Freitagspredigt

Hutba: Rassismus – ein großes Übel

20. März 2019 Tasbih Grün Schwarz
Tasbih Grün Schwarz

Verehrte Muslime!
Allah hat uns Menschen Emotionen gegeben wie z. B. Trauer, Freude und Liebe, aber auch Hass. Diese sind Teil unserer „Fitra“, also unserer natürlichen Veranlagung. Zugleich hat jeder Mensch individuelle Vorlieben und Abneigungen, die durch sein Umfeld mitgeprägt werden. Im Koran heißt es: „So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den wahren Glauben, gemäß der natürlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der Schöpfung Allahs.“[1]

Liebe Geschwister!
Hass wird oft durch Ungerechtigkeit oder Unterdrückung ausgelöst. Rassismus ist auch eine Form von Hass, jedoch speist sie sich aus Vorurteilen und Ablehnung gegenüber anderen Kulturen und Menschen. Rassismus ist eines der größten Übel unserer Zeit. Er verhindert das friedliche Miteinander von Menschen, ja er macht es fast unmöglich.

Es widerspricht dem Geist des Islams, sich aufgrund von Herkunft, Sprache oder Hautfarbe anderen Menschen oder Gemeinschaften überlegen zu fühlen, denn diese Eigenschaften kann sich niemand aussuchen. Der einzige Maßstab der Überlegenheit bei Allah ist die Gottesachtsamkeit, also Takwâ.
Leider sieht es in unserer heutigen Welt ganz anders aus. Weltweit werden Menschen wegen ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit diskriminiert und verfolgt. So z. B. die Muslime in Ostturkestan, denen sogar die grundlegendsten Menschenrechte verwehrt werden.

Verehrte Muslime!
Rassismus können wir am besten bekämpfen, wenn wir universelle menschliche Werte stärken und verteidigen. Uns muss bewusst sein: Nur Takwâ ist der Maßstab bei Allah. Das bedeutet: Für das Wohl aller Menschen arbeiten, Gutes tun und dabei demütig und bescheiden sein. Dadurch können wir unser endgültiges Ziel erreichen, nämlich die Zufriedenheit Allahs.

Soziale Netzwerke sind Räume, in denen rassistische Vorstellungen und Ideologien schnell verbreitet werden können. Neben all den Vorteilen, die sie bieten, ähneln sie manchmal einem übelriechenden Ort: Je länger man sich dort aufhält, umso mehr gewöhnt man sich an ihn. Deshalb müssen wir die Gesellschaft von Rassisten meiden und uns rassistischen Äußerungen eindeutig entgegenstellen.
Dafür setzen sich auch unsere Moscheen ein. Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus unter dem Motto „Grün statt braun“ setzen sie ein Zeichen für ein friedvolles und respektvolles Miteinander. Jeder gepflanzte Baum gegen den Rassismus wächst als Zeichen des Zusammenhalts.

Verehrte Geschwister!
Lasst uns die heutige Hutba mit den Worten unseres Propheten ﷺ aus der Abschiedspredigt beenden: „O ihr Menschen, euer Erhalter ist einer. Euer Vater ist auch einer. Weder steht der Araber über dem Nichtaraber oder der Nichtaraber über dem Araber, noch steht der Hellhäutige über dem Dunkelhäutigen oder der Dunkelhäutige über dem Hellhäutigen. Überlegenheit besteht allein in der Gottesachtsamkeit.“[2]

[1] Sure Rûm, 30:30
[2] Musnad, Ahmad bin Hanbal, Hadith Nr. 23489

Hutba-Rassismus – ein großes Übel

Hutba-Arabisch