Freitagspredigt

Hutba: Unsere Eltern

11. Juli 2019 Koran Seite Tasbih Orange
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Verehrte Muslime!

Wir alle waren mal Kinder und haben heute oft eigene Kinder, für die wir sorgen und die wir bis an unser Lebensende begleiten werden. Im Koran gibt es viele Beispiele für vorbildhafte Familien. An ihnen können und sollten wir uns orientieren.

Liebe Geschwister!

Der Prophet Ibrâhîm (a) zum Beispiel wurde mit seinem Vater geprüft, der den Glauben an einen einzigen Gott ablehnte. Obwohl er von ihm schikaniert wurde, verhielt er sich respektvoll gegenüber seinem Vater und sprach ihn stets mit يَا اَبـَتِ „O, mein Vater“ an.[1] Der Prophet Yahyâ (a) wird ebenfalls wegen seines respektvollen Umgangs mit seinen Eltern gelobt. Im Koran heißt es: „Wir gaben ihm Weisheit, als er noch ein Kind war, und Mitgefühl und Reinheit von uns. Und er war fromm, und voll Liebe gegenüber seinen Eltern. Und er war weder hochmütig noch widersetzlich.“[2] Unser Prophet, Muhammad ﷺ, sagte: „Die Zufriedenheit Allahs liegt in der Zufriedenheit der Eltern. Mit wem seine Eltern unzufrieden sind, mit dem ist auch Allah unzufrieden.“[3]

Verehrte Muslime!

Im Koran heißt es auch: „Dein Erhalter hat bestimmt, dass ihr ihn allein anbeten sollt und dass ihr gegen eure Eltern gütig seid, auch wenn der eine von ihnen oder beide bei dir ins hohe Alter kommen.
Sag daher nicht ‘Uff!’ zu ihnen und schelte sie nicht, sondern rede mit ihnen auf ehrerbietige Weise.“[4]
Der Respekt gegenüber den Eltern wird an dieser Stelle besonders betont. Im darauffolgenden Vers heißt es: „Bedecke sie demütig mit den Flügeln der Barmherzigkeit und bitte: ‘O mein Erhalter! Erbarme dich beider so (barmherzig), wie sie mich aufzogen, als ich klein war!’“ Der Mensch neigt zur Vergesslichkeit. Die Ermahnung durch Allah ist deshalb besonders wichtig. Den Eltern gegenüber gütig zu sein, für sie zu beten und damit das koranische Gebot zu befolgen, ist unser aller Aufgabe.

Verehrte Muslime!

Die Gehorsamkeit gegenüber unseren Eltern ist verpflichtend. Ausgenommen davon ist, wenn sie von uns verbotene Dinge fordern. Als einer der Prophetengefährten ohne die Erlaubnis seiner Eltern an einer Reise teilnehmen wollte, schickte der Prophet ﷺ ihn wieder zurück, damit er sich um seine Eltern kümmern konnte.[5] Wer die Gelegenheit nicht nutzt, durch die gute Behandlung der Eltern das Paradies zu gewinnen, dem kann auch unser Prophet ﷺ nicht helfen.

Eine Mutter trägt ihr Kind neun Monate lang als einen Teil von sich in ihrem Bauch. Sie bringt es unter großen Schmerzen auf die Welt. Sie stillt es und zieht es groß. Auf diese Hingabe wird auch im Koran verwiesen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass unser Prophet ﷺ auf die Frage, wer den meisten Anspruch auf gute Behandlung habe, dreimal mit „Deine Mutter!“ antwortete.[6]

Lasst uns die Hutba mit dem Duâ beenden, das jedem von uns bekannt sein sollte: „O unser Erhalter! Vergib mir und meinen Eltern und den Gläubigen am Tage der Rechenschaft!“[7] Amin

[1] Sure Maryam, 19:44
[2] Sure Maryam, 19:12-14
[3] Tirmizî, Birr, 3, Hadith Nr. 1899
[4] Sure Isrâ, 17:23
[5] Vgl. Buhârî, Dschihâd, 138, Hadith Nr. 3004; Muslim, Birr, 1, Hadith Nr. 2549
[6] Buhârî, Adab, 2, Hadith Nr. 5971; Muslim, Birr, 1, Hadith Nr. 2548
[7] Sure Ibrâhîm, 14:41

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