Freitagspredigt

Hutba: Notleidenden eine helfende Hand reichen

02. Mai 2014

Verehrte Muslime,

im Koran ruft Allah unseren Propheten zu Folgendem auf: „Senke deine Fittiche über die Gläubigen.“ [1] Dieses Gebot gilt natürlich für uns alle.

Es gibt viel Leid, viel Schmerz und viele Tränen auf dieser Welt. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen angesichts all dieses Elends tatenlos bleiben. Gerechtigkeit, Recht und Gesetze sind parteiisch. Sie werden missachtet, wenn die Betroffenen schwach und bedürftig sind. Das Leid hilfloser Menschen wird ignoriert, sie werden ihrem Schicksal überlassen. Das kollektive Gewissen der Menschheit steht ihnen nicht zur Seite.

Liebe Geschwister,

wer soll an die Kriegsopfer und an die Menschen, die von der ungerechten Gewinnverteilung betroffen sind, denken? Wer soll sich in diesen Zeiten um die Bedürftigen, Benachteiligten und Hilflosen kümmern? In Zeiten, in denen der Mächtige im Recht ist, der Schwache im Unrecht, in einer Welt, in der nicht das Wort, aber die Macht zählt, der Stärkere sich durchsetzt, in der die Zahl der Tyrannen zunimmt, Menschlichkeit abnimmt, das Gewissen verstummt und immer weniger Menschen an die Notleidenden denken.

Verehrte Muslime,

wir Muslime sind Geschwister. In einem Hadith ermahnt uns unser Prophet, empfindsam für die Probleme unserer Geschwister zu sein. Er sagte: „Die Muslime gleichen in ihrer Barmherzigkeit und ihrer Zuneigung füreinander einem Körper. Wenn ein Teil davon leidet, reagiert der ganze Körper mit Fieber und Schlaflosigkeit“ [2]

Die Ummah gleicht einem Körper: Wenn ein Glied (Muslim) leidet, so leidet der ganze Körper (alle Muslime) an Schlaflosigkeit und Fieber (Elend).

Wenn nicht wir an unsere Geschwister denken, wer dann? Wenn nicht wir ihnen die Hand reichen, wird ihnen keiner die Hand reichen.

Aus diesem Grund wird unser Gewissen nicht verstummen. Auch wenn die ganze Welt es ignoriert und ihr Elend nicht sieht, wir werden es ihnen nicht gleich tun. Denn wenn wir schweigen und nicht hinsehen, werden wir unser Gewissen und unsere Empfindsamkeit verlieren.

Ihr habt den Opfern der Überschwemmung in Pakistan, den Erdbebenopfern in Van, den Somaliern während der Dürre, den von Übergriffen betroffenen Muslimen in Arakan, den Menschen in Mittelafrika, die nur aufgrund ihrer Religion Gewalt erfuhren und den syrischen Flüchtlingen Eure helfende Hand gereicht. Bis heute habt Ihr nicht vergessen und nicht vergessen lassen. Auch in Zukunft wird dies der Fall sein. Wir werden das Gewissen der Menschheit sein. Vergesst nicht: Euch an ihrer Seite zu sehen, gibt den Menschen Hoffnung. Ihr gebt den Hoffnungslosen Hoffnung, ihr werdet dem Einsamen Freund, bringt den Hilflosen Hilfe und den Leidenden Linderung.

Liebe Geschwister,

der IGMG Hilfs- und Sozialverein Hasene hat unter dem Motto „Vergiss nicht und lass andere nicht vergessen“ eine Hilfskampagne gestartet. Wir laden Euch dazu ein, diese Kampagne, die den Benachteiligten weltweit neue Hoffnung geben wird, zu unterstützen und ihnen zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben. Mit euren Spenden in Höhe von 45 € für ein Hilfspaket werden Zehntausende in 30 Ländern überall auf der Welt und 30 Provinzen der Türkei während und nach dem Ramadan versorgt und ihnen mit Geschenken Freude bereitet.

Allah wird diejenigen, die die Unterdrückten und Notleidenden nicht vergessen, auch nicht vergessen. Möge Allah uns davor bewahren, zu den Menschen zu gehören, die vergessen und vergessen lassen. Möge Allah uns zu jenen Menschen zählen, die Menschen in Not helfen und empfindsam für das Leid anderer sind.


[1] Sure Hidschr, 15:88

[2] Buharî, Adab, 42; H. Nr: 6011

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