Freitagspredigt

Hutba: Nur Gutes denken

02. März 2013

Verehrte Muslime,

das moderne Leben bringt viele Möglichkeiten mit sich, die uns oft den Alltag erleichtern. Manchmal wirken sie sich aber auch negativ auf unsere zwischen-menschlichen Beziehungen aus. Menschen entfernen sich zunehmend voneinander, die Familienbande wird schwächer und es kommt oft zu Einsamkeit und Verfremdung. Je einsamer Menschen werden, desto weniger Geduld können sie für andere Meinungen und Verhaltensweisen aufbrin-gen. Das ist die erste Stufe zur Entwicklung von schlechten Eigenschaften wie Neid, Eifersucht, die Suche nach Fehlern bei anderen und der Angewohnheit zu lästern.

Die Grundlage für solche Eigenschaften sind schlechte Mutmaßungen (Zan) über andere. Das Wort „Zan“ bezeichnet Vermutungen, bei denen es nicht sicher ist, ob sie wahr oder unwahr sind. Es gibt zwei Formen von Vermutungen: die schlechte Vermutung und die gute Vermutung. Die erste bezeichnet das schlechte Denken oder Reden über jemanden. Die zweite bedeutet, nur Gutes über jemanden zu denken und zu sprechen. Diese Form der Vermutung gilt als Ibâda und ist wie ein Duâ für den, über den gut gedacht wird. Die schlechte Vermutung gilt als Sünde und wird vom Koran und dem Propheten als schlechte Tat beschrieben.

Liebe Geschwister,

lasst uns das Thema so veranschaulichen: Angenommen wir sehen unterwegs einen Bekannten und grüßen ihn. Er grüßt aber nicht zurück. Nun könnten wir uns denken, dass er uns bestimmt nicht gesehen hat und dass er sonst auf jeden Fall zurückgegrüßt hätte – das wäre die gute Vermutung. Oder wir denken uns: „Er hat sich schon immer für etwas Besseres gehalten.“ – das ist die schlechte Vermutung. Im Koran werden wir dazu angehalten, uns von solchen Gedanken fernzuhalten. „Ihr Gläubigen! Lasst euch nicht auf Mutmaßungen ein. Mutmaßun-gen anzustellen ist manchmal Sünde. Und spioniert nicht und sprecht nicht hinten-rum schlecht voneinander.“ (Sure Hudschûrât, 49:12)

Ein anderes Beispiel: Ein fremde Person kommt in einen Raum mit vielen anderen Personen. Auf den ersten Blick kann sie durch ihre Kleidung oder ihr Äußeres befremdlich wirken. Sollten wir so einen Gedanken mit anderen Menschen teilen, kann es dazu kommen, dass dies verbreitet wird, so dass man später sogar schlecht über diesen Menschen redet. Genau vor solchen Gedanken und solchem Reden sollten wir uns fernhalten. Wir sollten keine Mutmaßungen anstellen oder schnelle Urteile fällen, wenn wir etwas nicht ganz genau wissen. Vielmehr sollten wir dazu beitragen, dass gutes Benehmen, gute Absichten und Nachsicht verbreitet werden.

Verehrte Muslime,

eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es also, Mutmaßungen zu vermeiden und nur gute Vermutungen anzustellen. Auf diese Weise begeben wir uns nicht in die Gefahr, Rechenschaft für etwas Schlechtes ablegen zu müssen. Wir freuen uns, wenn wir davon hören, dass jemand Muslim geworden ist – selbst wenn diese Person Meilen weit weg ist und wir sie nicht kennen. Genau so sollten wir uns über unsere Geschwister freuen, die bei uns sind. Wir sollten ihre guten Seiten sehen, nur Gutes über sie denken, das Gute für sie wünschen und Duâs für sie sprechen.

Wir sollten nicht vergessen: Mutmaßungen sind eine Sünde, für die man Rechenschaft ablegen muss. Doch machen wir uns gute Gedanken über andere, werden wir nicht zur Rechenschaft gezogen, auch wenn die Gedanken nicht der Wahrheit entsprechen.

IGMG Irschadabteilung