Freitagspredigt

Hutba – Riyâ

07. September 2012

Verehrte Muslime,

Angeberei oder Heuchelei (Riyâ) sind wie die Spur einer Ameise in der Nacht; sie zu sehen ist nahezu unmöglich. Zu Anfang erscheint diese schlechte Charaktereigenschaft unbedeutend, aber je öfter sie sich wiederholt, wird ihre Spur mit der Zeit immer deutlicher. Sie wird zu einer Charaktereigenschaft, die moralisches Handeln unmöglich macht. Es ist sogar Hochmut, wenn man etwas um Allahs Zufriedenheit willen tut, aber dabei auch den Menschen gefallen möchte. Riyâ gilt ebenso als versteckter Schirk (Beigesellung). Die Unaufrichtigkeit in den Aussagen und Handlungen von Personen, die an einer solchen moralischen Schwäche leiden, wird schnell von den anderen Menschen bemerkt, sodass ihnen niemand mehr vertraut.

Liebe Geschwister,

alle Formen der Angeberei und Heuchelei stellen eine moralische Schwäche dar. Aber die Zurschaustellung der Gottesdienste (Pl. Ibâdât) gilt als die größte moralische Schwäche. Unser Prophet (saw) sagte: „Wer fastet, das Gebet verrichtet und Almosen gibt, um dies zur Schau zu stellen, hat vor Allah Schirk begangen.® (at-Tarğib wat-Tarhîb, I, 32) Nach einem anderen von Tirmizî überlieferten Hadith hat unser Prophet (saw) folgendes gesagt: „Das, wovor ich mich am meisten für euch fürchte, ist der versteckte Schirk.® Die Gefährten des Propheten (saw) fragten: „O Gesandter Allahs! Was ist der versteckte Schirk?® Der Gesandte (saw) antwortete: „Es ist Riyâ. Denn Allah wird am Tage des Jüngsten Gerichts, wenn er seinen Geschöpfen den Lohn für ihre Handlungen gibt, zu ihnen sagen: ‚Geht zu denjenigen, für die ihr geheuchelt habt! Schaut, ob ihr denn bei ihnen eine Belohnung findet?’® (Tirmizî, Hudûd, 24)

In Berichten, die zu diesem Thema in den Geschichtsbüchern zu finden sind, wird erzählt, Umar bin Abdulazîz habe, während er einen Brief an seine Provinzverwalter schrieb, folgendes gesagt: „Ich habe eine schöne und sehr treffende Ausdrucksweise verwendet, in mir ist der Stolz aufgekommen.“ Anschließend soll er die Briefe zerrissen und weggeworfen haben. Gemäß einer anderen Überlieferung in dem Meisterwerk Imâm Gazzâlis, Ihya al-Ulûm ad-Dîn, fragte jemand Saîd, den Sohn des Musayyab: „Jemand von uns tut Gutes und möchte gelobt und ausgezeichnet werden. (Wie wird es wohl damit sein?“) Saîd antwortete: „Würdest du wollen, dass man dir mit Missgunst begegnet?“ Darauf die Person: „Nein!“ Und Saîd: „Deswegen versuche, wenn du für Allah einen Gottesdienst verrichtest, diesen von Prahlerei zu reinigen.“ (Ihya al-Ulûm ad-Dîn, Bd. 3, S. 619) Damit wollte Saîd verdeutlichen, wie schändlich Riyâ ist. Diese Dinge, die als unwichtig und klein angesehen werden, lassen im Laufe der Zeit, wenn man auf der Riyâ beharrt, Ehrfurcht und Aufrichtigkeit aus dem Herzen verschwinden.

Verehrte Muslime,

lassen wir unsere Handlungen nicht durch Riyâ verloren gehen. Lasst uns Zuflucht nehmen bei Allah vor dem Schaytân (Satan), damit unsere Gottesdienste nicht einer Sünde wie der Heuchelei zum Opfer fallen. Um nicht der Angeberei und Heuchelei zu verfallen müssen wir mit uns selbst ins Gericht gehen und jene Dinge meiden, die unsere Gefühle, Gedanken und unsere Aufrichtigkeit angreifen. Wozu begehren wir es, den Menschen zu gefallen, die selbst erschaffen und machtlos sind. Wozu die Zurschaustellung, wo wir doch unser ganzes Herz erfüllen können mit Allah, dem Barmherzigen, der alles aus dem Nichts erschaffen hat, dem Allgnädigen, und wo wir doch alles um Seiner Zustimmung willen tun können? Denn „Zweifellos erkennt Allah keine anderen Taten an, als diejenigen, die nur für ihn getan werden, und ausschließlich in der Sorge, mit ihnen seine Zufriedenheit zu erlangen.“ (Nasâî, Dschihad, 24)

IGMG-Irschadabteilung

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