohl für unsere Geschwister, die in Ägypten ihr Leben verloren haben als auch alle anderen Muslime Ägyptens, die weiterhin den Gräueltaten ausgesetzt sind. Wir laden alle unsere Geschwister dazu ein, sich uns anzuschließen und für alle Muslime zu beten, die unter Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu leiden haben.

IGMG Irschadabteilung

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