Freitagspredigt

Hutba – Sich am Ende des Jahres zur Rechenschaft ziehen

31. Dezember 2010

Verehrte Geschwister,

heute lassen wir erneut ein ganzes Jahr hinter uns. Unser Leben hat sich um ein Jahr, um 365 Tage verkürzt. Das wertvollste, was uns auf dieser Welt geschenkt wurde, unser Leben, ist um ein weiteres Jahr kürzer geworden. Hat uns das vergangene Jahr Freude gebracht, so freuen wir uns ebenso auf das neue Jahr. Wir sollten uns selbst Rechenschaft darüber ablegen, was wir in diesem Jahr gemacht und versäumt haben, um das kommende Jahr auf eine ihm gebührende Weise verbringen zu können. Dazu gehört, dass man begangene Fehler nicht wiederholt und an bestehenden Makeln arbeitet. Das Leben ist ein Segen, es wurde uns geschenkt und wir müssen uns vor Augen führen, dass es vergänglich ist. Es ist ein Geschenk von solch besonderem Wert, dass der Mensch damit eine Ewigkeit voll Zufriedenheit und Freude erreichen kann. Gerade dies macht die Besonderheit und den Wert des Lebens überhaupt aus. Daher sollte man dieses Juwel vorsichtig und gut benutzten. Dabei hilft uns, uns selbst regelmäßig zur Rechenschaft zu ziehen und auf diese Weise unser Leben zu planen. Das Jahresende ist ein guter Zeitpunkt hierfür.

Verehrte Geschwister,

als Träger eines Verstandes ist der Mensch auch Verantwortungsträger. Dieser Verantwortung wird er sich nicht allein durch seinen Verstand bewusst. Vielmehr wird er hierbei von der Offenbarung (Wahy) und Propheten unterstützt. Ihm werden richtige und falsche Wege aufgezeigt. Somit wird der Mensch für alles, was er in seinem Leben getan und nicht getan hat zur Verantwortung gezogen werden. „Was war ich und was wird aus mir?“ sind Fragen, die sich jeder zu stellen hat. Nach einer Entwicklung über Kindheit, Jugend, das mittlere Alter und das hohe Alter erfolgt der unüberwindbare Tod eines jeden Menschen. Der Tod ist eine unumgängliche Tatsache und jeder wird ihn kosten. Jemand, der sich dessen bewusst ist, wird stets auf den Tod vorbereitet sein. Wie viele Personen waren letztes Jahr noch zwischen uns? Ehepartner, Verwandte, Bekannte, die im letzten Jahr das irdische Leben verlassen haben, zeigen uns, dass wir uns auch niemals sicher sein können, ob wir das darauffolgende Jahr erreichen werden. Deswegen muss man sich stets selbst fragen: Würde sich jetzt meine Seele von meinem Körper trennen, würden meine guten Taten genügen, um nicht beschämt vor meinem Herrn zu stehen?

Verehrte Muslime!

lasst uns ernsthaft darüber nachdenken. Lasst uns selbst zunächst zur Rechenschaft ziehen, bevor wir vor dem Großen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Über den Ausspruch des Gesandten Allahs, dass niemand am Tag des Jüngsten Gerichts, den Ort verlassen wird, bevor er nicht für alles, was er getan hat, zur Rechenschaft gezogen wurde (Tirmizî, Kiyâma 1), sagt Umar (ra): „Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet.“ Nun wird uns ein weiteres Jahr geschenkt – wenn es uns vorbestimmt ist. Lasst uns unsere guten und schlechten Taten messen, die Guten vermehren und den Schlechten in unserem Leben keinen Platz mehr geben. Lasst uns Abstand nehmen von verbotenen Dingen, öfter Reue (Tawba) zeigen, vermehrt auf unsere Ibâdat (Gottesdienste) achten und unseren Familien und Freunden immer das Gute nahelegen. Allah, der Schöpfer aller Dinge, sagt: O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.“  (Sure Haschr, [59:18])

IGMG-Irschadabteilung

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