Freitagspredigt

Hutba – Sich vor der Sünde hüten

03. August 2007

Verehrte Geschwister,

in unserer heutigen Hutba werden wir das Thema „Sich vor der Sünde hüten“ behandeln. Sünden (türkisch Günah) sind Handlungen, die den Geboten Allahs zuwiderlaufen, in der Religion als Verwerflich angesehen werden und die dem Islam und der Natur (Fitra) des Menschen widersprechen. Sünde wird auch mit „Ism“, „Zanb“, „Isjân“ und „Dschurm“ ausgedrückt. „Ism“ ist die genaue Widergabe des türkischen „Günah“. „Zanb“ und „Dschurm“ bezeichnen die Dinge, die der Erlangung der Zufriedenheit Allahs im Wege stehen. „Isjân“ heißt Allah gegenüber ungehorsam zu sein.

Derjenige, der den Islam als Religion angenommen hat, hat sich von der größten Sünde, dem Polytheimus (Schirk) , also Allah andere Gottheiten zur Seite zu stellen, befreit. Aber jemand, der sich vom Polytheismus befreit hat, kann dennoch sündigen. Und eben für diese sind wir verantwortlich, von diesen müssen wir uns ein Leben lang fernhalten. Eigentlich wird der Mensch, wie es auch im Hadîth „Jeder von seiner Mutter geborene Mensch wird gemäß seiner Natur vollkommen rein geboren.“ (Muslim, Kadr, 25) ausgedrückt wird, völlig rein auf die Welt gebracht. Erst später beschmutzt er sich mit Sünden.

Und da er sich aus freien Stücken der Sünde zugewendet hat, ist er dafür verantwortlich. Die Sünden werden in kleine und große Sünden unterteilt. Einige große Sünden sind, Allah andere Gottheiten beizugesellen, das Töten eines Menschen, jemanden des Ehebruchs zu beschuldigen (Iftirâ) und selbst Ehebruch (Zinâ) zu begehen, Zauberei (Sihr) zu betreiben, sich am Eigentum des Waisen zu vergreifen, den Eltern zu widersprechen, Zinsen zu nehmen, in der verbotenen Zone Mekkas (Haram) Sünden zu begehen, zu stehlen, Alkohol zu trinken und dem Glücksspiele zu frönen.

Diese Sünden zu begehen führt zwar nicht zum Unglauben (Kufr) , macht einen aber zu einem großen Sünder. Unsere Gelehrten haben gesagt: „Sieh nicht auf die Größe der Sünde, sondern gegen wen du sie begehst.“ Aus diesem Grund ist alles, das der Erkenntnis von Allah und der Dienerschaft ihm gegenüber hinderlich ist sowie alles, das zwischen Allah und seinem Diener (Kul) steht eine Sünde, von der es sich fernzuhalten gilt.

Verehrte Geschwister,

sich vor Sünden zu hüten, kommt vor der Verrichtung der Pflichten (Farz). Zuerst muss das Herz von Sünden gereinigt werden. Die Pflichten schmücken das Herz. Sünden und Verbotenes vergiften das religiöse Gefühlsleben. Dabei ist dieses Gift im ersten Moment süß wie Honig, doch dies täuscht den Menschen nur und zerstört nach und nach sein religiöses Gefühlsleben. Jede Gabe ist eben der Gegenwert einer Anstrengung.

Wer das Paradies (Dschanna) und die Schau Gottes (Dschamâlullâh) will, muss, um nicht den Trieben (Nafs) gefällige Sünden zu begehen, einige Mühen und Schwierigkeiten auf sich nehmen und sich Allah anvertrauen.

Das Mittel dafür führt über das Geheimnis der Güte (Ihsân) , also aufrichtig zu akzeptieren, dass Allah uns sieht und, als ob wir Allah sehen würden. Außerdem müssen wir im Bewusstsein dessen handeln, dass ein Engel über unserer linken Schulter unsere Sünden aufschreibt. Sünden und Ungehorsam führen zu schlimmen Ergebnissen.

Wer sündigt, dem wird das Wissen (Ilm) versagt, dessen Verdienst (Rizk) zählt zum Verbotenen (Harâm) , dem wird der Segen und die Güte Allahs verwährt, dessen Natur (Fitra) verändert sich, wird gefühls- und gewissenslos, bleibt der Reue fern, dessen Inneleben verdunkelt sich, dessen Herz rostet, verliert Scham und Charakter, der wird unter Muslimen vereinsamen, dem wird jede Sünde einer anderen Sünde Tür und Tor öffnen, der wird in der selben Kategorie mit Pharao (Fir’awn) , Nimrod (Namrût) und dem Volk des Propheten Lût sein, dem widerfahren Unheil und Unglück, der wird von der Reue und Buße der Engel und der Fürbitte des Gesandten Gottes ausgeschlossen und hat letztenendes einen schwachen Glauben (İmân) .

Wenn dies so ist, verehrte Geschwister,

lasst uns, so weit wie nur möglich, der Sünde fernbleiben. Lasst uns nicht auf Fehlern, die aufgrund des Triebes (Nafs) gemacht wurden, beharren, sondern sofort bereuen und uns Allah zuwenden. Lasst uns wegen unserer Sünden nicht die Hoffnung verlieren. Lasst uns daran glauben, dass Er die Reue des Bereuenden annimmt.

Denn sowohl Allah als auch unser Prohpet haben uns folgendes verheißen: Er ist es, Welcher die Reue Seiner Diener annimmt und Untaten vergibt. Und Er weiß, was ihr tut. „ [42:25], „Siehe, Allah vergibt nicht, dass man Ihm Götter beigesellt, doch verzeiht Er im übrigen, wem Er will. Wer Allah Götter beigesellt, hat eine gewaltige Sünde ersonnen.„ [4:48], „Sprich: »O meine Diener, die ihr euch gegen euch selber vergangen habt! Verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit; seht, Allah verzeiht die Sünden allzumal. Er ist gewiss der Vergebende, der Barmherzige. „ [39:53], „Alle Menschen machen Fehler. Die Besten unter denen, die Fehler begehen, sind die, die sie bereuen.“ ( At-Tâdsch, Bd. V, S. 151).

Lasst uns also immer diese göttlichen Nachrichten ins Gedächtnis rufen und wie folgt beten: „Oh mein Herr, der die Herzen verändert und wendet, lass unsere Herzen in deiner Religion (Dîn) beständig und stetig sein.“ (Ibni Kathîr, I, 508)

IGMG – Irschad-Abteilung

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