Freitagspredigt

Hutba: Spenden – im Wohlstand als auch in Not

18. April 2014

Verehrte Muslime,

unsere heutige Hutba handelt vom Spenden (Infâk) in Zeiten der Not und in Zeiten des Wohlstands.

Die Beziehung zu unserem Schöpfer wird durch unseren İmân und unsere Ibâdas (Gottesdienste) hergestellt und aufrecht-erhalten. Dadurch haben wir die Möglich-keit, Allah näher zu kommen. Dies kann jedoch nicht ohne die Interaktion mit anderen Menschen geschehen. Eine gute Beziehung zu unserem Schöpfer zeichnet durch unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen aus. Und das ist gleichbedeutend mit Takwâ.

Einer der wichtigsten Maßstäbe von Takwâ ist der Infâk (das Spenden um Allahs Willen). Infâk bedeutet, die uns von Allah gegebenen Dinge sowohl im Wohlstands als auch in Not mit anderen zu teilen. Im Koran heißt es: „Und wetteifert um die Vergebung eures Herrn und einen Garten, der weit ist wie die Himmel und die Erde, bereitet für die Gottesfürchtigen, die da spenden in Freud und Leid und den Zorn unterdrücken und den Menschen vergeben. Allah liebt die Gutes Tuenden.“[1]

Verehrte Muslime,

beim Spenden um Allahs Willen ist die Menge unbedeutend. Wichtiger ist, die Bereitschaft und die Reife zu zeigen, die Gaben Allahs mit anderen zu teilen. Eine solche Reife zeigt, dass man Herr seiner selbst ist. Wer nicht über die Reife zum Infâk verfügt, der wird quasi von seinem Vermögen und seinem Besitz beherrscht. Diese Abhängigkeit ist es, die einen Muslim davon abhält, gottesfürchtig zu sein.

Liebe Geschwister,

ein weiterer wichtiger Punkt beim Spenden im Wohlstands und in Not ist es, erst mit den Menschen in unserem Umfeld zu beginnen und dann den Kreis auf die ganze Welt auszuweiten. Jeder sollte zunächst für das Wohl seiner Familie, Verwandten und Freunde sorgen. Doch manchmal sind die Menschen in der Ferne bedürftiger. Dann muss ihnen Vorrang eingeräumt werden. Schließlich hatte auch unser Prophet während einer Dürreperiode den Menschen in Mekka Hilfe zukommen lassen, obwohl es auch in Medina bedürftige Menschen gab. 

Verehrte Muslime,

wir möchten unsere Hutba mit drei Versen aus der Sure Insân abschließen. Viele Koranexegeten sind der Meinung, dass in diesen Versen Ali (r) geehrt wird. Er spendete für die Bedürftigen, obwohl er und seine Familie selbst in Not waren. Es wird berichtet, dass er an einem Tag, an dem er fastete, drei von vier seiner Brote drei Bedürftigen gab, die an seine Türe klopften. Daraufhin wurden folgende Koranverse herabgesandt: „Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung selbst bedürfen. „šSeht, wir speisen euch um Allahs willen. Wir wollen weder Belohnung von euch noch Dank. Seht, wir fürchten einen finsteren, unheilvollen Tag von Seiten unseres Herrn.'“[2] Möge Allah uns zu seinen Geschöpfen zählen, die sowohl in Zeiten des Wohlstands als auch in Zeiten der Not spenden.


[1] Sure Âli Imrân, 3:133-134

[2] Sure Insân, 76:8-10